Rhein-Pfalz Kreis Neue Bestimmung für alte Post

Mutterstadt. Das historische Postgebäude in der Ludwigshafener Straße 6 wird zu einem Gewerbeobjekt umfunktioniert. Nach dem Willen des Eigentümers, der Melior project GmbH Speyer, sollen Firmen, Rechtsanwaltskanzleien oder Praxen in die sanierte Immobilie einziehen.
Die Melior project GmbH aus Speyer, die Immobilienprojekte plant und betreut, hat das historische Postgebäude vor zweieinhalb Jahren von einem Unternehmen aus Luxemburg gekauft, das historische Postfilialen vermarktet. In Abstimmung mit Kreisverwaltung und dem Kulturdenkmalamt – die ehemalige Post steht seit 1990 unter Denkmalschutz – wurde vor vier Monaten mit der Sanierung begonnen. Das Gebäude ist laut Eigentümer vollständig sanierungsbedürftig. Die Heizungs- und Sanitäranlagen sowie die Elektrotechnik seien bereits komplett erneuert worden, sagt Geschäftsführer Thomas Huber. Doch der Denkmalschutz schreibt vor, dass Außenansicht, Fassade und Charakter der Historischen Post nicht verändert werden. „So, wie sich der Architekt das einst gedacht hat, muss es erhalten bleiben“, sagt Gunther Holzwarth, Büroleiter der Gemeindeverwaltung Mutterstadt. Die Zeit, in der in der Ludwigshafener Straße 6 Briefe sortiert wurden, liegt schon etwas zurück. Im Februar 2012 musste die Postagentur wegen eines Wasserschadens schließen – seither stand das Gebäude leer. Anfang Januar ist nun ein Arzt für Kieferorthopädie in die sanierten Räume eingezogen. Nach dem Willen des neuen Eigentümers soll auch im Obergeschoss Platz für Praxen, Büros oder Rechtsanwaltskanzleien geschaffen werden. Die Vermietung hat die Gewerbeabteilung der Immobilienagentur Engel & Völkers Mannheim übernommen. Der Entwurf für die Umgestaltung stammt vom Architekturbüro Guido Zickgraf aus Kaiserslautern. Wie viel in die Immobilie investiert wurde, will die Melior project GmbH nicht verraten. Die vollständige Umwandlung zu einem Gewerbeobjekt ist ein weiterer Schritt in der durchaus bewegten Geschichte der Immobilie im Zentrum von Mutterstadt. 1927 entschied sich die Deutsche Reichspost, in der Gemeinde das erste eigene Postgebäude im Ortszentrum zu errichten. Mutterstadt hatte damals 6000 Einwohner. Zuvor hatte es nur sogenannte Briefpostexpeditionen gegeben. Diese Diensträume, in denen Zusteller Post sortierten, wurden immer wieder an andere Standorte verlegt. Nach den Plänen des Postbaurats Heinrich Müller entstand ein frei stehender zweigeschossiger Putzbau mit giebelständigem Satteldach an der Ecke zur Schulstraße, der am 1. Februar 1929 in Betrieb genommen wurde. Weil der Stil – eine Kombination aus Bauhausarchitektur und traditioneller Bauweise – für die damalige Zeit ungewohnt war, sollen sich Erzählungen zufolge viele Dorfbewohner damals abfällig über das neue Gebäude geäußert haben. In den 80er-Jahren entschied die Deutsche Post, 775.000 Mark in eine Sanierung zu investieren. Erneuert wurde damals unter anderem der Schalterbereich. Eine Fünf-Zimmer-Wohnung im Obergeschoss wurde aufgelöst und ein Zustellersaal eingerichtet, in dem Briefträger die Post sortierten. Am 15. August 1983 wurde das Gebäude wieder als selbstständiges Postamt genutzt. Am 19. April 2006 kündigte die Deutsche Post AG an, das Postamt wegen Umstrukturierungen aufzulösen. Nach Protesten wurde im Gebäude dann doch wieder eine Postagentur eingerichtet, die im Februar 2012 allerdings wegen eines Wasserschadens geschlossen werden musste. Doch die Mutterstadter bekamen ihre Briefe weiter im Ort los. Die Deutsche Post AG fand eine Lösung. In der Dannstadter Straße 17 an der Ecke Raiffeisenstraße, in den Räumen des ehemaligen Bürogroßhandels Schweigert eröffnete ein neuer Inhaber eine Postagentur. In der Ludwigshafener Straße 6 werden also seit drei Jahren keine Briefe mehr sortiert. Die Reichsadler aus Metall an der Eingangstür erinnern aber bis heute an die Zeit unter der Ägide der Deutschen Reichspost.