Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel Ortsgeschichte: Französische und adlige Wurzeln

Das Schlösschen im Park zeugt noch von den adligen Einwohnern des 19. Jahrhunderts.
Das Schlösschen im Park zeugt noch von den adligen Einwohnern des 19. Jahrhunderts.

Limburgerhof besteht zwar erst seit 1930. Die Zeiten der Besiedlung reichen jedoch sehr viel weiter zurück in die Geschichte. Und es gibt neben religiösen vor allem auch prägende französische und uradelige Wurzeln. Ein Blick in die Geschichte.

Erste historische Spuren gibt es bereits in der Salierzeit, als um 1035 Kaiser Konrad II. das damals wohl kaum wirtschaftlich nutzbare Gelände mit ungepflegtem Wald und nassen Wiesen dem Dürkheimer Benediktinerkloster Limburg schenkte. In den Folgejahrhunderten wurde es immer wieder zum Streitobjekt zwischen weltlichen und geistlichen Besitzern der Region – kaum verständlich, denn der karge Boden war eigentlich für die Landwirtschaft damals kaum etwas wert.

Dann kamen die Franzosen mit ihren revolutionären Ideen von 1789. Kaiser Napoleon brauchte Geld für seine Kriegszüge und verkaufte deshalb überall meist erobertes oder enteignetes Land – sogenanntes Staatseigentum. So wurde auch der französische Landwirt Jean Baptiste Biéchy (1766 bis 1849) im Jahr 1807 Besitzer des noch unbebauten „Limburger Gutes“ an der ehemaligen Römerstraße von Speyer nach Worms zwischen Schifferstadt, Mutterstadt und Neuhofen, für das er 14.100 Franken in die Staatskasse zahlte. Er ließ dort die ersten festen Bauten errichten – ein Wohnhaus, Stallungen, eine Scheune und eine Branntweinbrennerei.

Dieser Franzose, der wohl nach der Annexion des linken Rheinufers durch Napoleon in die Pfalz gekommen war, lebte damals in Speyer und war kaiserlicher Gerichtsbote und Gerichtsvollzieher in Mutterstadt. Mit seiner Frau Luise König und drei Kindern siedelte er auf den Limburger Hof um. Biéchy trat nach Napoleons erzwungenem Abschied nach St. Helena in die Dienste Bayerns, blieb königlicher Gerichtsbote und starb am 12. April 1849 in Mutterstadt.

Der bisherige Hausherr bleibt hier

Viel Freude an seinem Land scheint er nicht gehabt zu haben – es wird von Zeitgenossen als „dürrer, weißer Sand“ und rund 200 Morgen „schlechtes Feld“ beschrieben, das sich an der heutigen Speyerer Straße dahinzog. Deshalb bot Biéchy es bereits 1818 zum Verkauf an. In Mannheim lebte Friederike Gräfin Waldner von Freundstein (1793 bis 1829), die aus der wohlhabenden Bankiersfamilie von Stumm stammte. Sie kaufte 1823 das ziemlich heruntergekommene Hofgut in der Pfalz.

Die neue Besitzerin war eine tatkräftige Frau. Sie ließ die „in einem erbärmlichen Zustand befindlichen Gebäude“ abreißen und ein Pächterhaus, Stallungen für 80 Stück Vieh und einen Heuspeicher bauen. Die Schnapsbrennerei wurde renoviert – sie bezog ihren „Rohstoff“ aus einer nahen Plantage von etwa 360 Pflaumenbäumen. Der bisherige Hausherr blieb auch nach dem Verkauf des Gutes in Limburgerhof: Biéchy bekam einen Pachtvertrag bis 1838. Und es wurde emsig gebaut – ab etwa 1826 entstandenen das heutige „Schlösschen“ im klassizistischen Stil, ein dreistöckiger Turm, eine Orangerie und ein ansehnlicher Park.

Die Gräfin konnte sich jedoch nicht mehr an ihren um 1829 realisierten Plänen erfreuen: Sie starb am 14. Juni 1829. Ihr Mann Theodor Graf Waldner (1786 bis 1864) heiratete seine ebenfalls verwitwete Schwägerin Augusta Baronin von Berckheim – eine wohlhabende Frau. Der Graf, der selber ein ansehnliches Grundvermögen im Südelsass und in Baden im Rücken hatte, machte sich in der Pfalz verdient, als er 1833 den Bau eines Dammes zwischen Altrip, Waldsee und Neuhofen initiierte, der die Region vor Rheinhochwasser schützte.

Die Pflaumenbäume kommen weg

Die Waldners wohnten damals in Mannheim, wollten aber wie viele reiche Familien auch eine „Sommerresidenz“ ihr eigen nennen. Was lag näher, als das familieneigene Anwesen in Limburgerhof zu nutzen. Das „Herrschaftshaus“ wurde 1829 fertiggestellt – ab 1833 sollte ein Turm, ein „Belvedere“, einen zusätzlichen Akzent setzen. Das tat er – innen wie außen: Er besaß eine Bibliothek und im Erdgeschoss einen Raum für Gottesdienste.

Der neue Sommerresidenz-Besitzer machte sich unbeliebt bei seinem Vorbesitzer Biéchy: Er ließ 360 Pflaumenbäume fällen, weil sie ihm den Blick vom Herrenhaus Richtung Speyer verstellten. Biéchy klagte, verlor aber vor dem Bezirksgericht in Frankenthal und dem Appellationsgericht in Zweibrücken. Der Graf hatte aber wohl ein schlechtes Gewissen und machte ihm 1838 zum Abschied 1500 Gulden zum Geschenk.

Nach dem Tod seines Sohnes Ferdinand Adalbert (1819 bis 1857) ging das Anwesen samt Bauwerken an den Zuckerfabrikanten Carl Gottlob Reihlen, der schon 1851 Pächter war. 1899 übernahm die BASF den Limburger Hof, baute dort eine Siedlung für Werksangehörige und installierte 1914 ihre Landwirtschaftliche Versuchsstation, die weltweite Beachtung findet. Das BASF-Mustergut bewies, dass auch aus „schlechten Böden“ dank moderner „Zutaten“ wirtschaftlich etwas zu machen ist. Und die Entwicklung der heutigen Gemeinde Limburgerhof nahm ihren Anfang.

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