Harthausen
Pfarrer: Laien für Bestattungen gesucht
Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (KFD) in Harthausen ist mit Beginn 2024 um 63 Frauen auf jetzt 198 Mitglieder gewachsen. So viele Hanhofenerinnen sind eingetreten. Deren örtliche KFD hat sich zum Jahresende aufgelöst. Parallel sinkt überall die Anzahl der Katholiken – auch im Bereich der Pfarrei Hl. Hildegard. Das hat Konsequenzen für alle Gläubigen.
Pfarrer Jens Henning, seit drei Jahren verantwortlich für die katholische Pfarrei der vier Orte Dudenhofen, Harthausen, Hanhofen und Römerberg mit gegenwärtig noch rund 8500 Katholiken, nahm am Dienstag erstmals an einer Jahreshauptversammlung der KFD Harthausen teil. Er freute sich über die vielfach aktive und spendenfreudige Gemeinschaft und er untermauerte mit Zahlen die wachsenden Herausforderungen der kleiner werdenden katholischen Kirche.
Seine Aufgabe werde es sein, die Pfarrei für die Zukunft gut aufzustellen, definierte der Geistliche sein Amtsverständnis: Angesichts der aktuellen Situation von 120 bis 200 Kirchenaustritten im Jahr in seinem Sprengel sowie des Spardiktats mit künftig jährlich zehn Prozent Haushaltskürzungen und eines sicheren Personalabbaus von 40 Prozent bis 2030 im Bistum führe kein Weg an mehr Zusammenarbeit und dem „Übertragen“ geistlicher Angebote an engagierte Laien vorbei. Als Beispiel nannte er die Möglichkeit, dass Frauen wie die Harthausenerin Hedwig Kögel inzwischen auch am Sonntag Gottesdienst halten und dabei predigen dürfen. Aktuell stehe die Suche nach Interessenten zum Abhalten von Bestattungen an. Rund 130 Beerdigungen gibt es in der Pfarrei jedes Jahr, daneben 60 bis 70 Taufen. Das könne unmöglich alles von Pfarrer, Pastoral- und Gemeindereferenten gestemmt werden. Wahrscheinlich sei zudem, dass ein Pfarrer künftig eher mehr Orte betreuen müsse als bisher, so Henning.
Pfarrheim als Kita
Seine Pfarrei sehe er auf vielen Ebenen bereits gut unterwegs in die Zukunft. Die KFD Harthausen lobte der gebürtige Herxheimer, der unter anderem als Pfarrer in Südafrika und als Religionslehrer an einer Schule gearbeitet hat, als gelungenes Beispiel der Zusammenarbeit und Vernetzung über bisherige Orts- und Pfarrgemeindegrenzen hinweg. Die KFD Harthausen hat durch den personellen Zuwachs zu ihren bestehenden Arbeitskreisen wie Strickkreis – er feiert 2025 sein 40-jähriges Bestehen – oder Liturgiekreis unter anderem zwei Gymnastikgruppen und den AK Café-Nachmittag in Hanhofen dazugewonnen.
Henning teilte der KFD mit, dass das bisherige Pfarrheim in Harthausen von der Gemeinde übernommen werde. Sie wird darin übergangsweise eine Kitagruppe einrichten. Die notarielle Beurkundung sei für 1. März terminiert. Die Kirche habe dann mit dem Gebäude keine Kosten mehr, betonte er und lobte die getroffene Vereinbarung mit der Kommune als vorbildlich.
Der Pfarrer plädierte nachdrücklich für die Aktion „Wir sind bunt – Farbe bekennen gegen rechts“ und erläuterte den Hintergrund. Gemeinsam positionieren sich die katholische und evangelische Kirche in Dudenhofen, Hanhofen, Harthausen und Römerberg für eine offene Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus und den Rechtsruck in der Gesellschaft, gegen Hass, Hetze und Ausgrenzung. Er informierte aber auch über heftige, persönliche Kritik an ihm sowie damit begründete Kirchenaustritte. Die bunten Banner an den Kirchen Harthausen und Hanhofen seien heruntergerissen oder beschmiert worden. Andererseits seien jedoch bereits mehr als 3500 bunte Bänder verkauft worden, die inzwischen als symbolische Solidaritätsbekundungen an vielen Häusern in den Gemeinden hängen.
Am Rande
36 Kuchen und 36 Torten – alle aus eigener Herstellung – hatte die KFD Harthausen beim Tabakdorffest-Neustart 2023 angeboten. Die Gruppierung plant, auch am 13. bis 15. September 2024 wieder dabei zu sein. „Ich zähle wieder auf Euch und hoffe auf ein mindestens wieder ebenso starkes Ergebnis“, sagte die Sprecherin des Leitungsteams, Christa Leibig, bei der Terminankündigung bei der Mitgliederversammlung.