Frankenthaler Umland
Pfarrer Markus Hary über durchkreuzte Pläne
Durchkreuzt wurde in den zurückliegenden Monaten wegen der Corona-Pandemie vieles. Eigene Pläne, die berufliche Zukunft, die Freizeit, der Alltag. Nichts war mehr so, wie wir es gewohnt waren. Beschränkungen, die die einen mehr, die anderen weniger verstanden und nachvollziehen konnten. Erfahrungen von Generationen, die nur dem Mythos der Selbstverwirklichung und Freiheit zu huldigen schienen, kreuzten sich mit den Erinnerungen von Generationen, die schmerzlich Einschnitte, Trümmer, Angst und die stete Bedrohung des Todes erfahren und durchleiden mussten.
Durchkreuzt wurde nicht nur die eigene erlebte Wirklichkeit, sondern auch die Gefühlslage einer ganzen Nation. Nach einem Jahr nun die nüchterne Bilanz: Durchkreuzt auch viele Versprechungen, viele Hoffnungen, viele Konzepte und Beschlüsse, die eigentlich ein Kreuz an all die erduldeten Erfahrungen machen sollten. Ein Kreuz, das schlichtweg sagt: Es ist erledigt.
Gott hakt uns nicht einfach ab
Wo wir gerne dieses Kreuz setzen möchten, da setzt Gott ein anderes Kreuz. Viele empfinden heute einen Gott, der unsere Wirklichkeit zu durchkreuzen wünscht, als unverständlich. Einen Gott, der kein Kreuz an das macht, was wir als erledigt empfinden, sondern der sein Kreuz an alle Menschen macht, die erledigt, die einfach fertig sind. Es ist und bleibt die beunruhigende Erfahrung der ersten Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung Christi, dass Gott angesichts des Leidens nicht fertig ist, nicht abgehakt, nicht durchgekreuzt.
Dies mag vielleicht die Haltung vieler Menschen sein, aber es ist nicht die Grundhaltung unseres Gottes. Menschen, so die Botschaft von Ostern, können meinen, dass sie die Leidenden, die Ängstlichen, die Fragenden und Zweifelnden „abgehakt“ haben. Doch Unruhe in all unsere Erfahrungen bringt uns das Kreuz. Weil es durchkreuzt. Dafür sei Gott wirklich tiefer Dank.