Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Papageien auf dem Vormarsch: Halsbandsittich breitet sich im Kreis aus

Schön anzusehen, aber auch laut: Halsbandsittich im Garten von Thomas Dolich.
Schön anzusehen, aber auch laut: Halsbandsittich im Garten von Thomas Dolich.

Bonn, Köln, Ludwigshafen, Mannheim: In vielen Städten entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse hat sich der Halsbandsittich etabliert. Auch im Rhein-Pfalz-Kreis.

Inzwischen erobert die schlanke grüne Papageienart (Psittacula krameri) auch das platte Land: Mit Hochdorf-Assenheim, wo sie vergangenes Jahr mit mehreren Exemplaren erstmals festgestellt wurde, hat sie jetzt die westliche Kreisgrenze erreicht. „Zunächst lagen aus dem Bereich LudwigshafenSpeyer Beobachtungen vor, die bis zum südlichen Rand von Ludwigshafen-Rheingönheim gingen“, teilt Vogelexperte Thomas Dolich mit. „Ab 2010 gab es regelmäßige Sichtungen bis zum Otterstadter Altrhein, war die Art durchgängig in Neuhofen vertreten“, weiß der Neuhofener. 2015 sei hier auch ein Brutnachweis in einem Weidenbaum am Rehbach gelungen.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der zur Familie der Altweltpapageien zählenden Vögel erstreckt sich vom westafrikanischen Mauretanien über Indien und Pakistan bis Südostchina. Inzwischen wurde die Art in vielen Regionen der Erde eingebürgert. Sie gilt als die weltweit am weitesten verbreitete Papageienart.

Ursprüngliche Heimat: Von Afrika bis Asien

Die Vögel gehen auf so genannte Gefangenschaftsflüchtlinge zurück, die ausbüchsen konnten. So ist die seit 1974 in Worms belegte Population auf eine Freiflughaltung zurückzuführen. Möglicherweise rührt auch der Bestand von Bobenheim-Roxheim aus der nahen Domstadt her. Untersuchungen genetischer Proben ergaben, dass die hiesigen Bestände – bis auf die Halsbandsittiche in Heidelberg – der Unterart P. krameri borealis, die in Pakistan und Nordindien beheimatet ist, angehören.

Hauptverbreitungsgebiete waren ursprünglich in Asien und Afrika.
Hauptverbreitungsgebiete waren ursprünglich in Asien und Afrika.

„Die Vögel dieser Unterart haben den Vorteil, dass sie besser mit kühleren Temperaturen klarkommen“, erklärt Dolich. Die Heidelberger Exemplare gehören hingegen der südindischen Unterart P. krameri manillensis an.

„Sie sind seit mindestens fünf Jahren bei uns in Schifferstadt ansässig – und nicht zu überhören“, erklärt Vogelkundler Helmut Schiessl. Auf Vogelausstellungen seien neben wildfarbenen Exemplaren auch pastellfarbene Formen des Halsbandsttichs, etwa in blau oder gelb, präsentiert worden, so der Experte. Habicht, Sperber, Wander- und zum Teil auch Baumfalke sind hierzulande Beutegreifer der exotischen Art. Vermutet wird, dass sich der Buntspecht Jungvögel dieser Art krallt, wie er es auch mit Küken heimischer Höhlenbrüter tut, derer er habhaft werden kann.

Über 70 Pflanzenarten auf dem Speiseplan

Von Ahorn (Früchte, Knospen, Blüten, Blätter, Ästchen) über Efeu (Früchte) und Rosskastanie (Knospen, Blüten, Früchte) bis hin zu Ulmen (Früchte) erstreckt sich mit über 70 verschiedenen Pflanzenarten das große Nahrungsrepertoire des sich vorwiegend vegetarisch ernährenden Halsbandsittichs. Natürlich verschmäht er auch Obstbäume (Knospen, Früchte) nicht. Platanen schätzt er nicht nur als Schlafbäume, wie in der Ludwigshafener Brunckstraße und am Heidelberger Hauptbahnhof zu sehen, sondern ebenfalls als Nahrungsquelle (Früchte) und darüber hinaus als Brutmöglichkeit. Natürlich besuchen die intelligenten Vögel auch von Menschen geschaffene Futterstellen.

Neugierig: ein Jungvogel in einer Baumhöhle am Rehbach bei Neuhofen.
Neugierig: ein Jungvogel in einer Baumhöhle am Rehbach bei Neuhofen.

In Hochdorf-Assenheim macht sich rund um den Friedhof in Hochdorf ein etwa sechsköpfiger Trupp Halsbandsittiche sicht- und lauthals bemerkbar. Anzunehmen ist, dass für diese Vogelart die Reise in Richtung Westen weitergehen wird. Ob sie sich im Zuge dessen Trauben als neue, weitere Nahrung erschließen?

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