Böhl-Iggelheim
Peter Christ bleibt Bürgermeister: Ein Tränchen auf den Sieg
Tatsächlich kommt zehn Minuten vor 18 Uhr eine Frau in die Turnhalle geflitzt. Hier ist das Iggelheimer Wahlbüro aufgebaut. Für ein Kreuzchen reicht die Zeit aber locker noch. Ab in die Urne mit dem grünen Wahlschein. Und Tschüss. Etwas verschwitzt sehen die Menschen aus, die hier hereinkommen. Kein Wunder, draußen ist es immer noch sehr heiß. In der Halle ist es etwas angenehmer. Die Wahlhelfer haben alle eine Flasche Wasser vor sich stehen. Noch ein ordentlicher Schluck daraus. Gleich gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Ab 18 Uhr wird ausgezählt.
Ein paar Stunden zuvor ist kein Parkplatz mehr zu finden. Auto reiht sich an Auto, Menschen strömen hinaus – und wollen ins Wahllokal? Nein, eher ans Wasser oder einfach auf die Liegewiese. Der Parkplatz am Niederwiesenweiher ist voll, Sonne statt Kreuzesetzen. Es ist drückend schwül, knapp 30 Grad Celsius zeigt das Thermometer. Es gibt trotzdem Menschen, die ihre Bürgerpflicht erfüllen. Ein bisschen ist schon was los an der Iggelheimer Turnhalle. Davor riecht es nach frischen Waffeln, der Förderverein der Kita Storchennest bietet Kaffee und Kuchen an, Erfrischendes oder ein Gläschen Sekt.
Ansturm am Nachmittag?
Die Stimmung ist gut, die Menschen lachen und flachsen. Trotzdem: „Ich fürchte, die 53 Prozent vom letzten Mal erreichen wir nicht“, sagt Bernd Johann (FWG). Er ist Beigeordneter in Böhl-Iggelheim und schaut heute, dass bei der Wahl alles klappt. Seit dem Morgen pendelt er zwischen den beiden Wahllokalen hin und her, jetzt wischt er sich den Schweiß von der Stirn. 440 Menschen haben bislang im Böhl ihren Wahlzettel abgegeben, 840 in Iggelheim. „Vielleicht kommt am Nachmittag noch einmal ein kleiner Ansturm“, hofft Johann und wird ernst: „Wir können uns froh schätzen, wählen zu dürfen in unserem Land. Die, die es nicht tun, sind dann die, die hinterher am lautesten protestieren.“ Mit seiner Prognose sollte Johann recht behalten. Immerhin über die Hälfte der 8606 Wahlberechtigten, nämlich 51 Prozent, werden an diesem Tag ihre Chance nutzen und sich für einen der beiden Kandidaten entscheiden. Soll es der amtierende Bürgermeister Peter Christ (CDU) noch mal für acht Jahre werden oder Harald Reichel, der Herausforderer von der SPD?
Um 18.02 Uhr ist die erste Urne in der Iggelheimer Schulturnhalle geleert. Ein großer Haufen Zettel, verteilt auf vier Schultischen. Mehr als 600 sind es für die Stimmen der beiden Wahlbezirke 103 und 104. Beherzt greifen die Wahlhelfer zu. Erst mal Stößchen bilden und durchzählen. Das gleiche ein paar Meter weiter hinten in der Halle. Von dort ertönt ein Klatschen. „Was’n los? Habt ihr etwa schon einen Sieger?“, ruft Jochen Herrmann hinüber. Kopfschütteln. Die Mannschaft ist nur froh, dass sie schon mal alle Wahlzettel gezählt hat. Jetzt geht es ans Öffnen. Spannend. Und so soll es bis 19.21 Uhr bleiben. Da kann man noch so oft die Homepage der Gemeinde aktualisieren, auf der die Ergebnisse live einlaufen.
Die Böhler Resultate bilden den Rahmen um das Wahlgeschehen. Denn als die beiden Böhler Stimmbezirke als erstes ausgezählt sind, liegt Harald Reichel knapp vorne. 357 zu 332 Stimmen. Da ist es 18.29 Uhr. Oha, denkt man sich. Wie wird das wohl weitergehen? Um 18.37 Uhr laufen die Ergebnisse der ersten beiden Iggelheimer Wahlbezirke ein und das Bild ändert sich: Peter Christ liegt vorne. Das bleibt auch so um 18.42 Uhr und um 19.04 Uhr. Dann fehlen aber immer noch die Stimmen der Böhler Briefwähler – und der Sekt im Ristorante D’Angelo wird warm. Dort, im Zentrum Iggelheims, will Peter Christ den Abend verbringen und feiern.
Der Star des Abends
Woran hängt’s? Die Erlösung kommt erst um 19.21 Uhr. Christ hat es geschafft, mit 60,3 Prozent macht der 60-Jährige zum dritten Mal in seinem Leben das Rennen. Und darf acht weitere Jahre an seinem absoluten Lieblingsplatz sitzen bleiben, das ist das Böhl-Iggelheimer Rathaus. Und dort ist er auch noch, als im D’Angelo seine Mitstreiter erleichtert ausatmen. Und noch mal warten, dieses Mal auf den Star des Abends.
Genau so verhält sich Christ auch, nachdem er endlich angekommen ist. Dank an die Wähler, Freude, der Heimatgemeinde weiter „dienen zu dürfen“, Dank an die Unterstützer. „Ohne euch wäre es nicht gut gegangen“, sagt er, wird doch mal weich und wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. Viel mehr muss der Bürgermeister an diesem Abend auch gar nicht sagen, für alles, was kommt, hat er nun acht weitere Jahre Zeit.
Die hat Harald Reichel womöglich ebenfalls, wenn auch nicht im Bürgermeister-Büro. Politik will er weiter machen im Gemeinderat. Gerade jetzt, wo er während des Wahlkampfs von so vielen gehört hat, was sie bewegt, will er für ihre Anliegen eintreten. Auch wegen des großen Zuspruchs in den vergangenen Wochen ist er „tief enttäuscht“, wie er beim Frust-Bier in Böhl sagt, „von der Niederlage und meinem eigenen Ergebnis. Ich habe mit einem anderen Ausgang gerechnet.“ Dennoch weiß auch er, wem der Abend gehört, wer der Star an diesem Sonntag ist: „Ein klarer Sieg, Glückwunsch.“
