Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer leitender Pfarrer hofft auf mehr Zeit für Seelsorge

Katholische Kirche St. Martin in Waldsee: Zu der von hier aus geleiteten Pfarrei gehören fünf Orte.
Katholische Kirche St. Martin in Waldsee: Zu der von hier aus geleiteten Pfarrei gehören fünf Orte.

Ralf Feix wird am Samstag als neuer leitender Pfarrer der Pfarrei St. Christophorus eingeführt. Im Interview erzählt er, was ihm für die Zukunft wichtig ist.

Vor zwei Jahren sind Sie als Kooperator nach Waldsee gekommen. Gefällt es Ihnen so gut, dass Sie die Leitung der Pfarrei übernehmen möchten?
Meine erste Liebe hier in der Diözese Speyer war Schifferstadt, dorthin wurde ich nach meiner Zeit im Kapuzinerorden versetzt. Ab 2015 habe ich im Bischöflichen Ordinariat in Speyer gearbeitet und in den fünf Jahren, die ich dort war, auch in den Gemeinden der Pfarrei Heiliger Christophorus ausgeholfen. Ich kannte sie also schon punktuell. Als ich dann 2020 wieder in eine Gemeinde gehen wollte, lag es nahe, mich als Kooperator in der Pfarrei Heiliger Christophorus zu bewerben, denn in dieser Zeit ist mir die Region hier ein Stück weit zur Heimat geworden. Damals hatte ich mir noch nicht recht vorstellen können, eine Pfarrei zu leiten. Jetzt schon, zumal ich ja durch meine Erfahrung hier nicht die sprichwörtliche Katze im Sack kaufe.

Was gefällt Ihnen denn in der Pfarrei?
Die Menschen, die hier leben. Ich bin ein geselliger Mensch, und es ist schön, sich hier einfach zu den Gruppen dazusetzen zu können und willkommen zu sein. Ich habe hier schon viele schöne Taufen erlebt und Hochzeiten von tollen jungen Leuten. Außerdem ist es eine lebendige Region, über die S-Bahn ist vieles erreichbar. Ich würde mir schwertun, irgendwo im Hinterland zu sein, aber ein Stadtpfarrer wäre ich auch nicht gerne.

Und was nervt sie hier?
Dass ich als leitender Pfarrer mehr Zeit für Verwaltung aufbringen muss als für Seelsorge. Ich habe zehn bis zwölf Verwaltungsratssitzungen pro Jahr und nur drei bis vier Pfarreiratssitzungen. Das Verhältnis müsste andersherum sein. Aber das ist kein Problem, das nur diese Pfarrei hat, das liegt am System. Wir haben uns selbst unserer genuinen Arbeitsfelder beraubt. Doch wir müssen für die Menschen da sein, die das wollen. Meine erste Aufgabe ist es, das Reich Gottes unter den Menschen präsent zu halten, nicht mich um die Spülung der Toilette im alten Schwesternhaus oder um einen Mietvertrag kümmern zu müssen.

Wie wollen Sie das denn ändern, Pfarrer scheinen in diesem System gefangen zu sein?
Am liebsten würde ich bei jedem klingeln und guten Tag sagen. Ich stelle mir die Frage, wie wir bestimmte Dinge verschlanken können, um wieder mit Menschen in Beziehung zu treten, wie man die Dinge vom Tisch kriegt, um den Kopf frei zu bekommen. Wenn man den ganzen Tag mit Verwaltung zu tun hatte, ist man abends einfach fertig und braucht seine Ruhe und hat manchmal keine Lust mehr auf Menschen. So gehen im Alltag die menschlichen Kontakte verloren. Aber ich merke, dass ich als Pfarrer bei den Leuten mehr präsent sein muss und das möchte ich ja auch. Da möchte ich an mir arbeiten und die Aufgaben und Anforderungen in eine Ausgewogenheit bringen, von der alle Seiten profitieren. Ich will nicht hören müssen: Der hat eh keine Zeit.

Die Verwaltungsaufgaben sind ja nur ein Problem, Sie sind nach Waldsee in der Coronazeit gekommen. Da war nichts normal. Wie möchten Sie die Menschen, die in dieser Zeit weggeblieben sind, wieder zurückgewinnen?
Ich wünsche mir natürlich schon, dass Menschen wieder ein Stück weit an ihre Kirchengewohnheiten von vor Corona anknüpfen. Das ist zum einen eine Dynamik, die von den Menschen aus kommen muss. Zum anderen versuche ich, durch meine priesterlichen Aufgaben Menschen wieder für die Botschaft Jesu zu gewinnen und dass sie sich entscheiden, für diese Botschaft einzutreten. Viele tun das ja auch nach wie vor. Aber auch hier geht das am besten über Beziehungsarbeit und menschliche Kontakte. Wir sind zwar in erster Linie eine Glaubensgemeinschaft, keine Sympathiegemeinschaft. Wir kommen ja nicht erst mal, weil die Leute so nett sind, aber es kann und sollte Sympathie daraus entstehen.

Was wird sich mit Ihnen als neuem Pfarrer in der Pfarrei St. Christophorus ändern?
Erst mal nicht viel. Es sind gute Strukturen geschaffen worden. Wir möchten weiter da sein für alle von der Wiege bis zur Bahre. Die Zusammenlegung der fünf Orte zu einer großen Pfarrei war Notwendigkeit, keine Liebesheirat. Jeder Ort hat seine eigene Dynamik, und das ist auch gut so. Die Personalsituation wird in Zukunft sicher nicht besser, sondern noch schlechter. Es wird sicher auch auf die Gottesdienstordnung geschaut werden müssen. Wir haben jetzt schon in Ferienzeiten oder beim Ausfall einer der beiden Priester Wortgottesdienste statt Eucharistiefeiern am Wochenende, weil es keine Priester gibt, die man zur Vertretung bekommt. Mir ist wichtig, dass es über die Messfeiern hinaus Orte oder Zeiten der Begegnung gibt. Wie das konkret aussieht, weiß ich noch nicht, aber ich bin zuversichtlich.

Termin

Der Gottesdienst zur Einführung von Pfarrer Ralf Feix findet am Samstag, 12. November, um 15 Uhr in der katholischen Kirche St. Martin in Waldsee statt. Im Anschluss sind ein Umtrunk und ein Imbiss im Pfarrzentrum geplant.

Zur Person

Ralf Feix (46) ist in Blieskastel aufgewachsen. Nach dem Abitur trat er dort in den Kapuzinerorden ein und studierte später in Eichstätt und Rom Theologie. 2006 wurde er in Altötting zum Diakon und 2007 in Eichstätt zum Priester geweiht. Es folgten Einsätze in der Citypastoral in Frankfurt, dann im Schwarzwald. Nach 14 Jahren trat er aus dem Orden aus, um Priester in der Diözese Speyer zu werden. Er war Kaplan in Schifferstadt, von 2015 bis 2020 war er Leiter der Stabstelle „Berufe der Kirche im Bistum Speyer“ und des Ministrantenreferats der Diözese. Ab 2020 war er Kooperator in der Pfarrei Heiliger Christophorus Waldsee.

Pfarrer Ralf Feix: Er war seit 2020 Kooperator der Pfarrei Heiliger Christophorus.
Pfarrer Ralf Feix: Er war seit 2020 Kooperator der Pfarrei Heiliger Christophorus.
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