Hochdorf-Assenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Pflege im Wandel der Zeit: 50 Jahre Ökumenische Sozialstation

35 Mitarbeiter bilden das Team der Ökumenische Sozialstation
35 Mitarbeiter bilden das Team der Ökumenische Sozialstation

Die Ökumenische Sozialstation Böhl-Iggelheim feiert heute ihren 50. „Geburtstag“. Coronabedingt „nur“ mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Peter Hochdorf (18 Uhr), bedauert Geschäftsführerin Doris Krieg. Als kleines Geburtsgeschenk gibt es aber auch eine Festschrift. Und die ist durchaus lesenswert.

Das Motto der Schrift sind „50 Jahre Sozialstation Böhl-Iggelheim im Wandel der Zeit“, erläutert Doris Krieg. So erfährt der Interessierte, dass die Sozialstation zunächst in einem Gebäude in der Böhler Kirchenstraße beheimatet war. Seit 2012 befindet sie sich in einem eigenen Gebäude in Hochdorf-Assenheim und damit im Zentrum ihres mehr als 23.000 Einwohner umfassenden Einzugsgebiets. Das erstreckt sich über Böhl-Iggelheim und die Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim. 2015 wurde zusätzlich zu den Pflege- und Hilfsangeboten das „Café Sonnenschein“ gegründet, in dem pflegebedürftige Menschen in Räumen der Sozialstation an drei Tagen in der Woche gesellige, betreute Stunden verbringen können.

Das Konzept wurde zukunftsweisend

Die Gründung der Sozialstation war die Konsequenz daraus, dass das seit dem 19. Jahrhundert bestehende örtliche Kranken- und Altenpflegesystem mit Diakonissen und Ordensschwestern nicht mehr zeitgemäß war, ist in der Festschrift zu lesen. Um ein zukunftsfähiges Pflegesystem vor Ort zu entwickeln, ergriff die damalige Landtagsvizepräsidentin und sozial engagierte Böhl-Iggelheimer Ursula Starlinger (1917-2005) mit Unterstützung des damaligen rheinland-pfälzischen Sozialministers Heiner Geißler (1930-2017) die Initiative zur Gründung einer Ökumenischen Sozialstation. Die ging schließlich am 1. April 1971 an den Start. Vereinsmitglieder waren damals neben den Böhl-Iggelheimer Kirchengemeinden auch die vier örtlichen Krankenpflegevereine. Seit dem Anschluss der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim 1973 gehören 13 Kirchengemeinden mit neun Krankenpflegevereinen zum Verbund der Ökumenischen Sozialstation Böhl-Iggelheim. Deren Konzept wurde laut Krieg für die ambulante Pflege in Deutschland zukunftsweisend.

In den letzten Jahren strukturierte der ehrenamtliche Vorstand noch einmal um, um sich den Herausforderungen wie kontinuierlich wachsende Mitarbeiterzahlen, Einsätze, Bilanzsummen und Erlöse zu stellen und so einen modernen Dienstleistungsbetrieb zu installieren. So wurde 2017 mit Doris Krieg eine hauptamtliche Geschäftsführerin bestellt und 2020 die operative Tätigkeit in eine gemeinnützige GmbH mit der Ökumenischen Sozialstation als einzigem Träger ausgegliedert. Laut Festschrift geschah dies auch vor dem Hintergrund, dass in den 1990er-Jahren „Pflege“ politisch als Markt definiert und die Entwicklung durch die Einführung der Pflegeversicherung mit engen, festgelegten Budgets für die ambulante Pflege weiter zementiert wurde.

Wurzeln im christlichen Glauben

Vorstand der Ökumenischen Sozialstation und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung ist seit Sommer 2020 Thomas Buschulte. Aktuell leisten 35 Mitarbeiter bei der Sozialstation Böhl-Iggelheim fachpflegerische und pflegerische sowie hauswirtschaftliche Hilfe. Sie betreuen und sie unterstützen beim Erstellen von Anträgen, erklärt Krieg.

Trotz vieler Probleme etwa finanzieller Art oder bedingt durch den Wandel der Verordnungen, der Altersstruktur und der Ansprüche habe sich aber die im christlichen Glauben wurzelnde diakonische, karitative Arbeit der Ökumenischen Sozialstation bewährt. „Allerdings müssen wir heute wegen des akuten Pflegekräftemangels erhebliche Abstriche machen“, bedauert die Geschäftsführerin. So sei es wegen der begrenzten Personalressourcen nicht mehr möglich, auf alle Kundenwünsche bezüglich Uhrzeiten oder Pflegepersonen einzugehen. Strenger geworden sei im Laufe der Zeit auch die Dokumentationspflicht, aus diesem Grund wird aktuell ein Dachgeschoss zu einem weiteren Büro- und Besprechungsraum samt weiteren PC-Plätzen ausgebaut. Außerdem wird derzeit die Erweiterung des Parkplatzes geplant. Und mit einem neuen Logo und neuen T-Shirts in frischem Grün möchte man sich zum Jubiläum eine Verjüngungskur verpassen.

Für die Zukunft wünscht sich das Team der Sozialstation, dass politische, gesetzliche und finanzielle Voraussetzungen geschaffen werden, um eine menschenwürdige ambulante Pflege mit individueller Zuwendung und einer ausgewogenen Balance zwischen Bürokratie, fachlichem Können, Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit zu gewährleisten.

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