Dudenhofen
Obdachlosenunterkunft: Anwohner fühlen sich terrorisiert
Für Nicole Main, Eva Kirchner und andere Frauen ist es eine alltägliche Situation – so schildern sie es zumindest: Kämen sie auf ihrem Weg ins Dorf oder beim Spaziergang zum Wirtschaftsweg Richtung Speyer am Haus Nummer 17/19 an der Ecke Boligweg/Kettelerstraße vorbei, würden sie bedroht und beschimpft. „Mit ganz üblen, nicht wiederzugebenden Worten, die sich auch die Kinder anhören müssen“, sagt Main. Nicht nur einmal sei Kirchner hinterhergerufen worden: „Ich bringe dich um du ... und deinen Hund gleich mit.“ Sie, die Anwohner, hätten mittlerweile Angst, ihre Kinder ohne Begleitung und Aufsicht eines Erwachsenen auf der Straße oder dem Spielplatz gegenüber des Kinderhospizes alleine zu lassen.
Aus den Fenstern des Hauses 17/19 werde hauptsächlich von zweien der Bewohner nach ihnen und anderen Passanten gespuckt oder sogar Urin geschüttet. Permanent würden die Männer zudem in der Kettelerstraße pöbeln und Leute belästigen, teils an die Häuserwände urinieren oder in die Gärten koten. Abends und nachts, vor allem über die Wochenenden, werde unter der Brücke („dass es ja laut hallt“) auch im Verbund mit anderen gelärmt und randaliert.
Aggressiv verhielten sich immer wieder die gleichen zwei der acht bis zehn an der Ecke Boligweg/Kettelerstraße wohnenden Obdachlosen. Zu den beiden kämen häufig Besucher von außerhalb, die dann mitkrakeelten, Dinge anstellten und die Leute angingen. Benjamin Kirchner befürchtet, dass es irgendwann nicht beim Bedrängen, Nötigen und Bedrohen bleibt, sondern „Schlimmeres wie körperliche Angriffe oder ein Mord“ passiert: „Wer weiß, wie die in ihrem Drogenwahn, Alkoholdelirium oder in Folge ihrer psychischen Erkrankung und Verfassung reagieren, wie sie ausrasten und was die noch anstellen“, sagt er. Die überwiegend jungen Familien seien im Glauben an einen ruhigen, sicheren Ort, an gute Nachbarschaft in die Kettelerstraße gezogen und hätten hier gebaut.
„Kopfnuss“ verpasst
Rudi Betz berichtet, dass mitten im Dorf einer der beiden von den Anwohnern als Hauptübeltäter geschilderten Männer ihn und einen Bekannten tätlich angegriffen und dem Bekannten eine „Kopfnuss“ verpasst habe. „Wir konnten ihn überwältigen und festhalten. Dann verständigten wir die Polizei. Als wir Anzeige gegen ihn erstatten wollten, sagte man uns, das bringt nichts, das könnten wir uns sparen. Bei ,denen’ wäre eh nichts zu holen“, sagt Betz.
Nach einer ausgesprochenen Morddrohung gegenüber seiner Frau stellte Nicolas Main einen der Männer zur Rede: „Er wurde gleich patzig und aggressiv. Appellieren, sich mit ihm verbal auseinandersetzen zu wollen, ist sinnlos“, sagt er. Und Axel Kappner erzählt, dass einer der zwei Männer morgens um sechs an der Haustür geklingelt habe. „Er meinte zu meiner Frau, die öffnete, wir müssten sofort ausziehen, es sei sein Haus“, erzählt Kappner. Sonntagabends habe die Person im Ort jemanden bedrängt. Die Polizei habe den Täter nur mit einem Elektroschocker überwältigen können. Gelegentlich käme die Polizei auch mit Drogenhunden zum Haus, verhafte jemanden, lasse ihn oder sie dann aber schnell wieder laufen. Ein Bewohner, „psychisch krank“, habe sich auf der Straße entblößt und dort sein großes Geschäft verrichtet.
Keine Aussicht auf Abhilfe
Vor einigen Wochen habe sie Verbandsbürgermeister Manfred Scharfenberger (CDU) die Situation geschildert, berichtet Nicole Main. Die Antwort: Das Problem sei bekannt, aber der Verbandsgemeinde seien die Hände gebunden. Ihr sei geraten worden, die Kreisverwaltung zu informieren, die sie aber wiederum an die Polizei verwiesen habe. Die käme zwar häufig, fahre aber jedes Mal ohne Konsequenzen für die Bewohner der Unterkunft wieder weg. Auch an den Dudenhofener Ortsbürgermeister Jürgen Hook (SPD) wandten sich die Anwohner. Ihr Eindruck mittlerweile: Jede Stelle sage, sie sei nicht zuständig.
Hook bestätigte in der jüngsten Ortsgemeinderatssitzung, bei der die Anwohner auf die Vorkommnisse in der Kettelerstraße aufmerksam machten, dass ihm die Zustände um das Sozialhaus der Gemeinde bekannt seien und diese sich „seit einem Jahr verschlimmerten“. Abhilfe stellte er allerdings nicht in Aussicht: „Es gibt keine Handhabe, keinen Königsweg, die gegenwärtigen Verhältnisse zu ändern, zu befrieden“, sagte Hook. Er werde den Kontaktbeamten der Gemeinde – einen Sozialarbeiter gibt es in der Verbandsgemeinde nicht – zu dem Haus schicken, der solle mit den Bewohnern sprechen.
Thilo Schappert erwartet sich davon nichts: „Wir werden ständig abgewiesen, vertröstet, niemand unterstützt uns“, begründet er, warum die Anwohner über die Gründung einer Bürgerinitiative nachdenken. Für Benjamin Kirchner wäre ein erster gangbarer Schritt, „die Problem-Bewohner“ von den übrigen zu trennen.