Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Personeller Notstand: Lambiland ist leergefegt

Die 2019 eröffnete Kita bleibt in diesem Jahr länger kinderlos, als es den Eltern lieb ist.
Die 2019 eröffnete Kita bleibt in diesem Jahr länger kinderlos, als es den Eltern lieb ist.

Lambsheim sucht händeringend Personal für seine kommunale Kindertagesstätte. Seit Jahresbeginn gelten deutlich reduzierte Betreuungszeiten, weshalb der Elternausschuss nun die Öffentlichkeit sucht. Doch die Möglichkeiten der Zuständigen sind begrenzt.

Wieso sind die Stellenausschreibungen nicht auf der Homepage des Lambilands verlinkt? Und wieso sind sie nicht auf bekannten Job-Portalen ausgeschrieben? Hat die Ortsgemeinde durchgerechnet, was es kosten würde, Erzieher übertariflich zu bezahlen? Diese und weitere Fragen hat der Elternausschuss der Lambsheimer Kindertagesstätte Lambiland in der vergangenen Woche in einem offenen Brief unter anderem an Ortsbürgermeister Herbert Knoll (CDU), den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, Michael Reith (SPD), und an die jeweiligen Gemeinderatsmitglieder geschickt. Am heutigen Freitag streikt die städtische Kita als eine von wenigen im Frankenthaler Umland – was auch daran liegt, dass viele Kitas zu freien Trägern wie den Kirchen gehören. Eine Notbetreuung für die Eltern wird es an diesem Tag nicht geben. Dem Brief zufolge ist der Betreuungsnotstand für alle Beteiligten ohnehin bereits zum Dauerzustand geworden.

Bis zu 40 Prozent weniger Betreuungszeit

Seit dem 1. Januar seien die regulären Öffnungszeiten eingeschränkt. Das habe dem Brief zufolge dem Abbau von Überstunden des Personals dienen sollen und sei bis Ende März befristet gewesen. Mitte Februar sei den Eltern mitgeteilt worden, dass die Einschränkung „aufgrund einer Personalunterdeckung“ auf unbestimmte Zeit verlängert werde. „Wir als Elternausschuss kennen die angespannte Personalsituation im Lambiland und verstehen die Nöte des Personals“, heißt es im Brief.

Die Elternvertreter wollten die Situation aber nicht unkommentiert lassen. Das zweiseitige Papier enthält auch eine Tabelle, die aufzeigt, wie stark die Betreuungszeiten in der Kita seit Jahresbeginn gekürzt wurden. 43 Prozent weniger Betreuungszeit sind es dieser Rechnung zufolge in der Teilzeitbetreuung der Kita. Nur noch von 7 bis 11.30 Uhr werde hier Betreuung angeboten. 17,5 Stunden weniger pro Woche als zuvor. Auch im Bereich „Durchgehende Teilzeit“ seien zwölfeinhalb Stunden in der Woche weggefallen, in der Ganztagsbetreuung fünf Stunden.

„Nach Pandemie keine Ressourcen mehr“

Wie viele der Eltern wie stark betroffen sind, bleibt offen. So wird nur beispielhaft auf die Auswirkungen eingegangen. Eine Presseanfrage lässt der Elternausschuss unbeantwortet. Dem Brief zufolge gibt es viele Familien, die auf die Betreuung im ursprünglich versprochenem Umfang angewiesen seien, etwa Alleinerziehende oder jene mit einem Pflegefall im familiären Umfeld. Der Elternausschuss verweist unter anderem auf diejenigen, bei denen beide Elternteile arbeiten. „Die Kürzungen stellen sie vor Herausforderungen, für die viele nach zwei Jahren Pandemie keine Ressourcen mehr haben“, heißt es im Brief, der mit dem anfangs beschriebenen Fragenkatalog endet, verknüpft mit der Bitte, alle Möglichkeiten auszuschöpfen.

Die Kita selbst will sich dazu nicht äußern. Deren stellvertretende Leiterin, Juliana Brauburger, verweist an den Träger der Einrichtung, die Ortsgemeinde. „Wir brauchen drei Stellen, die wir besetzen müssen“, sagt Herbert Knoll (CDU), Ortsbürgermeister von Lambsheim, auf RHEINPFALZ-Anfrage und zeigt Verständnis für die Eltern. „Wir können uns nur entschuldigen“, sagt er.

Die Gemeinde könne nicht viel mehr unternehmen, als Stellen auszuschreiben. Neben Kündigungen haben krankheitsbedingte Ausfälle zur personellen Notlage geführt. Strukturelle Probleme, die es derzeit überall gebe, führt Knoll auch auf die rheinland-pfälzische Gesetzgebung zurück. Wenig Hoffnung macht der Ortsbürgermeister auf eine baldige Besserung. Bei einer Ausschreibung im Februar etwa seien von vier Bewerbern zwei gar nicht erst zur Hospitanz erschienen. Von den zwei hospitierenden Bewerberinnen habe eine abgesagt.

Beigeordneter: Situation fast nicht zumutbar“

„Wir bewegen uns aber, wie alle wissen, in einem leergefegten Stellenmarkt“, schreibt Klaus-Peter Spohn-Logé (Grüne) zu Beginn dieser Woche in einer offiziellen Reaktion der Ortsgemeinde an den Elternausschuss. Der Beigeordnete hat ebenfalls zwei Seiten verfasst, in denen er den Eltern zustimmt: „In der Tat ist die derzeitige Situation in vielfacher Hinsicht äußerst unbefriedigend und in mancher Hinsicht fast nicht mehr zumutbar“, schreibt er. Die Entscheidung zur Einschränkung der Öffnungszeiten sei „erst nach reiflicher Überlegung zwischen Kita-Leitung, den Erzieherinnen und dem Träger erfolgt“, heißt es weiter. Spohn-Logé bittet selbst um Ideen, die zur Besserung beitragen könnten.

Immerhin: Eine Aushilfskraft ist laut Herbert Knoll kürzlich eingestellt worden, die aber voraussichtlich erst Mitte April zum Einsatz kommen kann. In der kommenden Woche sollen weitere Bewerbungsgespräche stattfinden. Und: Die Stellen sind seit Erscheinen des Offenen Briefes nun beispielsweise auch auf dem Karrierenetzwerk Xing ausgeschrieben. Auf der Website der VG ist das Stellenangebot auch zu finden, irritierenderweise aber nicht auf der Lambsheimer Website, auf der im Detail über die Kita informiert wird. Dort sieht es so aus, als seien keine Stellen offen.

Übertarifliche Bezahlung ist problematisch

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Michael Reith (SPD), hatte in einer ersten Reaktion auf den Brief zumindest mitgeteilt, die Angebote seien überall online gegangen. Auf die Frage nach einem finanziellen Anreiz winkt Reith ab: Die Kommunen seien an den jeweiligen Tarifvertrag gebunden. „Eine übertarifliche Bezahlung ist, auch wenn wir dies zur Personalgewinnung gerne anbieten würden, nicht zulässig.“ Es gebe zwar das Instrument der Arbeitsmarktzulage, jedoch wolle die VG damit vorsichtig umgehen, um Verstimmungen beim Stammpersonal zu vermeiden.

Die Ortsgemeinde hat für Montag, 27. März, ein Treffen mit der Vorsitzenden des Elternausschusses vorgeschlagen, um gemeinsam Ideen zu erarbeiten, was außerdem getan werden könnte, um die Situation zu verbessern.

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