Römerberg
Naturnahe Kita steckt noch in den Kinderschuhen
Auf dem großzügigen Außengelände der neuen Natur-Kita „Am Tafelsbrunnen“ auf halbem Weg zwischen Berghausen und Speyer herrscht geschäftiges Treiben: Ein Mädchen fährt mit einer kleinen Schubkarre Kastanien durch die Gegend, ein anderes malt konzentriert alleine ein Bild, während ein Junge für seine Kunstwerke die Hilfe einer Erzieherin in Anspruch nimmt und ein weiteres Kind gerade mit dem Dreirad auf dem Gelände unterwegs ist. Eigentlich hätten schon Anfang September die ersten Kinder Leben in die Kita bringen sollen. Doch dann kamen gesundheitliche Probleme bei Leiter Jens-Peter Schneider den Plänen in die Quere. Der 51-Jährige spricht offen darüber, wie schwer es ihn erwischt hat. Anfang August kam er mit einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt und epileptischen Anfällen ins Krankenhaus. „Ich war fünf Wochen aus dem Rennen“, sagt er. Die Folgen sind noch sichtbar: Schneider kann nur ein Augenlid öffnen, und das auch nur ein kleines Stück. Trotzdem wollte der Kita-Leiter unbedingt direkt dabei sein, wenn der erste kommunale Kindergarten in Römerberg an den Start geht, und verzichtete auf eine längere Krankschreibung oder langsame Wiedereingliederung. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit“, sagt er. „Wenn man am Anfang nicht dabei ist, holt man das nicht mehr auf.“
Viele Zweijährige
Derzeit haben Schneider und sein Team den luxuriösen Zustand, sich nur um sieben Kinder kümmern zu müssen. Außer dem Kita-Leiter selbst sind mit Alexandra Hoey, Tanja Schott und Jennifer Schulenburg drei Erzieherinnen auf etwas mehr als zwei Stellen am Tafelsbrunnen tätig. Benjamin Klein, der eine halbe Stelle hat, ist laut Schneider sowohl Reinigungs- und Küchenkraft als auch Erzieher. Eines der Kinder wird außerdem von einer Integrationskraft begleitet. Die Anzahl der Kinder wird in den kommenden Monaten bis auf mindestens 17 ansteigen. Dann wird sich auch die Mischung verschiedener Altersgruppen deutlich verändern. Derzeit besuchen drei Zweijährige und vier ältere Kinder die Einrichtung. Weitere Anmeldungen liegen Schneider fast ausschließlich für Zweijährige vor. Rund 20 Kindern, deren Eltern angefragt haben, kann er derzeit keinen Platz anbieten. Auch aus Speyer und anderen Orten der Umgebung habe es Anfragen für die Kita, die auf Speyerer Gemarkung liegt und deren Räume die Ortsgemeinde von den Stadtwerken angemietet hat, gegeben. Doch der neue Kindergarten bleibt Römerberger Nachwuchs vorbehalten.
Was die neue Einrichtung für Familien attraktiv macht – abgesehen von dem Umstand, dass es endlich überhaupt zusätzliche dringend benötigte Kita-Plätze gibt – ist das Konzept, das Schneider mit seinem Team dort verfolgt. Die Natur-Kita „Am Tafelsbrunnen“ soll eine Art Mischung aus klassischem Kindergarten und Waldkindergarten sein. Heißt: Die Kinder verbringen sehr viel Zeit draußen – nicht nur bei den spätsommerlichen Temperaturen und Sonnenschein wie derzeit, sondern auch bei schlechterer Witterung. „Es kann auch mal nass und dreckig sein“, berichtet Schneider. Jede Woche werden außerdem Ausflüge in die Natur in der Umgebung unternommen. Am Tafelsbrunnen gibt es aber auch einen vollwertigen Innenbereich mit Spielecke, Wickeltisch, Schlafraum, Küche und Sanitäranlagen. „Für jemanden wie mich, der von einem Naturkindergarten kommt, ist das immer noch ungewohnt“, sagt Schneider. Essen – auf Wunsch der Eltern künftig rein vegetarisch – liefert ein Römerberger Caterer. Das Außengelände soll sich noch verändern: Der Kita-Leiter und sein Team wollen es gemeinsam mit den Kindern gestalten und zum Beispiel eine Spielküche aus Europaletten oder eine Rutsche bauen.
Konzept lockt auch Erzieher an
Das naturnahe Konzept hat auch die erfahrenen Erzieherinnen, die sich um die Kinder kümmern, an die Einrichtung gelockt. Jennifer Schulenburg freut sich „etwas Neues mit aufbauen zu dürfen“. Sie hat zuvor in einer sechsgruppigen Kita gearbeitet. „Das ist zu viel“, findet sie und genießt es, derzeit den wenigen Kindern so viel Zeit widmen zu können. Das wird sich freilich ändern, wenn sich die Naturkita füllt. Und erst recht in voraussichtlich zwei Jahren: Dann soll die Einrichtung in der geplanten fünfgruppigen Kita neben der Grundschule in Berghausen aufgehen. Schneider und sein Team wollen so viel wie möglich vom Geist der Naturkita dorthin mitnehmen.