Hochdorf-Assenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalzmarktweg II: Noch mehr Wege für Bauern

Auf der Gemüseautobahn: Die Nord-Süd-Achse, die von Maxdorf nach Mutterstadt führt, wird rege genutzt.
Auf der Gemüseautobahn: Die Nord-Süd-Achse, die von Maxdorf nach Mutterstadt führt, wird rege genutzt.

Ungestört über Wirtschaftswege rollen statt durch die Dörfer: Das möchte das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum den Landwirten ermöglichen, die den Pfalzmarkt in Mutterstadt von Südwesten her anfahren. Eine erste Präsentation kam in Hochdorf-Assenheim und Rödersheim-Gronau gut an.

Dass die Landwirtschaftsausschüsse zweier Gemeinden zusammen tagen, ist selten. Dennoch kam es am Dienstag im katholischen Pfarrheim im Ortsteil Hochdorf zu einer solch außergewöhnlichen Zusammenkunft. Denn die beiden Gremien aus dem gastgebenden Hochdorf-Assenheim und dem benachbarten Rödersheim-Gronau wollten mehr erfahren über ein nicht alltägliches Vorhaben: eine Art zusätzlichen oder neuen Pfalzmarktweg. Beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt läuft das Projekt unter dem Titel „Pfalzmarktzuwegung Südwest“.

„Wir haben ja schon einen Pfalzmarktweg von Maxdorf nach Mutterstadt gebaut“, erinnerte DLR-Mitarbeiter Georg Herion. „Das Gleiche wollen wir Ihren beiden Gemeinden sowie Böhl-Iggelheim, Dannstadt-Schauernheim, Haßloch und Meckenheim anbieten“, erläuterte er. Dazu seien bereits einige denkbare Trassen angedacht, auf denen entweder vorhandene Wirtschaftswege ausgebaut oder neue errichtet werden könnten. „Das ist aber noch kein fertiges Konzept, das wird sich noch ändern“, hob er gleich zu Beginn hervor. Wichtig sei vor allem, dass die Vorschläge für die Wegeführung von den Landwirten selbst kommen, damit sie die neuen Routen zum Pfalzmarkt später auch wirklich nutzen und so die Ortslagen entlasten.

Meckenheim will nicht mitmachen

Verbessern möchte das DLR nach seinen Angaben vor allem das Wegenetz zwischen Dannstadt-Schauernheim und Böhl-Iggelheim und westlich des Ortsteils Böhl sowie südlich und nördlich von Hochdorf-Assenheim. Die entsprechenden Trassen sollen an bereits optimierte Wege anknüpfen – etwa die Strecke nördlich von Schauernheim. Meckenheim werde wohl nicht mitmachen. „Dort stößt unser Vorhaben auf wenig Gegenliebe“, bedauerte der Experte.

Die Wege auf Hochdorf-Assenheimer und Rödersheim-Gronauer Gemarkung müssten allein schon deshalb ausgebaut werden, weil sie noch aus den 1960er- und 1970er-Jahren stammen und sich mittlerweile in keinem guten Zustand mehr befinden, erklärte Herion. Bei dem für das Projekt nötigen Flurbereinigungsverfahren sollten die Wege allerdings nicht nur erneuert, sondern auch verbreitert werden. Denn die vorherrschenden drei bis 3,50 Meter reichten für die heutigen, größeren landwirtschaftlichen Fahrzeuge einfach nicht mehr – ganz besonders nicht im Begegnungsverkehr, wenn zum Beispiel zwei Traktorgespanne aufeinandertreffen.

