VG Römerberg-DUDENHOFEN RHEINPFALZ Plus Artikel Pfarrer vor Abschied: Zwischen Verzweiflung und Dankbarkeit

Wird Dudenhofen – trotz allem – vermissen: Josef Metzinger mit seinen Hunden Tirzah (rechts) und Yuna.
Wird Dudenhofen – trotz allem – vermissen: Josef Metzinger mit seinen Hunden Tirzah (rechts) und Yuna.

Seit ein paar Wochen steht es fest: Pfarrer Josef Metzinger wird die Pfarrei Heilige Hildegard im Oktober in Richtung Göllheim im Donnersbergkreis verlassen. Beim Gespräch mit dem Geistlichen ist viel Verbitterung über Erlebtes zu spüren, aber auch eine enorme Dankbarkeit für eine „geile Zeit“, wie er die vergangenen fast neun Jahre in der Vorderpfalz trotzdem beschreibt.

Josef Metzinger freut sich auf seine neue Aufgabe in der Pfarrei Heiliger Philipp der Einsiedler in der Nordpfalz. Seine Hoffnung ist, dort nicht auf jene Umstände zu treffen, die ihn zuletzt in Dudenhofen zermürbt haben. Der leidenschaftliche Seelsorger sah sich hier kaum noch in der Lage, allen seinen Schäfchen gerecht zu werden. Durch die Schaffung der Großpfarrei, die das Gebiet der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen umfasst, war er als Pfarrer mit Sitz in Dudenhofen für fast 10.000 Katholiken zuständig. Ganz anders in Göllheim: Zwar umfasst die Pfarrei dort 15 Dörfer, doch in dem protestantisch geprägten Gebiet leben nur rund 2700 Menschen katholischen Glaubens.

Querelen belasten

Kindergärten in Trägerschaft der katholischen Kirche gibt es dort nicht. In seiner jetzigen Pfarrei war Metzinger für fünf Kitas verantwortlich. Der Rollenkonflikt, als Theologe auch Verwalter und wirtschaftlich Handelnder sein zu müssen, hat den gebürtigen Landauer belastet. Hinzu kamen Querelen mit einzelnen alteingesessenen Gemeindemitgliedern, die unter anderem Metzingers Kurs, verstärkt auf die Jugend zu setzen, kritisch sahen. Die Auseinandersetzungen mit einigen Gegnern haben Metzinger so zugesetzt, dass er keine andere Möglichkeit sah, als Dudenhofen zu verlassen. „Wir haben uns bedroht gefühlt“, sagt er in aller Deutlichkeit über seine Verzweiflung in den vergangenen Monaten. Mit „uns“ meint Metzinger sich und seine Haushälterin Annika Kröner, die mit dem Pfarrer in die Nordpfalz ziehen wird. Der Geistliche macht aber auch klar, dass es sich bei den betreffenden Personen nur um eine kleine Minderheit handelt. Insgesamt seien die fast neun Jahre in Dudenhofen „ein absoluter Segen“ gewesen.

„Ich erhoffe mir weniger Verwaltungstätigkeit und mehr Seelsorge“, sagt der Pfarrer daher mit Blick auf die neue Aufgabe in Göllheim. Ein wenig „zur Ruhe kommen“ will der auch gesundheitlich angeschlagene 53-Jährige. Weil er die Chance aufgrund der Rahmenbedingungen dort sieht, hat sich Metzinger entgegen seinen ursprünglichen Vorsätzen entschieden, doch noch einmal eine Stelle als leitender Pfarrer anzunehmen. Für die Bistumsleitung hat er in diesem Zusammenhang nur Lob übrig: „Ich hatte viel Mitspracherecht und habe nichts aufgedrückt bekommen“, sagt er. Solche Rückendeckung aus Speyer hat er in der Vergangenheit gelegentlich vermisst. In der Nordpfalz kann Metzinger nun einen völlig unbefangenen Neuanfang wagen.

Herzensanliegen war ihm stets, die Jugend ins Boot zu holen. Mit seinen Messdienern hat er Reisen in viele Länder, sogar in die USA, unternommen. Große Abschiedsfeiern mag Metzinger nicht und er plant auch keine für sich. Mit den Jugendlichen hat er – bereits vor der Corona-Pandemie – trotzdem einen Abschlussabend gemacht. „Sonst hätte mir was gefehlt“, sagt er. Dass zuletzt viele junge Menschen in die Pfarrgremien gewählt wurden, empfindet der Geistliche als Bestätigung seines Kurses. „Ich bin empfindlich, wenn Leute meinen, die Jugend behandeln zu müssen wie dumme Schulkinder“, spielt der Pfarrer auf seine Gegner innerhalb der Pfarrei an.

