Harthausen / Neustadt
Pläne für Naturschule im Grünen
Den Verein Leuchtfeuer gibt es seit Ende Januar dieses Jahres. Wie die Vorsitzende Regina Schmitt berichtet, hätten sich sieben Gründungsmitglieder zusammengetan, die sich ein naturnahes Schulangebot für Kinder wünschen. „Es gibt den Bedarf an Alternativen zur Regelschule“, sagt die Mutter zweier Kinder. Die freien Bildungseinrichtungen im Umkreis wie Montessori- oder Waldorf-Schulen seien in der Regel voll belegt. Naturschulen gebe es in Kandel und Völkersweiler, in Enkenbach sei eine geplant. Im Raum Neustadt existiere ein solches Angebot noch nicht. In der Stadt an der Weinstraße hat sich der Verein laut Schmitt auch zuerst nach einem Grundstück umgesehen. Allerdings habe die Stadt die Ansiedlung im Ortsteil Lachen abgelehnt, da es sich um Außenbereich handelte. „Es ist schwierig, in der Stadt etwas zu finden“, erklärt Schmitt, wie der Verein schließlich in Harthausen fündig wurde.
Über die Spendenplattform „betterplace.org“ will die Gruppe Geld sammeln, um ihre Idee einer „freien Naturschule“ dort Wirklichkeit werden zu lassen. 10.308 Euro sind das Ziel, allerdings war bis Mittwoch erst eine kleine Spende über die Internetplattform eingegangen. Das ist laut Regina Schmitt aber kein Problem: „Die Leute spenden erst, wenn konkret etwas entsteht“, ist sie überzeugt.
Aber was hat der Verein eigentlich konkret vor? „Geplant ist eine verbundene Grund- und Realschule Plus in jahrgangsgemischten Gruppen“, erläutert der Verein. „Wir wollen als Draußen-Schule viel Zeit in der Natur und der Kultur verbringen. Außerdem möchten wir eine ursprüngliche Art des Lernens leben und deshalb anstatt des herkömmlichen Klassenzimmers Tipis nutzen.“ Der Bauwagen soll insbesondere als Bibliothek sowie Material- und Lernangebotsraum dienen und eine autarke Stromversorgung für den digitalen Medieneinsatz bereithalten. Auch eine „nachhaltige Toilettenanlage“ für die menschlichen Bedürfnisse ist geplant. Schon im kommenden Schuljahr würde die Naturschule gerne an den Start gehen.
Im Naturschutzgebiet
Die Anforderungen an das Gelände formuliert der Verein auf seiner Internetseite: Es sollte circa 1500 Quadratmeter umfassen, ruhig und in Waldnähe gelegen sein – wenn möglich auch mit Obstbaumbestand. „In Harthausen haben wir nun ein schönes Gelände gefunden und möchten dort mit Tipis und Bauwagen starten“, informiert der Verein potenzielle Spender. Laut Schmitt hat Leuchtfeuer das Gelände in der Gewann „Untere Ochsenlache“ westlich der Straße zwischen Harthausen und Hanhofen, etwa in Höhe des Kapellchens, bereits für ein Jahr gepachtet. Auf der Tagesordnung der Sitzung des Bauausschusses der Ortsgemeinde Harthausen am heutigen Donnerstag steht eine Bauvoranfrage für die freie Naturschule. Konkret geht es um die Aufstellung von zwei Bauwagen, drei Tipis, „naturnahen“ Sanitäranlagen und oberirdischen Wassertanks/Zisternen. Außerdem soll das Grundstück eingezäunt werden.
Die Chancen, dass die Leuchtfeuer-Gruppe tatsächlich eine Schule auf dem Gelände eröffnen darf, ist allerdings klein. „Der Standort ist dafür definitiv nicht geeignet“, findet Harthausens Ortsbürgermeister Harald Löffler (CDU). Das ist auch der Standpunkt der Verbandsgemeindeverwaltung in Dudenhofen. „Das Grundstück liegt im Außenbereich sowie im Landschaftsschutzgebiet und ist auch als FFH- (Fauna-Flora-Habitate) und Vogelschutzgebiet ausgewiesen“, schildert die Verwaltung die Ausgangssituation. Laut Baugesetzbuch könnten im Außenbereich „sonstige Vorhaben im Einzelfall zugelassen werden, wenn ihre Ausführung oder Benutzung öffentliche Belange nicht beeinträchtigt und die Erschließung gesichert ist“. Das sieht die Verwaltung in dem vorliegenden Fall nicht gegeben. „Anhand dieser vorgenannten Kriterien ist das Einvernehmen zu versagen“, gibt sie daher dem Bauausschuss mit auf den Weg.
Sollte das Gremium der Empfehlung folgen, will der Verein besprechen, ob er sich rechtlichen Beistand holt. Wenn es in Harthausen nichts wird, soll die Suche nach einem Standort weitergehen. Das bereitsgepachtete Gelände will der Verein in jedem Fall nutzen – für Gruppenstunden mit Kindern oder Ferienbetreuung.
Termin
Sitzung des Haupt- und Bauausschusses der Ortsgemeinde Harthausen am Donnerstag, 7. September, ab 19 Uhr, im Historischen Tabakschuppen.

