Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Neu auf Friedhof: Grabfeld für Sternenkinder

Von den Pfarrern Ralf Feix (rechts) und Thomas Jakubowski gesegnet: der Memoriamgarten für Sternenkinder auf dem Waldseer Friedh
Von den Pfarrern Ralf Feix (rechts) und Thomas Jakubowski gesegnet: der Memoriamgarten für Sternenkinder auf dem Waldseer Friedhof.

Unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit wurde in einer kleinen Andacht im Memoriamgarten des Waldseer Friedhofs ein Grabfeld für still geborene Kinder gesegnet.

„Wir hoffen, dass wir es niemals brauchen“, sagte der Waldseer Beigeordnete Steffen Sternberger-Hahn (SPD), in dessen Geschäftsbereich der Friedhof fällt, bei der Einweihung. Doch die Realität ist leider eine andere. Es passiert immer wieder: Die Schwangerschaft läuft ganz normal, der Geburtstermin rückt näher, das Kinderzimmer ist schon eingerichtet und dann kommt wie der Blitz aus heiterem Himmel die Nachricht, die die Welt eines Paares zusammenbrechen lässt: Das Kind im Mutterleib zeigt keine Lebenszeichen mehr. Die Mutter muss das tote Baby nun zur Welt bringen. Ein still geborenes Kind, ein Sternenkind.

So nennt man Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Bis 2013 waren nur Kinder, die bei der Geburt mehr als 500 Gramm gewogen haben, bestattungspflichtig, Kinder die weniger wogen, wurden nicht als Personen beurkundet, sondern als Fehlgeburten bezeichnet. Juristisch gesehen haben sie nie existiert – ein Schlag ins Gesicht für viele Paare. Inzwischen dürfen Eltern auch ihre sehr früh tot geborenen Kinder beim Standesamt registrieren und bestatten und damit einen Ort für ihre Trauer haben.

Trost für Eltern

Doch wo bestattet man ein Sternenkind? Wenn die Eltern es möchten, kümmern sich die Geburtskliniken darum. Die Urnen werden ein oder zweimal pro Jahr in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Die Sternenkinder können aber auch auf einem Friedhof oder im Friedwald bestattet werden. Auf einigen Friedhöfen gibt es inzwischen Grabfelder für Sternenkinder, doch die Regel ist das nicht.

Steffen Sternberger-Hahn war es ein großes Anliegen, dass es nun auch in Waldsee ein Bestattungsfeld für Sternenkinder gibt. Nicht nur, weil das in seinen Geschäftsbereich fällt, sondern weil er und seine Frau selbst diese schreckliche Erfahrung machen mussten. „Unsere Tochter wäre jetzt gerade eingeschult worden“, erzählt er. „Wir wissen nicht, warum sie kurz vor der Geburt einfach gestorben ist.“ Er weiß, wie sich Eltern fühlen, und er kennt andere Paare, die das ebenfalls durchmachen mussten. Er hofft, dass es für sie in ihrer Trauer ein kleiner Trost ist, wenn sie ihre Kinder hier bestatten können.

Sandstein mit buntem Glasstern

In dem in den Memoriamgarten eingebetteten Grabfeld, das von der Schifferstadter Friedhofsgärtnerei Litz gepflegt wird, können sowohl Sarg- als auch Urnenbestattungen erfolgen. Der Grabstein wurde vom Bildhauer Siegfried Keller aus Harthausen gestaltet. In dem Sandstein ist ein Stern aus buntem Glas eingebettet. „Wenn meine Arbeit dazu beiträgt, dass junge Paare einen Ort für ihre Trauer haben und neuen Mut und Hoffnung finden, bin ich froh, dann habe ich meine Arbeit gut gemacht“, sagte Keller bei der Einweihungsfeier, die vom MGV Concordia musikalisch umrahmt wurde.

Der katholische Pfarrer Ralf Feix und sein protestantischer Kollege Thomas Jakubowski haben das Grabfeld gesegnet. „Sternenkinder sind auch im Himmel, sie haben den Himmel und die Sterne erreicht, bevor sie das Licht der Welt erblickt haben. Ich stelle sie mir vor wie ganz besondere Schutzengel, die uns begleiten“, sagte Jakubowski.

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