Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Naturwissenschaft in Kitas: „Kinder merken, dass sie was erschaffen haben“

Bienen sind in der Bobenheim-Roxheimer Kita zwar nicht untersucht worden, dafür wurden aber bienenfreundliche Blumen gepfalnzt.
Bienen sind in der Bobenheim-Roxheimer Kita zwar nicht untersucht worden, dafür wurden aber bienenfreundliche Blumen gepfalnzt.

Die Kindertagesstätte Edith Stein ist wiederholt mit der Forscherstationsplakette ausgezeichnet worden. Im Gespräch mit Stefan Heimerl erzählen die Erzieherinnen Sabrina Siciliano und Franziska Ecker, was die Kinder davon haben und warum gerade die Fachkräfte davon profitieren.

Frau Siciliano, Frau Ecker, Sie sind von der Forscherstation Heidelberg mit der Forscherstationsplakette 2023 ausgezeichnet worden. Was hat es damit auf sich?
Siciliano: Wir nehmen seit 2016 an dem Projekt teil und haben seitdem mit Ausnahme des Corona-Jahres 2021 jedes Jahr eine Plakette der Forscherstation erhalten. Das Thema kann man sich immer selbst aussuchen, und im vergangenen Jahr haben wir uns für „Nachhaltige Bildung“ entschieden. Eine Kollegin und ich haben dafür an fünf Pflichtterminen in Heidelberg teilgenommen und Projekte mit den Kindern in der Kita umgesetzt. Uns sind von der Forscherstation auch Aufgaben gestellt worden, etwa ein Experiment zum Schmelzen von Eis umzusetzen.

Ecker: Die Forscherstation dient vor allem uns als Fachkräften als Weiterbildung. Damit angefangen hatten 2016 eine Kollegin und ich. Wir sind Brandschutzbeauftragte und wurden damals in Heidelberg zu diesem Thema geschult. Da ging es dann auch um Anregungen, wie wir das Thema Feuer den Kindern vermitteln können. Seitdem sind wir dabeigeblieben.

Siciliano: Die naturwissenschaftliche Bildung ist einer unserer Kita-Schwerpunkte. Wir führen regelmäßig Experimente in unserer Einrichtung durch. In jeder Gruppe gibt es eine Fachkraft, die ihren Schwerpunkt auf Naturwissenschaften hat, und die Kinder dürfen oft mitentscheiden, was experimentiert wird. Wir haben beispielsweise jedes Jahr einen Forschertag, die vom Haus der kleinen Forscher initiiert werden.

Neben den Pflichtseminaren der Erzieherinnen: Mit welchen Experimenten haben Sie sich die Plakette in der Praxis verdient?
Siciliano: Wir haben Hausaufgaben aufbekommen, deren Umsetzung Pflicht war. Auch über den Pflichtteil hinaus haben wir Projekte mit den Kindern gemacht. So wurde beispielsweise Schokolade selbst hergestellt, um zu zeigen, wie aufwändig der Prozess ist und um zu vermitteln, wie nachhaltig und fair produziert Schokolade sein kann. Anhand von Grasköpfen konnten die Kinder lernen, was Pflanzen zum Wachsen brauchen. Und wir haben bienenfreundliche Samenbomben selbst hergestellt und bei uns in der Kita eingepflanzt.

Ecker: Die Kinder sind täglich hingeflitzt, um zu beobachten, ob dort schon etwas blüht. Und am Ende waren tatsächlich auch Bienen an den Blüten.

Lässt sich im Alltag mit den Kindern erkennen, dass Projekte dieser Art von Nutzen sind?
Siciliano: Wenn ich zum Beispiel an die selbst gebastelten Grasköpfe denke, da merken die Kinder, dass sie selbst etwas erschaffen haben und sind mit Begeisterung dabei, Verantwortung zu übernehmen.

Ecker: Kürzlich hat ein kleines Kind ein Stück Rasen herausgerissen und größere Kinder haben dann darauf hingewiesen, dass man das nicht machen sollte. Allein diese Sensibilität, die die Kinder hier entwickelt haben, finden wir toll. Auch beim Thema Müll. Erst kürzlich hat ein Kind einen Schokoriegel dabeigehabt und sich darüber gewundert, warum dieser doppelt statt einfach eingepackt war. Da merkt man schon, dass das ankommt. Die Kinder fordern auch oft weitere Experimente zu einem Thema ein. Die Großen dürfen außerdem bei Wiederholungen als Experten auftreten und die Fragen der jüngeren Kinder beantworten. Das stärkt die Sozialkompetenz.

Zur Person

Sabrina Siciliano aus Bobenheim-Roxheim ist seit 20 Jahren Erzieherin und seit sieben Jahren Mitarbeiterin der Edith-Stein-Kita. Franziska Ecker, ebenfallls aus Bobenheim-Roxhiem, ist seit 26 Jahren Erzieherin und genauso lange an der Edith-Stein-Kita angestellt.

Zur Sache: Forscherstation Heidelberg

Die Forscherstation Heidelberg ist 2005 auf Initiative der Klaus-Tschira-Stiftung als ein Projekt an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg gegründet worden. Im Jahr 2012 hat die Stiftung des SAP-Mitbegründers Tschira das Hochschulprojekt zu einer selbstständigen Gesellschaft ausgegründet. Die 1995 ins Leben gerufene Stiftung verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, Naturwissenschaften sowie die Disziplinen Mathematik und Informatik zu fördern. Die Forscherstation bietet aus diesem Grund Fortbildungen an, die Angestellte von Krippen, Kindertagesstätten oder auch Grundschulen kostenlos wahrnehmen können. Bereits seit 2007 gibt es dafür Plaketten als Auszeichnungen, die für das erfolgreiche Absolvieren der Fortbildungen verliehen werden. Seit Gründung sind der Gesellschaft zufolge mehr als 1500 Einrichtungen aus der Metropolregion Rhein-Neckar, dem Rhein-Main-Gebiet und dem Raum München ausgezeichnet worden.

Erzieherin Sabrina Siciliano.
Erzieherin Sabrina Siciliano.
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