Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Pfarrer will kein Alleinunterhalter sein

Götz Geburek in der Lambsheimer Kirche am sogenannten Taufbaum. Der protestantische Pfarrer wirkt dort seit September.
Götz Geburek in der Lambsheimer Kirche am sogenannten Taufbaum. Der protestantische Pfarrer wirkt dort seit September.

„Wie schön, dass wir wieder einen eigenen Pfarrer haben.“ Diesen Satz hat Götz Geburek in den zurückliegenden Wochen häufig gehört. Spürbar erleichtert über das Ende der zweijährigen Vakanz haben ihn die Lambsheimer Protestanten mit offenen Armen empfangen.

Den Umzug vom Saarland in die Vorderpfalz hat Götz Geburek bewerkstelligt, seine neue Wirkungsstätte allerdings hat, als sie RHEINPFALZ ihn besucht, etwas von einem Provisorium. Denn das 1849 im klassizistischen Stil erbaute Pfarrhaus neben der Kirche – seit dem Weggang von Pfarrerin Vera Ettinger verwaist – musste zunächst renoviert und wärmegedämmt werden. Aber angekommen ist der neue Lambsheimer Seelsorger. „Angetroffen habe ich eine überaus lebendige Gemeinde mit vielen Ehrenamtlichen und kompetenten Mitgliedern, die neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sind“, schildert Götz Geburek seine ersten Eindrücke.

Erleichtert hebt er hervor, dass die Kirchengemeinde dank vieler Menschen während der Vakanz präsent geblieben sei. Seine klare Ansage an die rund 2300 Lambsheimer Protestanten: Er wolle neue Wege einschlagen, wobei für den einen oder anderen sein Stil vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig sein könnte, räumt er ein. Einen Schwerpunkt sieht der 58-Jährige in der Gestaltung der Gottesdienste, die für ihn „ein kommunikatives Geschehen der Gemeinde“ darstellen.

Erfahrung aus 25 Jahren

Er sehe sich keineswegs nur als Alleinunterhalter, auch bei der Predigt wolle er mit den Leuten ins Gespräch kommen. „Jeder soll sich aufgehoben fühlen und etwas für den Alltag mit nach Hause nehmen.“ Sein Ziel sei es, auch das Publikum zwischen 30 und 60 Jahren zu erreichen. Dabei kann er aus dem reichen Erfahrungsschatz einer 25-jährigen praktischen Gemeindearbeit schöpfen. Einen hohen Stellenwert hat für ihn die Kirchenmusik, spielt er doch schon von Kindesbeinen an Klavier.

Von dem Wunsch beseelt, nach einem relativ kurzen Intermezzo in Homburg/Saar wieder eine große Gemeindepfarrstelle zu übernehmen, hat sich der Theologe auf die Stelle in Lambsheim beworben. Dabei ließ er sich – anders als so mancher seiner Kollegen – nicht davon abschrecken, dass er für drei evangelische Kindertagesstätten die Verantwortung übernehmen muss. Im Gegenteil. „Ich sehe darin eine Riesenchance und einen Segen.“ Auf lange Sicht bedürfe es einer Organisationsform, bei der Synergien genutzt werden können. Glücklicherweise gebe es in den gut geführten Einrichtungen keine Personalprobleme, da sehr viel für den Nachwuchs getan werde, betont der Pfarrer.

Erster Beruf: Maschinenbauer

Alles andere als langweilig und vorhersehbar ist Gebureks bisheriges Leben verlaufen. Aufgewachsen ist der heute 58-Jährige in Hamborn, einem Stadtteil von Duisburg. Nach Abitur und Bundeswehr studierte er in Braunschweig Maschinenbau und machte seinen Abschluss als Diplom-Ingenieur. „Ich habe mir eine gesunde Portion Realismus und lösungsorientiertes Arbeiten angeeignet, was mir auf meinem weiteren Lebensweg nicht geschadet hat“, stellt Geburek rückblickend fest. Da die beruflichen Perspektiven in den 1990er-Jahren nicht sonderlich rosig waren, sattelte er um.

Warum ausgerechnet auf Theologie? „Ich bin nicht wie Luther vom Blitz getroffen worden.“ Der Schritt war für den im Glauben fest verwurzelten Rheinländer gar nicht so groß. Denn schon während seiner Konfirmandenzeit begannen seine kirchlichen Aktivitäten, einige Jahre wirkte er auch als Lektor der Landeskirche. Das Studium führte ihn über Bethel und Münster nach Heidelberg, wo er seine aus Stelzenberg bei Kaiserslautern stammende Frau Britta kennenlernte. Sie heirateten und landeten 1995 in der Pfalz. Nach dem Vikariat in Ludwigshafen-Friesenheim kam für den angehenden Pfarrer zunächst die Ernüchterung. Die Landeskirche hatte einen Einstellungsstopp verhängt. Götz Geburek überbrückte das mit einem kleinen Abstecher in die Industrie, wo er als technischer Redakteur beim Unternehmen Heidelberger Druckmaschinen tätig war.

Auch mal Schulpfarrer gewesen

Ab August 2001 teilte er sich die Pfarrstelle in Ludwigshafen-Maudach mit seiner Frau, die 2007 eine Aufgabe in der Gefängnisseelsorge übernahm, sodass er in der Folgezeit bis 2015 allein zuständig war. Nebenbei baute er als zweites Standbein das „Fundraising“ (Mittelbeschaffung) auf und fungierte auf dem Gebiet als landeskirchlicher Beauftragter. Und zwei Jahre lang war er als Schulpfarrer am Heinrich-Böll-Gymnasium in Ludwigshafen-Mundenheim aktiv.

Der zugewandt unkomplizierte Lambsheimer Geistliche, der Mitte September in sein neues Amt eingeführt wurde, sieht im Pressegespräch kein Problem darin, etwas Privates preiszugeben. Er ist Vater zweier erwachsener Kinder, die beide studieren, und er hat seit vergangenem Jahr eine Enkeltochter. Seine Ehefrau Britta Geburek-Haag pendelt als Studierendenpfarrerin seit 2020 nach Kaiserslautern. Entspannung und sportlichen Ausgleich findet Götz Geburek auf seinem Fahrrad. Ohne Elektroantrieb unternimmt er ausgedehnte Touren – vorzugsweise entlang von Flüssen und stillgelegten Bahntrassen. Überhaupt hat es ihm die Eisenbahn in besonderer Weise angetan – sowohl im Modellformat als auch in natura als häufig genutztes Transportmittel.

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