SPEYERER UMLAND RHEINPFALZ Plus Artikel Nicht überall ist die Rathaustür verschlossen

Nur mit Termin zugänglich: Rathaus Dudenhofen.
Nur mit Termin zugänglich: Rathaus Dudenhofen.

Die Pandemie hat das Land im Griff, aber die Verwaltungsgeschäfte müssen weitergehen. Die RHEINPFALZ hat bei den Verbandsgemeinden im Speyerer Umland nachgefragt, wie sie sich nach gut einem Jahr mit der Situation arrangiert haben, welche Aufgaben hinzugekommen sind und wie die Bürger reagieren, seit der Besuch im Rathaus komplizierter geworden ist.

In den Rathäusern ist es leer geworden auf den Fluren: In Dudenhofen und Römerberg arbeitet von 78 Verwaltungsmitarbeitern knapp die Hälfte regelmäßig im Homeoffice, die übrigen vor Ort alleine in ihren Büros. Ausnahmen sind laut Büroleiter Stefan Schall jene, die im Bürgerbüro oder in der Kfz-Zulassung tätig sind – bei Kundenkontakt mit FFP2-Maske – und jene, die neu eingearbeitet werden. Patrick Fassott, SPD-Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen nennt auch noch Hausmeister oder Menschen in der Flüchtlingsbetreuung als Beispiele für Verwaltungsangestellte, die eben nicht ohne weiteres von zu Hause aus arbeiten können. Anderswo, zum Beispiel in der Finanzabteilung, funktioniere das hingegen sehr gut. „Auch bei chronisch kranken Kolleginnen und Kollegen achten wir verstärkt auf die Option Homeoffice“, sagt er.

In der Lingenfelder Verbandsgemeindeverwaltung sind die Beschäftigten laut Büroleiter Jens Hinderberger im ständigen Wechsel zwischen Präsenz im Rathaus und Homeoffice. Dieser sei erforderlich, um die Akten und auch den Posteingang zu sichten, der nicht immer in digitaler Form vorliegt. Bei den Mitarbeitern im Einwohnermelde- und Standesamt sei für viele Arbeiten ein ausschließliches Homeoffice nicht immer umsetzbar, da beispielsweise Dokumente von Hand unterschrieben werden müssen. Auch bei manchen Mitarbeitern der Werke oder am Empfang sei kein Arbeiten von zu Hause aus möglich.

„Funktioniert hervorragend“

Neben dem Kontakt per Telefon oder E-Mail sind mittlerweile Videokonferenzen in den Verwaltungen an der Tagesordnung, wie alle Befragten bestätigen: „Ja, es gibt in der Tat sehr, sehr viele Videokonferenzen. Innerhalb der Verwaltung und auch für regelmäßige Abstimmungen mit den Ortsbürgermeistern“, berichtet Fassott. „Das funktioniert hervorragend und spart auch oft Zeit. Da man auch mit dem Telefon an Videokonferenzen teilnehmen kann, sind wir sehr flexibel aufgestellt.“ Wenn es doch mal ein persönliches Treffen sein muss, dann wird die Besprechung in Dudenhofen „auf das Mindestmaß an Teilnehmerinnen und Teilnehmern reduziert in einem ausreichend großen Besprechungsraum außerhalb des Rathauses geführt“, erklärt Stefan Schall.

Umfangreich sei die Liste der Aufgaben, die durch die Pandemie die Verwaltungen zusätzlich belasten, berichten die Verwaltungen. Neben internen Umstellungen müssten Vorgaben aus der Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes und der Allgemeinverfügungen des Kreises vor Ort umgesetzt werden, zählt Schall auf. Das betrifft Kitas und Schulen, aber auch beispielsweise die Nutzung von Sporthallen und Bürgerhäusern oder Vorgaben bei Trauungen und Bestattungen. Corona-Maßnahmen müssten außerdem von der Ordnungsbehörde überwacht werden. Viel Arbeit macht auch der Bereich Asylbewerber, wenn es Corona-Ausbrüche in Flüchtlingsunterkünften gibt. Die Einrichtung von Schnelltest-Zentren, digitale Ratssitzungen und nicht zuletzt die Beantwortung von Bürger-Fragen zum Thema sind weitere Beispiele.

