Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Pfarrer Volker Glaser vor Abschied: In der Diaspora heimisch geworden

Volker Glaser in seiner Kirche, der er als Gemeindemitglied erhalten bleibt.
Volker Glaser in seiner Kirche, der er als Gemeindemitglied erhalten bleibt.

Nach dem Abschied von Werner Bücklein als Gemeindediakon steht für die Protestanten in Dudenhofen, Harthausen und Hanhofen der nächste tiefe Einschnitt bevor: Volker Glaser wird nach 32 Jahren als Pfarrer verabschiedet. Ein Trost für die Gläubigen: Der 66-Jährige bleibt der Gemeinde erhalten – und ein Nachfolger ist bereits gefunden.

Aufgewachsen und gläubiger Christ geworden ist Volker Glaser zwar in der Westpfalz, aber mittlerweile ist er längst in Dudenhofen verwurzelt. Kein Wunder nach mehr als drei Jahrzehnten, in denen er dort als Pfarrer wirkte. Und deshalb wird Glaser, der Vater dreier Kinder und Opa von sechs Enkeln ist, den Ort auch nicht verlassen, nachdem er seinen Ruhestand angetreten hat. Nur die Dienstwohnung neben der protestantischen Kirche, die ans Gemeindezentrum angedockt ist und in der er mit seiner Frau wohnt, muss er räumen. Doch eine neue Bleibe im Dorf ist bereits gefunden.

Auch in der protestantischen Gemeinde mit ihren knapp 2300 Mitgliedern will der 66-Jährige weiter aktiv bleiben, wenn gewünscht auch mal eine Gottesdienstvertretung übernehmen. Ansonsten will er seinem Nachfolger aber nicht ins Handwerk pfuschen. Wer neuer Pfarrer für die Dudenhofen, Harthausen und Hanhofen umfassende Gemeinde wird, steht schon fest: Robert Fillinger heißt dieser, er ist 40 Jahre alt und Pfarrer in Herschweiler-Pettersheim – eben jener Gemeinde, in der Volker Glaser großgeworden ist. Noch offen ist, wie lange genau die Vakanz in Dudenhofen dauert.

Vier Bewerber für Nachfolge

Dass es für die Nachfolge von Glaser vier Bewerber gab, ist nicht selbstverständlich und für den scheidenden Pfarrer neben der günstigen Lage Dudenhofens der Attraktivität des Gemeindelebens dort geschuldet. Auch der Gottesdienstbesuch sei in Dudenhofen noch relativ gut. Rund 50 Gläubige kämen zu normalen Sonntagsdiensten, bei besonderen Anlässen auch mal doppelt so viele. Das sei zwar immer noch nicht wirklich viel. „Aber unter den Blinden ist der Einäugige eben König“, wirft Glaser einen realistischen Blick auf den Zustand der christlichen Kirchen in Deutschland. Einen Einbruch der Zahlen hat es durch die Corona-Pandemie gegeben. Besonders Gelegenheitsbesucher seien anschließend nicht mehr in die Gottesdienste gekommen. Auch hat die Gemeinde in dieser Zeit weniger Jugendliche für sich gewinnen können. Glaser hat beobachtet, dass in traditionell protestantischen Gemeinden der Schwund noch größer ist, als in „Diaspora-Gemeinden“ wie Dudenhofen. Hier seien praktisch alle protestantischen Familien erst seit dem Krieg zugezogen. Im Schnitt seien die Gemeindemitglieder auch etwas jünger als in vielen anderen Orten. Allerdings sei die Fluktuation vergleichsweise hoch.

Volker Glasers Weg in die Kirche begann in einem Schüler-Bibelkreis. Beim Mitwirken in Gottesdiensten hat er wenig später gemerkt: „Das ist etwas, das ich aus vollem Herzen machen will und auch kann.“ Es folgte nach der Schule ein Theologiestudium hauptsächlich in Heidelberg und Tübingen. Nach dem Vikariat war Glaser dann fünf Jahre in der Schülerarbeit der Studentenmission Deutschland tätig. Weil er für Südhessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig war, habe sich damals Dudenhofen als Wohnort angeboten, zumal es dort eine aktive Gemeinde gab, blickt er zurück. Nach einiger Zeit verlagerte sich auch Glasers seelsorgerische Tätigkeit ins Spargeldorf: Mit Hans-Martin Werle teilte er sich ab 1992 acht Jahre lang die Aufgaben des Pfarrers. Anschließend sei er ein Jahr lang alleine gewesen, bevor Werner Bücklein als Gemeindediakon hinzustieß. Mit diesem zusammen hat er seit 2001 die Gemeinde betreut. Die Jugendarbeit nennt Glaser als einen der Schwerpunkte seiner Tätigkeit. Ein wichtiger Meilenstein sei außerdem der Kauf und Umbau des Gemeindehauses ab 2008 – vorher ein Kindergarten – gewesen. Bücklein bekam vor Kurzem eine neue Aufgabe im Dekanat zugeteilt und ist nur noch zeitweise für Dudenhofen zuständig. Nun geht auch noch der langjährige Pfarrer in Ruhestand. „Das ist für die Gemeinde sicher eine gewisse Herausforderung“, glaubt Glaser.

Abschied von „Volkskirche“

Seinen Dienst als Pfarrer zu verlängern – was angesichts der knapper werdenden personellen Ressourcen im Priesteramt möglich gewesen wäre – sei für ihn keine Option gewesen. „Mir ist klar, dass ich loslassen und einen klaren Cut machen muss“, sagt Glaser. Doch das ein oder andere, was er gerne gemacht hat, will er auch in Zukunft tun. „Ich versuche gerne, Menschen den Glauben plausibel zu machen, Glauben und Denken zusammenzubringen“, erklärt er. Auch im Bauausschuss werde er als normales Mitglied mitwirken, da er in den Themen drin sei und ihm die Beschäftigung mit praktischen Dingen liege.

Die derzeitige Entwicklung der Kirche sieht Volker Glaser mit Sorge: Das Ausmaß des Umbruchs sei noch nicht bei jedem in ausreichendem Maß angekommen. Die Öffentlichkeitsarbeit und die Jugendarbeit der gesamten Kirche sei oft schlecht. Die Zukunft sieht Glaser in kleineren Gemeinden, in denen aber ein größerer Anteil der Mitglieder aktiv engagiert ist. „Das System der Volkskirche hatte seine Zeit“, sagt er. Aber der Pfarrer glaubt auch, dass diese vorbei ist.

Termin

Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Volker Glaser am Sonntag, 6. Oktober, 14 Uhr, in der protestantischen Kirche Dudenhofen. Anschließend Feierstunde.

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