Rhein-Pfalz Kreis Narrenkappe statt Fahrermütze

Zur Fasnacht kam Karlheinz Ungefehr eher indirekt: als Chauffeur seiner Ehefrau Ines, die in den 80er-Jahren mit einer Jonglage
Zur Fasnacht kam Karlheinz Ungefehr eher indirekt: als Chauffeur seiner Ehefrau Ines, die in den 80er-Jahren mit einer Jonglage auftrat.

«Lambsheim.» Er ist seit 30 Jahren in der Fasnacht aktiv, davon 25 Jahre als Präsident des Lambsheimer Karneval-Clubs Schlossnarren. Zur Spaßzunft kam Karlheinz Ungefehr eher indirekt: als Chauffeur seiner Ehefrau Ines, die in den 80er-Jahren als Majorette mit einer Feuerstab-Jonglage auftrat. 1989 tauschte der 58-Jährige die Chauffeursmütze mit der Narrenkappe und engagiert sich seitdem bei den Schlossnarren.

Die waren zu diesem Zeitpunkt gerade dabei, sich von ihrem Mutterverein GMV Volkschor abzuspalten und als eigener Verein zu formieren. Erste Veranstaltungen – damals noch in Gerolsheim – wurden auf die Beine gestellt. Zum Präsidenten gewählt wurde Ungefehr 1994. Seither ist er das Gesicht des mittlerweile 115 Mitglieder starken Vereins. Er ist Mitglied des fünfköpfigen Vorstands und insbesondere für die alljährlichen Kampagnen von 11. November bis Aschermittwoch zuständig. 1960 in Frankenthal geboren, erlebte Ungefehr seine Kindheit und Jugend in Weisenheim am Sand und war dort bei der Landjugend aktiv. „Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr überzeugter Vereinsmeier“, gibt der Narr lachend zu. Ungefehr arbeitet als Operateur bei der BASF und ist der Liebe wegen nach Lambsheim gezogen. Dass Fasnacht machen nur gemeinsam gehe, hat Karlheinz Ungefehr selbst erlebt. Ehefrau Ines managt die Kinder- und Jugendarbeit, und auch Sohn Dennis war zeitweise aktiv im Verein. An die bescheidenen Anfänge mit gerade mal sechs Gardetänzerinnen und einem zaghaften Von-Kampagne-zu-Kampagne-Denken erinnert sich Karlheinz Ungefehr noch genau. Zur Entwicklung des Vereins stellte er Sieben-Jahres-Pläne auf – mit Erfolg. 1997/98 – zum 25-jährigen Vereinsjubiläum – gab es einige Premieren: Gefeiert wurde erstmals in der Jahnhalle, es gab eine Guggemusikgruppe und eine Tollität. Einladungen nach Bonn zu Helmut Kohl ins Kanzleramt und an Rosenmontag zu Kurt Beck nach Mainz folgten. Derart beflügelt habe der Verein die folgenden sieben Jahre in altversilberte Orden mit historischen Motiven investiert, die heute begehrte Sammlerstücke seien. In der Millenniumskampagne im Jahr 2000 gab es zum ersten und einzigen Mal einen Prinzen und neue Vereinsfarben: Die Uniformen wechselten von Rostbraun zu strahlendem Königsblau. 2005/06 sei seine Master-Kampagne gewesen, erinnert sich Ungefehr, der seine Bühnenmoderationen am liebsten frei hält. Damals habe der Verein mit 40 Kindern in den Garden aufgetrumpft, trainiert von Ehefrau Ines. Und da ist da noch die Sache mit den Tollitäten: Prinzessinnenjahre sind bei den Schlossnarren immer Jubiläumsjahre, das tue dem Ehrenamt keinen Abbruch. Nach Tollitäten zum 25., 33., 40. und 44. Vereinsjubiläum sowie einem Kinderprinzenpaar habe man im vorigen Jahr das 1250-jährige Ortsjubiläum zum Anlass genommen für eine Inthronisierung. Und dieses Jahr, zum eigenen 25-Jährigen, „gönnt“ sich Präsident Karlheinz Ungefehr mit Lara I. eine „persönliche Jubiläumsprinzessin“. Für die Zukunft sieht Ungefehr seinen Verein „sehr gut aufgestellt“, besonders in der Tanzsparte. „Bei den Bütten müssen wir noch nachlegen.“ Humor sei ein Stück Lebensqualität, weiß der Fasnachter, doch der unterliege dem Zeitgeist: „Es gibt immer mehr Feierpublikum, das Musik hören und Party machen will.“ Darum haben die Schlossnarren am Konzept geschraubt und ihre Saalfasnacht gleich mehrmals überarbeitet: Es gibt kein Motto mehr, die Seniorensitzung wurde vor Jahren abgelöst vom Familiennachmittag (10. Februar), und die bisherige Prunksitzung am 9. Februar wird erstmals zu einem Hybrid-Format mit kürzerem Bühnenprogramm und anschließender Tanzparty. „Die Leute wollen weniger Redebeiträge und mehr selber feiern“, weiß er. Dafür hat Karlheinz Ungefehr mitsamt seiner Jubiläumsprinzessin die eine oder andere Publikumsüberraschung parat.

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