Bobenheim-Roxheim
Nestwahl: „Störche sind schon stur“
Herr Berenz, wie wählen Störche ihr Nest aus?
Das ist von Vogel zu Vogel unterschiedlich. Es gibt Störche, die lieber in Bäumen brüten, und solche, die das Hausdach bevorzugen. Man kann per se nicht sagen, nach welchen Kriterien der Vogel das aussucht. Er wählt eben den Ort, den er für gut hält. Die Grundbedürfnisse müssen dort natürlich befriedigt sein. Der Vogel muss etwas zu Fressen und zu trinken finden, damit er dort bleibt. Störche fliegen aber auch gerne mal ein bisschen weiter, um ein gutes Nahrungsangebot zu finden. Das muss nicht unbedingt direkt am Horst sein. Wir haben es schon sehr oft erlebt, dass Störche sich für einen Platz entscheiden, an dem das Nest unmöglich hält und die Zweige immer wieder abrutschen. Wenn sie aber von dem Platz überzeugt sind, dann sitzen die mitunter mehrere Tage oder manchmal über Wochen dort und probieren es immer wieder an dieser einen Stelle. Der Vogel hat sich eben für genau diesen Platz entschieden und ist in seiner Auswahl auch sehr hartnäckig. Störche sind schon stur, was das angeht. Ich kenne Stellen, da sind sie 500 Meter neben der Autobahn. Ein Muster gibt es da nicht wirklich.
Wie kann man eine Nisthilfe noch attraktiver machen?
Auf so eine Nisthilfe beziehungsweise eine Plattform baut man in der Regel ein halb fertiges Nest. Diesen vorgefertigten Kunsthorst kann man dann mit ein bisschen weißer Farbe anspritzen, damit das aussieht, als hätten schon andere Störche darauf gekotet. Früher, als der Storch in der Pfalz noch ausgestorben war oder nur noch in ganz kleinen Restmengen vorkam, hat man die Tiere auch mit ein paar flugunfähigen Bodenstörchen gelockt. Wenn der Storch sieht, dass da andere Artgenossen sind, gefällt ihm das schon mal. Damit zeigt man dem Tier: Da war schon mal einer, und wo schon mal einer war, kann es nicht schlecht sein. Das wäre dann mit großer Wahrscheinlichkeit der erste Dominostein. So ist auch die Urpopulation der Weißstörche in Bobenheim-Roxheim entstanden. Um Störche in Kleinniedesheim wieder anzusiedeln, könnte man neben dem neu errichteten Kunsthorst weitere Neststandorte schaffen. Man kann Bäume so schneiden, dass die Tiere dort die Möglichkeit haben, ein stabiles Nest zu bauen. Oder eine Plattform auf einem Dach anbringen.
Wie lange dauert es für gewöhnlich, bis eine neu errichtete Nisthilfe angenommen wird?
Das können wenige Tagen bis hin zu Jahren sein. Wir hatten schon Nisthilfen, die waren lange ungenutzt, bis sich dann mal einer angesiedelt hat. Andere Dinge werden gleich angenommen. Da kann man keine generelle Aussage treffen. Klar kann man dafür sorgen, dass die Bedingungen an der Nisthilfe optimal sind, aber ansonsten kann man nur warten. Das mit der weißen Farbe könnte man zum Beispiel auch in Kleinniedesheim probieren, aber selbst das ist keine Garantie, da braucht man einfach Geduld. In Bobenheim-Roxheim ist die Storchenpopulation über Jahrzehnte entstanden. Lange Jahre gab es nur ein Paar, dann hat man irgendwann mal ein zweites gehabt, und jetzt sitzen in einer Weide im Vogelpark sogar drei Paare.
Interview: Lea Knies
Zur Person
Rainer Berenz ist 54 Jahre alt und seit mehr als 30 Jahren im Verein für Vogelschutz und Vogelliebhaber 1956 in Bobenheim-Roxheim aktiv. Der Vereinsvorsitzende ist außerdem leidenschaftlicher Hobbyornithologe.