Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Pendler-Radroute: Bauern haben Bedenken

Ein Radschnellweg in Hessen. Solche Routen für pendelnde Radfahrer werden auch im Rhein-Neckar-Raum angestrebt.
Ein Radschnellweg in Hessen. Solche Routen für pendelnde Radfahrer werden auch im Rhein-Neckar-Raum angestrebt.

Lange hat man nichts mehr vom Radschnellweg Worms-Ludwigshafen gehört, jetzt steht er in Bobenheim-Roxheim auf der Tagesordnung.

Schneller, komfortabler und sicherer sollen sich Pendler irgendwann einmal auf dem Fahrrad durch die Metropolregion Rhein-Neckar bewegen können. Eines von mehreren Projekten, ein sogenannter Teilkorridor, ist ein Radschnellweg von Worms nach Ludwigshafen. Das Land Rheinland-Pfalz und der Regionalverband Rhein-Neckar haben dafür die Möglichkeiten untersuchen und einen Trassenvorschlag entwickeln lassen; diese Machbarkeitsstudie liegt seit April 2021 vor. Wohlgemerkt: Es sollen möglichst keine neuen Radwege gebaut, sondern vorhandene Straßen und Wege genutzt werden, um alles schnell und kostengünstig umsetzen zu können. Nur relativ zügig und störungsfrei sollte die Pendler-Radroute zu befahren sein.

Auf vielen Abschnitten lassen sich Wege verbreitern, auf anderen kann der Straßenraum umgestaltet werden. Auch mögliche Zielkonflikte wurden untersucht, etwa solche mit Schutzgebieten oder Parkraum oder der Landwirtschaft. Für die Route zwischen Worms und Ludwigshafen wurden vier Trassenvarianten geprüft und dann eine Idealroute empfohlen. Sie wird „Ostroute über Frankenthal“ genannt, führt auf knapp 23 Kilometern über Bobenheim-Roxheim und Frankenthal und wird von den Fachleuten, welche die Studie erstellt haben, als die Variante mit der höchsten Gesamterschließungswirkung bezeichnet. Auf 70 Prozent der Länge lasse sich der höchste Standard für Radschnellverbindungen erreichen. Nun geht es vier Jahre nach dem Untersuchungsergebnis daran, diesen Schnellweg konkret zu planen. Dafür sind die betroffenen Kommunen zuständig.

Ortsdurchfahrt soll umfahren werden

Wer die Region kennt, der ahnt, dass zwischen Worms und Frankenthal die Ideallinie die Landesstraße 523 sein muss. Außerhalb und an den Rändern des zwischen beiden Städten liegenden Orts Bobenheim-Roxheim gibt es bereits Wirtschaftswege, die von Radfahrern genutzt werden. Innerörtlich zwischen Bobenheimer Siedlung und Südring müssten Radler die Durchgangsstraße benutzen. Und genau dagegen haben die Vertreter der Gemeinde Bedenken angemeldet. Denn auf der L523 herrscht auch innerorts viel Verkehr, und es gibt dort viele Parkplätze, die bei Einrichtung eines Schutzstreifens für Radfahrer entfallen müssten.

Nachdem zunächst als Alternativroute ein ziemlich großer östlicher Umweg zwischen Littersheimer Weg und Haardtstraße im Gespräch war, wurde im November 2024 bei einem Treffen mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) eine westliche Umfahrung der Ortsdurchfahrt über die Ernst-Roth-Straße und den Konrad-Adenauer-Ring avisiert. So wurde es kürzlich dem Bobenheim-Roxheimer Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss, dem der Beigeordnete Jens Becker (SPD) vorsteht, vorgestellt.

Außerhalb kein Schutzstreifen erlaubt

Becker berichtet von einem weiteren Einwand gegen die Trasse, und der kommt von der Bauernschaft. Die Landwirte befürchteten, dass sich Radfahrer und Traktoren auf den Wirtschaftswegen außerhalb des Orts stärker in die Quere kommen könnten, als es jetzt der Fall ist. Sie sähen es offenbar lieber, in Richtung Worms und Frankenthal würde eine Radfahrspur direkt auf der Landesstraße eingezeichnet. Doch das ist laut LBM auf freier Strecke nicht zulässig. Außerdem gelte ja der Grundsatz, dass – auch aus Sicherheitsgründen – bestehende und von Radfahrern frequentierte Feldwegeverbindungen genutzt werden sollen.

Jens Becker ist zuversichtlich, dass die Bedenken der Landwirte ausgeräumt werden können oder dass eine die Situation verbessernde Lösung auf den betreffenden Wegen gefunden wird. Theoretisch möglich sei es, dass sich Bobenheim-Roxheim dem Projekt verweigert und auf der Trasse Worms-Ludwigshafen eine Lücke lässt, „doch sinnvoll ist das ja nicht“, meint Becker. In einer der nächsten Gemeinderatssitzungen soll das Thema Pendler-Radroute behandelt werden. In Frankenthal wird das Projekt befürwortet. Laut Auskunft der Stadtverwaltung befindet sich „ein Termin mit dem LBM in dieser Sache in Abstimmung“. Wann ungefähr das Thema wieder auf die Tagesordnung städtischer Gremien kommt, wurde nicht mitgeteilt.

Im Einklang mit kreisweiter Planung

Schon besprochen ist es nach Angaben des Beigeordneten, dass sich die Gemeinde unter Mitwirkung der Landwirte mit dem Planungsbüro zusammensetzt, das vom Rhein-Pfalz-Kreis mit der Planung eines kreisweiten Radverkehrskonzepts beauftragt wurde. Auch sollen die Ergebnisse des Fahrradklimatests abgewartet werden. Wie berichtet hat die Gemeinde im Herbst ihre Bürger dazu aufgerufen, bei einer bundesweiten Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) mitzumachen. Es ging darum, die wie wohl und sicher sich Radfahrer in ihrem Wohnort fühlen. Laut Becker haben 113 Bobenheim-Roxheimer teilgenommen, die Ergebnisse stelle der ADFC aber erst im Juni zur Verfügung.

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