Dudenhofen Neues Gottesdienstformat in der Pfarrei St. Hildegard: „Die Kirche ist immer voll“
„Ich treffe hier Leute, die ich noch nie oder schon ewig nicht mehr in der Kirche gesehen habe“, erzählt Birgit Birkle-Ertel, Vorsitzende des Pfarreirats, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Das haben mir schon mehrere Besucher gesagt.“ Sie ist begeistert von solcher Resonanz nach dem Gottesdienst am Sonntag. „Das war heute ein echtes Plus für mich“, sagt sie.
In einem solchen Moment weiß die engagierte Christin aus Berghausen, dass das Format ein Gewinn ist. Denn genau das ist Sinn der Übung: Die katholische Kirche will und muss neue Wege gehen. Sie muss sich öffnen, andere Angebote machen, wenn sie weiter gehört werden, ihre Anhänger (wieder-) finden und Mehrwert für deren Leben bieten will.
Format wird laufend überarbeitet
Das liegt nicht nur daran, dass in der Pfarrei mit den sechs Ortsgemeinden Dudenhofen, Hanhofen, Harthausen, Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim laut jüngster Statistik gerade noch 8000 Katholiken zu finden sind. Sondern auch daran, dass aktuell und in Zukunft nur noch ein Pfarrer zur Verfügung stehen wird. Gottesdienst sonntags in allen Gotteshäusern anzubieten sei heute schon unmöglich. Das Mitwirken der Laien werde deshalb immer wichtiger. Der „gottesdienst+“ sei aus dieser Aufgabe entstanden. Inzwischen sei er ein wichtiges Element der seelsorgerischen Arbeit, bestätigt Pfarrer Jens Henning.
„Einmal monatlich, immer am zweiten Sonntag im Monat, findet in Dudenhofen, der Hauptkirche und Sitzgemeinde der Pfarrei, deshalb der ,gottesdienst+’ statt“, erläutert er. Das Konzept haben die kirchlichen Gremien entwickelt. „Seither experimentieren wir“, beschreiben Henning und Christiane Kemper ihre Arbeit als „work in progress“. Kemper ist Vorstandsmitglied im Pfarreirat aus Dudenhofen und wie Birkle-Ertel Teil des zehnköpfigen Vorbereitungsteams. Das Team trifft sich einmal im Monat.
Maßgeblich für das Motto des Sonntagsgottesdienstes sind immer das Evangelium und der Kalender. „Zufällig waren jetzt Palmsonntag, Muttertag und als Nächstes Pfingsten jeweils ,gottesdienst +’-Sonntage“, freuen sie sich. Das Team sucht Texte und Lieder aus, wählt geeignete Medien wie Beamer, Liedblätter und passende Internet-Programme. Das neue Konzept musste nicht von der Kirchenhierarchie „abgesegnet“ werden. „Wir haben es dem Weihbischof bei seiner jüngsten Visitation lediglich vorgestellt“, sagt Henning.
Gemeindepfarrer bleibt im Hintergrund
Der verantwortliche Gemeindepfarrer spielt nun nicht mehr zwingend die Hauptrolle oder mimt den Chef am Altar. Er nimmt sich zurück. Qua Amtes wird er auch „nur“ noch für die Wandlung benötigt. Alles andere – selbst predigen – dürfen Laien und tun das auch. „Partizipation nicht nur des Teams, auch der Besucher“, sei entscheidend, so Henning.
Er lädt überdies alle Besucher, ob katholisch oder nicht, ausdrücklich zum Empfang des Abendmahls ein. Und er kann sich auch Frauen als Pfarrerinnen am Altar gut vorstellen. „Reden darüber dürfen wir immerhin inzwischen“, sagt er mit Augenzwinkern.
Live-Musik und gemeinsames Essen
Einige feste Elemente gehören inzwischen immer zum „gottesdienst +“. Neben der persönlichen Begrüßung an der Kirchentür zum Beispiel das Aufstellen im Kreis in der Kirche beim „Vater unser“ und der Liturgie. Zentral ist daneben Live-Musik. Am kommenden Sonntag singen die Magic Gospel Voices aus Heiligenstein mit Bernd Camin. Unverzichtbar: das gemeinsame Essen im Kirchenraum. Entweder gibt es ein Frühstück vor oder ein Mittagessen anschließend. An Pfingsten wird Spargelragout aufgetragen. Finanziert wird alles aus Spenden und aus dem Säckel der Kirchengemeinde.
„Am allerwichtigsten aber ist und bleibt, dass wir gemeinsam Gottesdienst, also Liturgie feiern“, betonen alle Gesprächspartner. Die Zielgruppe seien Menschen, die ihren Glauben neu in einer anderen Art und Weise erleben wollen. „Und die gewillt sind, innovative Wege mitzugehen und für sich ein Plus daraus mitzunehmen“, formuliert der Priester.
Auch Älteren gefällt das neue Format
Aber: Es gibt weiter klassische Elemente und es sind nicht nur Junge, die die andere Gestaltung suchen. „Auch Ältere lechzen geradezu danach“, findet Henning. Natürlich habe die Umstellung einige Kritiker und Skeptiker auf den Plan gerufen. Die Stimmen seien indes weitgehend verstummt. Traditionelle Kirchenerlebnisse gebe es nach wie vor in der Pfarrgemeinde.
Das Team „gottesdienst+“ registriert mit großer Genugtuung, dass sich schon ein „Stammpublikum“ herausgebildet habe. „Die Kirche ist immer voll. Menschen aus allen Gemeinden und in jeder Altersgruppen sind da“, bilanzieren Birgit Birkle-Ertel und Christiane Kemper.
Termin
Der nächste „gottesdienst+“ findet am Sonntag, 8. Juni, um 10.30 Uhr in der katholischen Kirche St. Gangolf, Dudenhofen , statt.