„Wir sind bei der kommunalen Gremienarbeit kopfüber im digitalen Zeitalter angekommen“, beschreibt Patrick Fassott eine der größten Herausfoderungen, die Corona für die Verwaltung gebracht habe. Das Vorbereiten und Durchführen von digitalen Ratssitzungen, wie sie seit Anfang Dezember in der Verbandsgemeinde Rheinauen gängig sind, sei ein Mehraufwand. Zu loben seien die Gremienmitglieder, die zur Umstellung ohne Murren bereit waren.

Wartezeiten reduziert

Trotz aller Einschränkungen: Natürlich sind die Verwaltungen weiterhin für den Bürger erreichbar: zumindest telefonisch, per E-Mail, per Fax oder auf dem Postweg. Und nach Terminvereinbarung sind auch persönliche Kontakte möglich, wie Stefan Schall berichtet. Im Waldseer Rathaus sind die Erfahrungen mit der Terminvergabe durchweg gut: „Die Wartezeiten für Bürgerinnen und Bürger konnten reduziert werden“, sagt Fassott. In Lingenfeld haben die Verantwortlichen hingegen auf Terminvergaben verzichtet und sind damit laut Hinderberger ebenfalls sehr gut gefahren. „Das Rathaus der Verbandsgemeindeverwaltung war noch nie geschlossen und für den Publikumsverkehr unter Einhaltung der jeweils geltenden Schutz- und Hygienemaßnahmen zu den üblichen Zeiten geöffnet“, berichtet er. In den Wartezonen seien für die Besucher Stühle mit Abstand aufgestellt.

Zusätzliche Online-Angebote für die Bürger sind bei den Verbandsgemeindeverwaltungen bis auf die Möglichkeit der virtuellen Teilnahme an Online-Sitzungen während der Corona-Pandemie nicht geschaffen worden. Schall verweist auf die Mehrbelastung, der die Mitarbeiter derzeit ausgesetzt seien. Allerdings gebe es bereits jetzt viele Angebote über die Website. So würden beispielsweise alle Bauleitpläne digital eingestellt. Und bei den Werken können über das Online-Portal Zählerstände gemeldet werden. In der Verbandsgemeinde Rheinauen hat der Bürgermeister die Erfahrung gemacht, dass wesentlich mehr Bürger die Ratssitzungen mitverfolgen, seit dies online möglich ist. „Für einen bestimmten Teil der Bevölkerung ist eine Online-Teilnahme niederschwelliger als die Teilnahme an einer Präsenzsitzung. Man verfolgt eine Sitzung in aller Ruhe im Wohnzimmer von zu Hause“, sagt Fassott.

Problem Kfz-Zulassung

Die Veränderungen im Betrieb der Verwaltungen bringen Kritik, aber auch Lob der Bürger mit sich. Die Menschen hätten sich – nach Startschwierigkeiten – sehr gut auf den veränderten Betrieb eingestellt, glaubt Schall. „Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie begrüßen sie außerdem unsere feste Terminvorgabe, was ausdrücklich gelobt wird.“ So hätten sich dadurch die Wartezeiten vor Ort reduziert. Kritik gebe es aber daran, dass es gerade bei der Kfz-Zulassung sehr lange dauere, bis ein Termin verfügbar sei. „Kritik erreicht uns auch immer wieder in der telefonischen Erreichbarkeit und bei der Bedienung der Klingel und des Zutritts am rückwärtigen Eingang des Rathauses Dudenhofen“, berichtet der Büroleiter. Die Mitarbeiter seien so stark ausgelastet, dass die Bürger hier nicht immer zufriedenstellend bedient werden können. In Lingenfeld musste – bedingt durch positive Testungen oder Quarantäne – zeitweise eine ganze Abteilung für den Publikumsverkehr geschlossen werden. „Dies hat natürlich vereinzelt zu Unmut bei den Bürgern geführt, konnte aber eben nicht vermieden werden“, berichtet Hinderberger. VG-Rheinauen-Bürgermeister Patrick Fassott ist sich trotz aller Probleme allerdings sicher, dass die Bürger die Anstrengungen der Verwaltungen honorieren.

Im „Corona-Betrieb“: Rathaus Waldsee.
Im »Corona-Betrieb«: Rathaus Waldsee.
Hat normal geöffnet: Rathaus Lingenfeld.
Hat normal geöffnet: Rathaus Lingenfeld.
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