Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ortschronist erinnert an Deportation Mutterstadter Juden vor 80 Jahren

Blick auf das Lager in Gurs.
Blick auf das Lager in Gurs.

Es geschah an einem Dienstagmorgen vor 80 Jahren: Die Deportation von 6676 jüdischen Einwohnern am 22. Oktober 1940 aus der Pfalz, Baden, dem Saargebiet und aus Teilen Lothringens nach Südfrankreich in das Lager Gurs am Fuß der Pyrenäen. Dieser Schicksalstag bedeutete auch das Ende der über 200 Jahre alten jüdischen Gemeinde in Mutterstadt. Ein Gastbeitrag des Mutterstadter Ortschronisten Volker Schläfer

Gemessen an der Einwohnerzahl kam der größte Anteil der pfälzischen Juden, die vor genau 80 Jahren nach Südfrankreich verschleppt wurden, aus Mutterstadt: Insgesamt waren es 825 Personen, 52 waren Einwohner der vorderpfälzischen Gemeinde. Gurs steht deshalb für immer für das Schicksal der Mutterstadter Juden, denn Gurs wurde für fast alle zur tödlichen Falle.

Von dem Mutterstadter Transport sind schon in den ersten Wochen infolge der harten Lagerbedingungen neun Personen gestorben, darunter auch die damals bereits 83-jährige Esther Emma Marum. Einige konnten fliehen, im Untergrund überleben oder ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt. Anders erging es etwa Meta Sara Oehlbert, die in ein anderes Lager verlegt wurde und im Mai 1941 mit ihren 18-jährigen Zwillingstöchtern in die USA auswandern konnte. Doch die meisten wurden ab 1942 von Gurs aus in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert und dort ermordet. Erwähnenswert ist, wie es der jüdischen Familie Sundelowitz erging: Ihre Mitglieder standen nicht auf der damaligen Liste, schlossen sich aber freiwillig aus Solidarität dem Transport an. Der Vater wurde 1944 aus einem französischen Lager befreit, die Mutter kam 1942 mit ihrer 20-jährigen Tochter und ihren 18-jährigen Zwillingssöhnen nach Auschwitz.

Gedenktafel angebracht

Nach einem Gemeinderatsbeschlusses vom 11. Dezember 2001 wurde im Ehrenhof auf dem Mutterstadter Friedhof eine Namensliste der Deportierten als Gedenktafel angebracht, um so auf diese schreckliche, unmenschliche Aktion des NS-Terrorregimes hinzuweisen. Dem Beschluss war eine, vom Historischen Verein getragene, Bürgerinitiative vorausgegangen.

Dafür wurden die darüber vorhandenen Unterlagen ausgewertet, unter anderem im Gemeindearchiv, aber auch Dokumente im Landes- und Bundesarchiv sowie verschiedene Veröffentlichungen zu den damaligen Ereignissen und Informationen von in der Gedenkkultur aktiv engagierter Personen. In die Namensliste wurden 52 Personen aufgenommen, die an diesem 22. Oktober 1940 von Mutterstadt aus über Ludwigshafen mit Bussen, Zügen und Lastwagen in das Lager Gurs gebracht wurden. Vor einem Jahr haben die Länder Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz eine Vereinbarung getroffen über Erhalt und Pflege der etwa noch 2000 vorhandenen Gräber in und um Gurs, um so die Erinnerung an die Deportierten wachzuhalten.

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