Rhein-Pfalz Kreis Nachfolger der Gendarmeriestation

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Schifferstadt

. Auf alten Aufnahmen sieht man die Unterschiede. Das ursprüngliche Gebäude vor 40 Jahren war kleiner als der Bau heute. Auf dem Flachdach verkündeten riesige Buchstaben, dass hier die „Polizei“ residiert. Das Areal um den Neubau lag damals brach. Die Drachenwiese, um genau zu sein. „Das war früher unser Abenteuerspielplatz“, erzählt Kai Giertzsch. Der stellvertretende Leiter der Schifferstadter Polizeiinspektion (PI) kommt aus der Stadt. Zum Eingang führte vor 40 Jahren eine Treppe nach oben. Links neben der Polizeiinspektion war ein Landeplatz für den Polizeihubschrauber. „Allerdings war hier kein Hubschrauber stationiert“, erläutert Uwe Stein, der Leiter der Inspektion. Spatenstich für die neue Heimat der Polizisten war am 24. Oktober 1973. Das Flachdach hat mittlerweile einem Giebeldach Platz gemacht. Der „Polizei“-Schriftzug ist weg. Wer heute in das Gebäude will, muss nicht mehr die Treppe nach oben gehen. Ein paar Stufen führen jetzt hinunter zur Eingangstür. Der Landeplatz für den Hubschrauber ist in den 1990er-Jahren verschwunden. Der Komplex ist insgesamt größer geworden. Und auch die Drachenwiese ist weg. Supermärkte hat es hier ebenso hingezogen wie Familien. Nein, für die Polizei war Schifferstadt kein Neuland. Die Beamten waren vorher in der Gendarmeriestation Ecke Mannheimer Straße/Kirchenstraße untergebracht. Bis der Neubau fertig war, mussten die Polizisten, die damals noch in den Farben Dunkel- und Lindgrün ihren Dienst taten, kurzzeitig nach Mutterstadt ausweichen. Die Optik der Uniformen hat sich mittlerweile über Bambus/Dunkelgrün hin zu Hell- und Dunkelblau weiterentwickelt. Einer, der in der ersten Nacht Dienst hatte, war Heinz Itschert. Was der erste Anrufer wollte, daran kann sich der heute 70-Jährige nicht mehr erinnern. Er weiß noch: „Es war eine turbulente Nacht. Hunderte neuer Knöpfe, all das neue Material.“ Die frisch installierte Technik hatte auch ihre Tücken: „Wir konnten nur Ortsgespräche annehmen. Anrufe mussten per Funk über Mutterstadt weitergeleitet werden.“ Frauen seien damals noch nicht zum Dienst zugelassen gewesen, erzählt Itschert. In den Amtsstuben vernahm man deutlich das Klappern der Schreibmaschinen. Es durfte noch geraucht werden. „Irgendwann habe ich das erste Nichtraucherzimmer eingeführt“, berichtet Itschert. Dienstherr sei 1974 der Landrat gewesen. „Erst seit 1993 gehören wir zu dem damals neu geschaffenen Polizeipräsidium Rheinpfalz“, sagt Itschert, der von 1968 bis 2007 in Schifferstadt Dienst tat. 26 Jahre lang war er Bezirksbeamter für Mutterstadt und Limburgerhof. Heute sind im Schifferstadter Waldspitzweg die Zentrale Verkehrsdienste sowie die Inspektion untergebracht. Etwa 90 Menschen arbeiten bei der Polizeiinspektion, sagt Uwe Stein – Hausmeister und Sekretärinnen eingeschlossen. Die Beamten der PI fahren Streife und sind laut Uwe Stein zuständig für Fälle, die in die Kategorien einfache und mittlere Kriminalität fallen. „Wir sind zentraler Ansprechpartner für die Bürger in unserem Dienstbezirk“, sagt Stein. Einfache Kriminalität, darunter fallen zum Beispiel Diebstähle, Beleidigungen oder Sachbeschädigungen. Zur Kategorie „mittlere Kriminalität“ gehören unter anderem Körperverletzung, Gewalt in engen sozialen Beziehungen, Stalking und Betrug. Rund 4000 Delikte fallen pro Jahr an, erzählt der Leiter der Schifferstadter PI. Dazu kommen noch rund 2000 Verkehrsunfälle – vom Rempler beim Ausparken bis zum tödlichen Unfall –, zu denen die Beamten gerufen werden. „Und 85 Prozent der Straftaten, die bei uns auflaufen, bearbeiten wir auch zu Ende“, sagt Stein. Die Aufklärungsquote liege bei rund 55 Prozent. Das sei unter dem Landesschnitt, sagt Kai Giertzsch. Aber dafür gebe es Gründe. Zum einen die hohe Anzahl an Fahrraddiebstählen. Die geografischen Gegebenheiten seien hier anders als im Westerwald. „Es gibt hier schlicht mehr Fahrräder als dort.“ Zum anderen liege das Gebiet, für das die Beamten zuständig seien, sehr verkehrsgünstig. Stichwort: Autobahnanschluss. Das mache es schwer, wenn es zum Beispiel an die Aufklärung von Einbrüchen gehe. „In der Regel sind die Täter gleich weg“, sagt Giertzsch. Auch das Internet mit den sozialen Netzwerken spielt eine immer größere Rolle, wenn es um Straftaten geht – sowohl bei der Ausübung als auch bei der Lösung. Bei Online-Auktionen zum Beispiel tummelt sich der eine oder andere Betrüger. Der Zuständigkeitsbereich der PI umfasst die Verbandsgemeinde Waldsee (ohne die Ortsgemeinde Otterstadt), Limburgerhof, Mutterstadt, die Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim, Böhl-Iggelheim, Schifferstadt – insgesamt rund 86.500 Leute. Dazu kommt noch das Campinggebiet Auf der Au zwischen Altrip und Waldsee. Das dürfe man nicht unterschätzen, sagen Stein und Giertzsch unisono. „Das sind im Sommer Tausende Leute, die noch dazu kommen“, sagt Stein. Bei den Einsätzen bietet sich „alles, was sonst auch denkbar ist. Das ist wie ein kleines Dorf.“ Weshalb die PI inzwischen auch zwei Sachbearbeiter hat, die sich um alle Vorfälle rund um das Campinggebiet kümmern.

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