DUDENHOFEN RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Pfarrer Jens Henning: Plädoyer für Reform der Kirche

Freut sich auf die neue Aufgabe: Pfarrer Jens Henning (rechts), dem Dekan Frank Aschenberger alles Gute auf seinem Weg wünschte.
Freut sich auf die neue Aufgabe: Pfarrer Jens Henning (rechts), dem Dekan Frank Aschenberger alles Gute auf seinem Weg wünschte.

Die ersten drei Wochen des Kennenlernens seiner Pfarrei Heilige Hildegard empfand Jens Henning als „Marathonlauf“. Nach dem Festgottesdienst zur Einführung in sein Amt als leitender Pfarrer fühlte sich der 41-Jährige erst einmal angekommen – und angenommen.

Entgegen seiner Erwartung am Tag zuvor, „morgen wird es ein einfacher Gottesdienst“, war es am Sonntagnachmittag in der Dudenhofener Kirche St. Gangolf für Jens Henning eine „wahnsinnig aufregende, sehr emotionale“ Einführungsfeier. Auch weil wegen der Corona-Beschränkungen nicht alle Familienangehörigen, Freunde und Wegbegleiter an ihr teilnehmen konnten – und sich ein Kindheitstraum erfüllte. Henning: „Als Messdiener wollte ich immer Pfarrer werden“, erzählte er. Der Weg zur Berufung führte zunächst über Umwege, auf denen ihn „Gott immer wieder fand“.

Am 14. September hat Bischof Karl-Heinz Wiesemann Jens Henning als Nachfolger von Josef Metzinger zum leitenden Pfarrer der Pfarrei Heilige Hildegard mit den Gemeinden Dudenhofen, Hanhofen, Harthausen, Heiligenstein, Berghausen, Mechtersheim ernannt. Den Schlüssel, „der auch die Herzen der Menschen öffnen möge“, einen Laib Brot, „das Symbol, sich besonders um die Armen, Schwachen, Beladenen zu kümmern“, überreichte Dekan Frank Aschenberger dem Neuen. Verbunden mit der Hoffnung, dass Henning in der Nachfolge Christi der Gemeinde vorangehe und er gemeinsam mit dem Pastoralteam – bestehend aus Gerhard Kolb, Sabine Alschner und Michael Gutting – mit allen für oder in der Kirche Tätigen zum Lobe Gottes vertrauensvoll zusammenarbeite.

Zugangswege zu Gott

Jens Henning wurde im südpfälzischen Herxheim geboren, nach dem Abitur wartete er zunächst auf einen Medizin-Studienplatz, bevor ein Aufenthalt bei den Paulusschwestern in Südafrika und eine Mini-Wallfahrt nach Assisi die Entscheidung in ihm reifen ließ, Priester zu werden. Es folgten das Theologie-Studium in München und Rom, inklusive Promotion. 2013 wurde Henning zum Priester geweiht und arbeitete seitdem zunächst als Kaplan in Bexbach, dann als Schulseelsorger in Homburg.

Doch um seinen Lebenslauf wollte der Geistliche am Sonntag nicht viel Aufhebens machen. Lieber mochte Henning über seine „Zugangswege zu Gott“, sein – für Christen sehr zerbrechliches – Glaubensbekenntnis sprechen. Niemand komme als Gläubiger auf die Welt. Da von außen gegeben, müsse man sich ständig um den Glauben bemühen und ihn erneuern. An dem Umstand, dass er nicht mehr öffentlich verhandelt werde, sei die Institution Kirche mit Schuld. Ebenso an dem Umstand, dass letztere als veraltet gelte. Henning nannte die Fülle der Missbrauchsfälle, die Haltung Wiederverheirateten und gleichgeschlechtlichen Paaren gegenüber, die Stellung der Frau und die verkündeten Sexualmoral als Ursachen. Eine Reform der Kirche sei dringend geboten, meinte Henning.

Glauben weiterentwickelt

Tiefster Grund seines Glaubens sei die in der Kindheit vermittelte Gottesliebe. Ein Teil sei ihm geblieben – Gott, dem man als Vater, Mutter und bestem Freund ohne Furcht vor Sanktionen alles anvertrauen könne. Ein anderer Teil habe sich in Momenten des Zweifels weiterentwickelt. Auch wenn sich Gott nicht fassen lasse und immer wieder entziehe, finde ihn der Suchende stets auf Neue.

Sichtbar und greifbar entdeckt habe er Gott in Südafrika bei den Paulusschwestern und ihrem Dienst am Nächsten in den Townships, aber auch bei seinem Aufenthalt auf den Philippinen. Die Menschen dort hätten trotz Dürre, Hunger, Armut, Wirbelstürmen oder Überschwemmungen nicht ihren Glauben und die auf Gott als pures Leben und Glück gegründete Freude verloren. Kirche, findet Henning, müsse politisch sein, „den Mund aufmachen“ und Vorreiterin in sozialen Fragen, aber auch im Bereich Umwelt- und Tierschutz werden.

Während des Studiums begegnete Henning dann dem Gott der Vernunft und der Mystik. Er habe ihn in der Einheit von Gott und Welt erfahren: „Er ist überall, in der Stille, der Natur, im Loslassen und doch nirgends, er ist das letzte Geheimnis“, sagte der Pfarrer.

Musikalisch begleiteten die Chorleiter der Kirchenchöre den Gottesdienst, Willkommensgrüße sprachen Barbara Kischka für den Verwaltungsrat, Pfarrerin Bettina Beyerle und Gemeindediakon Werner Bücklein von der evangelischen Kirchengemeinde sowie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Manfred Scharfenberger (CDU).

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