Mutterstadt
Neuer Stromtarif: Sich nicht überrumpeln lassen
„Das Ganze ist mir zu dubios.“ Karl Mistler fühlte sich überrumpelt, als er am Telefon einen neuen Stromvertrag bei einem neuen Stromanbieter angeboten bekam. Er sollte abgeworben und mit vermeintlich besseren Konditionen geködert werden. Dabei war er mit dem Preis seines bisherigen Stromlieferanten, der außerhalb der Pfalz ansässig ist, zufrieden. Besonders, weil der neue Tarif keinesfalls preiswerter gewesen wäre. Die hartnäckige Telefonakquise wollte zunächst kein Ende nehmen. Mistler wurde immer weiter hingehalten.
„Ich habe bei der ganzen Sache ein schlechtes Gefühl“, berichtet Mistler einige Tage später im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Zumal er der Aufforderung „Wir brauchen ihre Zählernummer“ nachgekommen sei und diese preisgegeben habe. Auch wenn er sich sicher ist: „Es kam in meinen Augen zu keinem Abschluss.“ Die Unsicherheit bleibt. Sollte er vielleicht ausgetrickst werden? Wurde nach dem Telefonat vielleicht doch ein Anbieterwechsel veranlasst? Vorsorglich hat er den Dienstleister informiert, der für ihn seine Verträge betreut. Er schaut jetzt ganz genau hin.
Polizei: Hartnäckige Anrufer wollen Verträge abschließen
Solche Anrufe sind auch bei der Polizeiinspektion (PI) Schifferstadt bekannt. Sie seien aber derzeit „kein häufiges Phänomen“, wie Marco Hinze, der stellvertretende Leiter der PI, auf Anfrage mitteilt. Er weiß aber davon zu berichten, dass Anrufer immer wieder versuchen, in langatmigen Telefonaten ihre Gesprächspartner davon zu überzeugen, Verträge abzuschließen.
Marc Scherer, Leiter der Abteilung Kundenservice und Verbrauchsabrechnung bei den Stadtwerken Schifferstadt, kennt das Phänomen. Ihm sind aber aktuell keine Fälle solcher hartnäckiger Akquiseanrufe zu Ohren gekommen, geschweige denn eine Häufung. Trotzdem: Gerade jetzt sei eine gute Zeit dafür, Kunden zu einem Wechsel zu bewegen, schließlich liefen viele Verträge zum Jahresende aus. Vier bis sechs Wochen vor Jahresfrist könnten sie oft noch gekündigt werden.
Ratschlag: Keinen Zählerstand am Telefon nennen
Wenn sich ein Kunde doch mit einem anderen Angebot überrumpeln ließ, kann er auf die Hilfestellung beim Kundenservice der Stadtwerke vertrauen: Es bleibe immer noch Zeit für den Widerspruch, sagt Scherer. Und zwar zwei Wochen lang, nachdem die Post des neuen Anbieters mit dem Versorgungsbeginn beim Kunden eingegangen ist. Um erst gar nicht in die Situation zu kommen, rät Scherer jedem, keine Bankverbindung und keinen Zählerstand rauszugeben. Generell sollten Angerufene keine persönlichen Daten nennen und keine Zusagen tätigen. Scherer empfiehlt, sich Angebote per Post oder E-Mail zusenden zu lassen, um sie in Ruhe zu prüfen und dann zu entscheiden.
Auch bei den Technischen Werken Ludwigshafen (TWL) sei es schon vorgekommen, dass sich Kunden nach hartnäckigen Telefonakquisen Fremder im Kundenzentrum gemeldet haben, teilt Christina Horn, Leiterin der Konzernkommunikation, auf Anfrage mit. Für die TWL legt sie Wert darauf: „Wenn wir eine Vertragsverlängerung haben, ruft nie jemand an. Wir informieren offiziell in einem Schreiben.“ Wenn sich jemand unsicher fühle, könne er sich gerne bei den TWL erkundigen.
Hartnäckige Telefonakquise von anderen, um Stromkunden abzuwerben, ist bei den Pfalzwerken derzeit kein Thema. „Bisher hat sich dazu noch niemand bei uns gemeldet“, sagt Sven Claus, Leiter der Unternehmenskommunikation.
Eine Frage bleibt noch: Wie die Anrufer bei solchen Telefonakquisen zu den Daten der Angerufenen kommen, lasse sich schwer sagen, meint Marc Scherer von den Stadtwerken Schifferstadt. Eine Möglichkeit sei, dass die Angerufenen zuvor an einem Gewinnspiel teilgenommen und zugestimmt haben, dass ihre Daten an Werbepartner weitergegeben werden. Dann klingelt plötzlich das Telefon, und die Stimme am anderen Ende der Leitung bietet einen neuen Stromtarif an.