Speyerer Umland
Nachfrage nach Fahrdienst zum Impfzentrum nicht überall gleich groß
Vor gut einem Jahr ging der Bürgerbus Waldsee an den Start. Doch die Corona-Pandemie machte dem Konzept einen Strich durch die Rechnung. Statt in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen zum Einkaufen zu fahren, transportieren die zwölf Ehrenamtlichen nun Senioren zum Impfzentrum nach Schifferstadt. Zehn Fahrten haben sie schon absolviert, weitere 14 sind terminiert. Michael Popow vom Bürgerbus-Team rechnet, dass der Bedarf noch steigt, wenn mehr Impfstoff geliefert wird. „Es ist schön, wenn man gebraucht wird, wir wollen das ja auch so“, erklärt er. Im Vorfeld habe das Team ein Hygienekonzept erstellt, das zur Orientierung auch an andere Gemeinden weitergeleitet worden sei. Schade sei, dass der Fahrer im Moment keinen Beifahrer mitnehmen dürfe, der sich um den Fahrgast kümmern kann. Denn die Senioren seien schon ein bisschen aufgeregt und die Verständigung sei aufgrund der Masken und der Trennscheibe zwischen Fahrersitz und Rückbänken schwieriger. Die Impflinge selbst dürfen eine Begleitperson aus dem eigenen Haushalt dabeihaben und der Bürgerbus-Fahrer darf den Fahrgast bis an das Impfzentrum begleiten und auch dort wieder in Empfang nehmen. „Die Senioren brauchen sich bei uns um nichts kümmern“, sagt Popow.
In Otterstadt bietet der Seniorenbeirat unter Organisation der stellvertretenden Vorsitzenden Hildegard Gantner gleich in mehreren Bereichen ehrenamtlich Hilfe an: Bisher seien für drei Senioren über das Internet Termine für das Impfzentrum in Schifferstadt vereinbart worden – und das bereits Mitte Januar und Anfang Februar. Bisher hätten die drei Bürger, die alle über 80 Jahre alt seien, noch keinen Termin erhalten, sagt Hildegard Gantner, die den ganzen Prozess als „sehr schleppend“ bezeichnet. Den Fahrdienst ins Impfzentrum haben bislang zwei Über-80-Jährige in Anspruch genommen. „Damals hat Schnee gelegen und die beiden haben sich nicht getraut, mit dem eigenen Auto zu fahren“, sagt die 72-Jährige. Als Fahrer stünden sechs bis acht Personen – nicht nur Mitglieder des Seniorenbeirats – zur Verfügung. Außer der Hilfe bei der Terminvereinbarung und dem Fahrdienst gibts von Gantner und ihrem Team auch einen Einkaufsdienst. Während es zu Beginn der Pandemie dafür noch viele Anfragen gab, sei die Resonanz nun sehr gering. Gantner erklärt sich das so, dass die älteren Otterstadter noch gerne in den Ottermarkt im Dorf gingen, weil sie dort andere Menschen treffen, oder Verwandte beziehungsweise Nachbarn hätten, die für sie Besorgungen machten. „Es ist schade drum, wir würden gerne unterstützen“, sagt die 72-Jährige, die sich gemeinsam mit ihrem Mann Günter noch solange einbringen will wie sie kann.
„Wir stehen in den Startlöchern“, sagt Reimund Gebhard. Anfragen nach einer Fahrt ins Schifferstadter Impfzentrum waren bei dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats in Dudenhofen bis Donnerstag aber noch keine aufgelaufen. „Dafür haben wir ganz viele Anfragen, was die Anmeldung für die Impftermine betrifft“, ergänzt er. Für schätzungsweise 20 Bürger habe der Seniorenbeirat online die Anmeldung vorgenommen, nachdem mit den Senioren am Telefon der Fragebogen durchgegangen worden sei. Andere Fragen betrafen zum Beispiel die Möglichkeit, sich gemeinsam mit dem Ehepartner impfen zu lassen oder das Speyerer statt das Schifferstadter Impfzentrum zu besuchen. Viele Themen seien von offizieller Seite nicht so kommuniziert worden wie bei solch wichtigen Angelegenheiten nötig, findet Gebhard.