Die Idee braucht Flächen – und viel Geld

Im Süden Hochdorf-Assenheims, zwischen der Gemeinde und der A 65, könnte Herion zufolge ein bestehender Weg verbreitert werden. Zudem sei eine neue Querverbindung von der Landstraße 530 zwischen Hochdorf und Meckenheim geplant, die auf diesen Weg führt. Dabei machte er deutlich, dass für die genaue Route neben vielen Abstimmungsgesprächen noch etwas erforderlich sei: viel Geld. So würden für den Abschnitt im Hochdorf-Assenheimer Süden bei einer Ausbaubreite von durchgehend vier Metern bereits rund 850.000 Euro anfallen. Dazu merkte der Hochdorf-Assenheimer Ortsbürgermeister Walter Schmitt (FWG) an, es seien aber fünf Meter gewünscht. Herions Kommentar: „Dann wird es noch teurer.“ Wobei die Kommunen nur einen vergleichsweise kleinen Teil bezahlen müssten. Denn solche Vorhaben bezuschusse das DLR zu 75 Prozent. Da außerdem der Rhein-Pfalz-Kreis einen Zuschuss analog zu jenem für den ersten Pfalzmarktweg in Aussicht gestellt habe, blieben am Ende wohl nur 15 Prozent der Kosten bei den Gemeinden hängen. Aber: Hierbei bezog sich der Experte auf die reinen Baukosten. Daneben müssen die Kommunen noch Grundstücke erwerben. Deren Eigentümer sollten weder finanziell noch durch Landverlust belastet werden.

Die Umfahrung für die Bauern im Norden Hochdorf-Assenheims soll von der Kreisstraße zwischen der Gemeinde und Rödersheim-Gronau bis auf die L 530 führen. Dafür sind die nördlichen Nachbarn gewillt, mit den Hochdorf-Assenheimern manche Grenzabschnitte zu tauschen, damit das Vorhaben überhaupt rechtlich möglich wird und die Kosten fair verteilt werden können. Die belaufen sich der ersten groben Schätzung Herions zufolge auf mindestens 650.000 Euro – oder über eine Million Euro, je nach Ausbauvariante.

Die beiden Ausschüsse waren grundsätzlich mit dem Projekt einverstanden und empfahlen ihren Gemeinderäten, für die Flurbereinigung zu stimmen und das DLR mit der weiteren Planung zu beauftragen.

Schmitt dankte seinem Amtskollegen Thomas Angel (FWG) und den übrigen Rödersheim-Gronauer Vertretern für die Zusammenarbeit und Unterstützung. „Das ist ein großes Projekt für uns, und ohne Sie ginge gar nichts.“ Gegenüber der RHEINPFALZ erklärte er zudem, dass das Vorhaben nur „von unten nach oben“ funktionieren könne, wenn sich also die Landwirte aktiv mit Vorschlägen und Wünschen einbringen.

Zur Sache: Der bestehende Pfalzmarktweg

Pfalzmarktweg ging 2006 in die Planung. 2015 stand der Planfeststellungsbeschluss. Ab 2017 sind die Traktoren auf der Gemüseautobahn, wie die Trasse scherzhaft genannt wird, gerollt – mit dem Ziel, die umliegenden Gemeinden vom Verkehr zu entlasten. Die lange unendlich wirkende Geschichte Pfalzmarktweg ist in siebeneinhalb Kilometer Asphalt gegossen. Zumindest was die Hauptroute, die Nord-Süd-Achse, anbelangt. Eine Strecke, die zu etwa zwei Dritteln über die Gemarkungen der Verbandsgemeinde Maxdorf und der Stadt Ludwigshafen führt, dann auf Mutterstadter Gebiet trifft und auf direktem Weg zum Pfalzmarkt führt. Immer vorbei an Gemüsefeldern. Gekostet hat sie rund 3,1 Millionen Euro.

Mutterstadt gebaut. Sie lenkt Traktoren am Ort vorbei zum Großmarkt. Auch die Umfahrung Ruchheim soll landwirtschaftliche Gefährte um den Ort lotsen. Die Zuwegung Schauernheim wurde errichtet, um sozusagen einen Zubringer auf die Gemüseautobahn zu erhalten.
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