Rhein-Pfalz Kreis Neue Hinwendung zu Europa

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Michael Pulch aus Grünstadt vertritt seit wenigen Tagen die Europäische Union als Botschafter in Australien. Für die nächsten vier Jahre lebt und arbeitet er in Canberra, der Hauptstadt Australiens.

„Gelegentlich treffen wir beim Fahrradfahren in der Nähe der Residenz auf ein paar Kängurus“, erzählt Michael Pulch. Der 59-Jährige und seine Frau Gabriele, die in Eisenberg aufgewachsen ist, sind fasziniert von ihrem neuen Wohnort. Als Land von der Größe eines Kontinents habe Australien viel zu bieten. Die Großstädte Sydney und Melbourne, aber auch Adelaide und Perth seien längst Kulturzentren geworden, schreibt Pulch in einem E-Mail-Austausch mit der RHEINPFALZ in Grünstadt. Seine Aufgabe als EU-Botschafter sei es, die außenpolitische Zusammenarbeit der EU und ihrer Mitgliedsstaaten und die außenpolitische Vertretung der Europäischen Kommission und anderer europäischer Institutionen zu koordinieren und die europäischen Interessen im Gastland zu vertreten. Die EU-Vertretung in Canberra habe etwa 30 Mitarbeiter: Diese kommen aus Brüssel und den Mitgliedsländern der EU. 25 der 28 EU-Länder seien vor Ort vertreten. Das Aufgabenfeld sei sehr weit gesteckt. „Wir haben einen politischen Dialog zur Sicherheitspolitik im asiatisch-pazifischen Raum, Kooperationen zu globalen Fragen wie Klimaschutz, Terrorismusbekämpfung und Entwicklungshilfe.“ Ein Schwerpunkt seiner Arbeit werden auch die Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen der EU mit Australien sein, das der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, anstrebe, erklärt Pulch. Ein wichtiger Termin ist im November die Teilnahme von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) an der Asiatisch-Pazifischen Regionalkonferenz der deutschen Wirtschaft in Perth. Weitere Aufgaben der EU-Vertretung seien es, Verbindungen in Forschung, Bildung und Kultur zu verstärken. Australiens Topuniversitäten gehörten mittlerweile zur Weltspitze. „Wir unternehmen viele kulturelle Aktivitäten und machen Medienarbeit, um das Europabild hier auf den neuesten Stand zu bringen“, erläutert Pulch einen weiteren Schwerpunkt. Dazu gehörten Sportwettbewerbe wie Drachenbootrennen, Filmfestivals oder Kulturwochen, die seine Behörde in Canberra und in anderen Landesteilen organisiere. Europa werde in Australien hauptsächlich als Ursprungsort verschiedener nationaler Gruppierungen wahrgenommen. „Australien als Immigrationsland hat sehr große Auslandsgemeinden europäischer Abstammung“, erklärt Pulch. Die Sicht auf Europa sei häufig noch geprägt von den Auswirkungen der Finanzkrise 2008 und der Bewältigung des Flüchlingszustroms. Allerdings gebe es wieder eine neue Hinwendung zu Europa: „Der Wirtschaftsaufschwung in der EU, die protektionistische Politik der neuen US-Regierung, die ein ausgehandeltes Freihandelsabkommen für den Pazifikraum zurückgewiesen hat, und ein fordernd auftretendes China haben zum Umdenken geführt.“ Die Australier seien offen und freundlich. Sport habe einen hohen Stellenwert und sei ein Türöffner. „Meine Frau und ich haben uns daher schon in einer Reihe von Sportclubs angemeldet“, erzählt Pulch. zur PErson Michael Pulch (Jahrgang 1958) machte Abitur in Grünstadt. Nach seinem Studium trat er 1986 dem Auswärtigen Dienst bei. Er war in Seoul und Washington tätig und wechselte 1995 zur Europäischen Kommission in Brüssel.

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