In Hanhofen soll am Dienstag die erste Fahrt mit dem Bürgerbus nach Schifferstadt stattfinden. „Wir sind seit vier Wochen einsatzbereit“, sagt Ortsbeigeordneter Bernhard Steigleider (SPD), der den Fahrdienst für Hanhofen organisiert. Doch wie anderswo auch, hätten viele Senioren noch keine Impftermine bekommen. Zwei Anfragen, den Fahrdienst in Anspruch zu nehmen, hat Steigleider in den vergangenen Tagen bekommen. Die fünf ehrenamtlichen Helfer – plus zwei auf Abruf – stünden für alle möglichen Impftermine bereit. „Wir haben Schichten verteilt und die ganze Woche abgedeckt“, sagt Steigleider. Den Hanhofener Bürgerbus können auch Harthausener in Anspruch nehmen, da dort kein eigener Bus zur Verfügung steht. Doch bei Cornelia Knebl, die im Nachbarort für die Vermittlung der Fahrt-Termine zuständig ist, waren bis Donnerstag noch keine Anfragen aufgelaufen. Andere Fragen rund ums Thema Corona und Impfen hingegen schon: „Manche dachten, sie kriegen bei mir einen Impftermin“, berichtet sie. Da sei sie freilich machtlos. „Anderen konnte ich dagegen weiterhelfen oder sie ein bisschen trösten“, sagt Knebl.
Die erste Fahrt ins Impfzentrum hat der Bürgerbus in Römerberg am Freitag unternommen. Fahrgast war eine Seniorin aus Heiligenstein. „Das hat super geklappt. Die Dame war nach zirka 40 Minuten fertig und konnte wieder nach Hause gefahren werden“, berichtet Ortsbeigeordnete Simone Hoffner (Grüne). Die nächste Fahrt finde am Dienstag statt. Außerdem seien am Freitag zwei Impflinge aus Berghausen für den Bus vermittelt worden. Gehbehinderungen oder fehlende Kontakte bei Zugezogenen seien Gründe, warum Menschen um Hilfe bitten. Für den Bürgerbus gebe es aktuell vier Fahrer, die Transporte zum Impfzentrum übernehmen könnten. Die Absprache laufe per Whatsapp-Gruppe. Weitere Helfer wären theoretisch dazu bereit, litten aber selbst unter chronischen Krankheiten und seien noch nicht geimpft.
„Wir würden die Leute gerne dutzendweise ins Impfzentrum fahren“, sagt Andreas Ruhnke, der die Hilfsaktion des FV Berghausen „FVB hilft“ organisiert. Aber auch in Römerberg haben viele ältere Menschen schlicht noch keinen Impftermin bekommen. Rund 90 Helfer stünden für Fahrdienste bereit – derzeit noch mit privaten Pkw, bald soll aber ein VW-Bus angeschafft werden. An Arbeit mangelt es den ehrenamtlichen Helfern laut Ruhnke aber trotzdem nicht. „Wir sind in allen möglichen anderen Bereichen schwer beschäftigt“, sagt er.
In Schwegenheim hatte sich die ortsansässige Fahrschule Silbernagel Mitte Januar während des Lockdowns bereit erklärt, Menschen gegen eine kleine Spende zum Impfzentrum nach Wörth zu fahren. Allerdings hat es laut Marco Silbernagel keinerlei Anfragen gegeben, was seiner Meinung nach mit dem Mangel an Impfstoff und folglich Impfterminen zusammenhing. Seit 1. März darf Silbernagel wieder Fahrstunden anbieten, den Fahrdienst kann er deshalb künftig nicht mehr in dem Umfang anbieten wie bisher. „Im Lockdown hätte ich die Zeit gehabt“, sagt er. Wenn es terminlich passe, sei er aber weiter bereit, Menschen ins Impfzentrum zu fahren.
Der Bürgerverein der Verbandsgemeinde Lingenfeld bietet kostenlose Fahrten in die Impfzentren in der Südpfalz an und hat nach Angaben von Werner Brodback schon mehrere Senioren gefahren. Laut Bürgervereinsvorsitzendem Erwin Leuthner wurde extra für diesen Zweck eine Einstiegshilfe in den Bus eingebaut, die von Senioren bereits „erfolgreich“ genutzt worden sei. Das Angebot richtet sich an alle Bürger der Verbandsgemeinde, die einen Impftermin erhalten haben. Hilfe bei der Vereinbarung bietet Dominique Stecker von der Verbandsgemeindeverwaltung. Sie nimmt auch die Anmeldung für die Fahrten entgegen. Laut Brodback haben sich die Sportvereine TSV und HSV bereit erklärt, auch ihre Busse für Fahrten zur Verfügung zu stellen, wenn der Bürgerbus nicht ausreicht.
Kontakt
- Waldsee: 0163 7735919 (erreichbar unter der Woche von 14 bis 16 Uhr)
- Otterstadt: 0159 04303009
- Dudenhofen: 0176 43060692
- Hanhofen: 0175 2687311
- Harthausen: 06344 1210
- Römerberg: 0174 5951641
- VG Lingenfeld: 06344 509233 (erreichbar unter der Woche von 8 bis 12 Uhr).