Waldsee
Pfarrer Frank Aschenberger geht: Keine andere Lösung
Das, was ihm am wichtigsten ist, kann Frank Aschenberger nicht mehr sein: ein Seelsorger. Die aktuellen Strukturen der Pfarrseelsorge im Bistum Speyer ließen es nicht zu, sagt er. Und so ist dieser Zustand für den 47-Jährigen der Hauptgrund, die Pfarrei Heiliger Christophorus mit den Gemeinden Altrip, Limburgerhof, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee Ende August nach elf Jahren zu verlassen. Doch auch die Corona-Pandemie spielt in die Entscheidung mit hinein. In dieser Zeit habe es zwar viele wertvolle Gespräche gegeben, doch sei auch viel Liebgewonnenes verschwunden, das Pfarreileben müsse neu aufgebaut werden. Aschenberger fragt sich, ob er noch der richtige dafür ist – aus zwei Gründen.
Zum einen habe er bei der Rückkehr aus einer längeren krankheitsbedingten Auszeit im vergangenen Jahr festgestellt, dass es vieles, was ihm persönlich wichtig und wertvoll war, so nicht mehr gibt. „Wir hatten 180 Messdiener, ein gutes Miteinander und einen wertschätzenden Umgang miteinander im Team und den Gremien der Pfarrei, sowie Haupt- und Ehrenamtliche, die mit Herzblut bei der Sache waren“, sagt er. Statt weiter als große Pfarrei zusammenzuwachsen, habe das Kirchturmdenken wieder zugenommen.
„Ich möchte gerne, dass es wieder so wird, wie es war“, sagt Aschenberger, „doch ich befürchte, dass ich restaurativ denke, wo Neues gefragt wäre. Das ist nicht hilfreich.“ Außerdem sei es im Bistum üblich, dass ein Pfarrer nach zehn bis zwölf Jahren die Pfarrstelle wechsle. Elf Jahre sei er nun schon da, sodass er einen Neuanfang höchstens anstoßen, nicht aber gestalten könne.
Immer mehr Bürokratie
„In den 16 Jahren, in denen ich leitender Pfarrer, erst in Hettenleidelheim, dann in Waldsee war, haben Verwaltung und Bürokratie kontinuierlich zugenommen“, nennt Aschenberger den Hauptgrund für seine Entscheidung zu gehen. Gleichzeitig seien die Kompetenzen eines Pfarrers aber nicht mitgewachsen – eher im Gegenteil. Das Bistum habe zwar versucht, Pfarrer bei den Verwaltungsaufgaben zu unterstützen, doch viel sei davon nicht angekommen. Die Pfarrei Heiliger Christophorus habe 100 Angestellte, 18 Gebäude, fünf Kitas und zwölf Mietwohnungen. „Wenn die Toilette überläuft, ist es im Zweifelsfall der Pfarrer, der sich darum kümmern muss“, sagt Aschenberger drastisch. „Es tut mir weh, wenn Menschen, die die Hilfe eines Seelsorgers benötigen, das Gespräch schon beginnen mit: Ich weiß, Herr Pfarrer, Sie haben wenig Zeit, aber…“
Aschenberger hat sich bewusst entschieden, Seelsorger zu sein, den Glauben an Gott mit den ihm anvertrauten Menschen zu teilen und in Kontakt mit ihnen erfahrbar werden zu lassen. „Dies ist mir in den aktuellen Strukturen der Pfarrseelsorge im Bistum Speyer kaum möglich. Statt am Schreibtisch mit Zahlen, Buchstaben und Paragrafen möchte ich wieder mehr mit Menschen arbeiten“, sagt er. Er habe das immer wieder im Bistum angesprochen, aber keine Lösungsvorschläge erhalten. Der Priester verhehlt auch nicht, dass er sich besonders in schweren Zeiten von den Verantwortlichen im Bistum Speyer mit seinen Sorgen und Nöten allein gelassen fühlte.
Abschied am 17. Juli
Daher habe er sich zu dem Schritt gezwungen gesehen, dem Bistum vorerst den Rücken zu kehren und sich freistellen zu lassen. Ab 1. September ist Frank Aschenberger Klinikseelsorger am Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz und damit beim Staat und nicht mehr beim Bistum beschäftigt. Er freut sich, dort endlich wieder mit ganzer Kraft für Menschen da sein zu dürfen: für die Patienten – auch Zivilisten – für die Soldaten, die dort arbeiten, und deren Familien. Dennoch bereitet ihm der Gedanke daran auch Kummer und schlaflose Nächte, denn ihm sind die vielen Menschen in der Pfarrei Waldsee im Laufe der letzten elf Jahre ans Herz gewachsen.
Wie es mit der Pfarrei Heiliger Christophorus personell weitergeht, kann Aschenberger nicht sagen. Das Bistum habe sich dazu noch nicht geäußert. Die offizielle Verabschiedung von Pfarrer Frank Aschenberger mit Gottesdienst und anschließendem Empfang ist für Sonntag, 17. Juli, 10.30 Uhr, in der katholischen Kirche in Waldsee geplant.