Progressiver Kurs

Dass die große Masse der engagierten Katholiken hinter ihm und seinem progressiven Kurs steht, zeigt auch ein einstimmiger Beschluss, den die Pfarrgremien mit Blick auf homosexuelle Paare gefasst haben. Die Gremien sprechen darin laut Metzinger einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren ihre Unterstützung aus. Eine solche hat der Pfarrer bislang einmal vorgenommen: „verbotenerweise“ vor zwölf Jahren in Steinfeld, wie er sagt. Doch vor seinem Abschied werde er auch in Dudenhofen ein homosexuelles Paar segnen, kündigt der Pfarrer an. Eine Segnung sei keine Hochzeit, stellt Metzinger klar und lässt gleichzeitig durchblicken, dass er keine Einwände hätte, wenn Homosexuelle kirchlich heiraten dürften.

Auch beim Thema Ökumene denkt Josef Metzinger fortschrittlicher als viele andere in der katholischen Kirche. Gelebt wurde diese in seiner Zeit als Pfarrer im Speyerer Umland beispielsweise dadurch, dass es bei Fronleichnamsumzügen in Mechtersheim eine Station auch in der protestantischen Kirche gab. Und im Lutherjahr hat Metzinger auf Einladung des protestantischen Pfarrers Volker Glaser vor evangelischem Publikum gepredigt und dabei die Verdienste des Reformators gelobt.

Doch die Suche nach Gemeinsamkeiten endet für Metzinger nicht bei den christlichen Konfessionen. Zum Pfarrfest vor drei Jahren lud er Vertreter der Speyerer Moscheegemeinde ein. Eine „richtig tolle Begegnung“ sei das gewesen, schwärmt der Pfarrer. „Da hat man gemerkt, dass die Religionen verwandt sind.“ Gleichzeitig lobt er die Offenheit seiner Gemeinde. „Das hätte man nicht überall machen können“, sagt er. „Wenn man die Religionen von den Hardlinern befreien könnte, dann würden sie sich die Hand reichen“, ist Metzinger überzeugt.

Zur Sache: „Menschliche Tragödie“

Im Umfeld von Josef Metzinger ist das Bedauern über den bevorstehenden Abschied groß. „Sehr schade“ findet es Martina Schäfer, die im Namen der drei Pfarrsekretärinnen spricht. Gleichzeitig versteht sie seine Entscheidung und ist überzeugt, dass es „der richtige Weg“ für ihn ist. „Ich freue mich, dass Josef eine gute Stelle bekommt und bin traurig, weil wir ein sehr gut funktionierendes Team sind“, sagt Pastoralassistent Michael Gutting. Enttäuscht ist er von „mangelnder Unterstützung“ durch die Bistumsleitung für den Pfarrer bei den Querelen mit manchen Gemeindemitgliedern. „Ich habe selten einen Chef erlebt, der ein Team so auf Augenhöhe führt“, urteilt Pastoralreferentin Sabine Alschner. Auch sie bedauert, dass es „eine Handvoll Leute“ geschafft habe, das Team zu zerschlagen. Kooperator Gerhard Kolb lobt Metzingers Fleiß: „Ich habe noch nie einen Pfarrer erlebt, der so viel geschafft hat.“ Er habe mit diesem angesichts der Anfeindungen gelitten. „Der Bistumsleitung war nicht klar, dass hier der Baum brennt“, sagt er und nennt die Geschehnisse eine „menschliche Tragödie“.

Drei Begleiterinnen von Josef Metzinger drücken in einem gemeinsamen Brief ihr Bedauern anlässlich seines Abschieds aus: die Dudenhofener Sakristanin Waltraud Mertens, Ute Forler aus dem Hanhofener Gemeindeausschuss und Sylvia Machauer, deren Tochter engagierte Messdienerin ist. „Bei einigen Pfarreimitgliedern war er von Anfang an nicht willkommen und wurde verurteilt, bevor er überhaupt seine Stelle in unserer Pfarrgemeinde angetreten hat“, schreiben sie. „Leider zählen bei manchen Äußerlichkeiten mehr als innere Werte.“ Metzinger sei eine große Bereicherung für die Gemeinden. „Ein Mensch, der wie nie zuvor Kinder, Jugendliche, Erwachsene ernst genommen und respektiert hat, der begeistern und Werte vermitteln kann und Engagement wertschätzt.“

x