Waldsee
Oldtimer Traktor Treff: Süßer Duft nach Schmieröl
Lore Nieser, Vorsitzende des Pfälzerwald-Vereins (PWV) Waldsee, ist mit ihrem roten Porsche zum Sommerfest ihres Vereins in die Sommerfesthalle gedüst. Oder besser getuckert – der Porsche Baujahr 1959 hat nämlich nur 25 PS und ist ein Traktor. „Einer der stärksten, die es damals bei uns in der Gegend gab“, erklärt ihr Ehemann Theo Nieser, dessen blauer Lanz Bulldog, Baujahr 1956, neben dem roten Porsche parkt.
Weder glänzend noch besonders groß, aber doch einer der Publikumslieblinge ist der kleine Lanz Bulldog 17er von Fritz Berthold aus Otterstadt. „Der ist sogar noch älter, Baujahr 1953“, erklärt Theo Nieser. Mit der Riemenscheibe kann er die Kreissäge, die Berthold daneben aufgebaut hat, antreiben. Dieser Bulldog war der erste Traktor, den sich Fritz Bertholds Eltern angeschafft haben. Der 74-Jährige erinnert sich noch, wie er als Kind zum ersten Mal auf der Rolle – dem ersten gummibereiften Anhänger von 1946 – mitgefahren ist. Die hat er ebenfalls zum Treffen mitgebracht.
„Sparsames Arbeitstier“
Anfangs haben seine Eltern die Geräte, die bis dahin noch von Pferden gezogen wurden, umgebaut und an den Traktor gehängt. „Der Lanz war ein sparsames Arbeitstier“, erklärt Berthold. Den Elementen der Natur ausgesetzt, saß der Fahrer auf dem Traktor. „Im Winter hat man die Motorradkappe aufgesetzt und Mäntel aus dem Krieg angezogen, wenn man die Zuckerrüben zur Fabrik gebracht hat“, erzählt Berthold und fragt: „Wollen sie mal hören, wie er klingt?“ Er klettert von hinten auf den Fahrersitz und glüht erst mal vor. Dann knattert und stinkt es, schon tuckert der Motor gleichmäßig und treibt die Kreissäge an.
Jeder der Traktorfreunde hat eine eigene, ganz besondere Beziehung zu seinem Gefährt. So wie Erich Huber zu seinem 1968 gebauten Mc Cormick oder Helmut Kuttruf zu dem Güldner G30: „Formschön, ingenieursmäßig gut gemacht. Mein Vater hatte den gleichen.“ Die beiden Traktorfreunde kommen aus Hockenheim. Auch aus Dannstadt und Römerberg sind Gäste da, aus Gaggenau sind einige Unimogfahrer gekommen. Zu ihnen hat sich Franz Asmacher aus Speyer mit seinem Unimog Typ 403 gesellt. „Deutsches Kulturgut“ steht auf der Heckklappe.
Jeder hat seine Favoriten
Die PWV-Sommerfesthalle ist gut besucht, denn nicht nur Traktorfreunde, auch Wanderer von den Pfälzerwald-Verein-Ortsgruppen Neuhofen, Römerberg, Rheingönheim und Dudenhofen sowie Besucher aus Waldsee und Umgebung sind gekommen. Kinder nutzen die Gelegenheit, eine Runde mit dem Trettraktor zu fahren, oder bestaunen die großen Fahrzeuge. Aber auch die Väter sind begeistert: „Dieser Duft nach Schmieröl und Maschinen – wunderbar“, findet Sascha Freundlich. Ihm gefallen die Hanomag Traktoren schon rein optisch am besten. Da sein Urgroßvater bei Lanz in Mannheim gearbeitet hat, habe er aber auch zu den Lanztraktoren eine Beziehung. Besonders gut gefällt ihm, dass das Fest so familienfreundlich sei.
Schon am Vorabend war Betrieb in der Festhalle, als unter anderem die Ehrungen langjähriger Mitglieder der Ortsgruppe Waldsee des Pfälzerwald-Vereins stattfanden. Der Verein feiert sein 40-jähriges Bestehen aus dem Jahr 2020 nun nach.