Römerberg
Musikverein Berghausen: Das ist der Stand der Dinge nach dem Einbruch
Die Schäden sind enorm: Mit einem hydraulischen Spezialwerkzeug müssen die Einbrecher die Tür aus ihrer Verankerung gebrochen haben. Als sie im Vereinsheim waren, ging es nicht gerade zimperlich weiter: Schränke wurden durchsucht und eine Geldkassette aufgebrochen – obwohl deren Schlüssel steckte. Nicht das einzig Kuriose an dem Einbruch. Denn: Geklaut wurden ausschließlich Blasinstrumente, Trompeten, Hörner, Posaunen, Klarinetten, Querflöten.
„Ich dachte, ich habe in zehn Jahren als Vorsitzender jetzt alles erlebt“, sagt Martin Sternberger. Sogar durch die Corona-Zeit sei man irgendwie durchgekommen. Jetzt das. „Alles Blasinstrumente. Das glaubt man doch nicht.“
Neben Schulinstrumenten für die Vereinsjugend sind auch private Instrumente weggekommen. Solche mit Bedeutung für die Eigentümer, Instrumente mit Geschichte. Sternberger vermisst unter anderem ein Horn, das er gern gespielt hat. „Das erkenne ich jederzeit wieder“, sagt er. Ähnlich geht es Vereinsfreunden und auch seiner Tochter, der unter anderem ein Flügelhorn fehlt.
Kannten sich die Täter aus?
Sternberger zeigt den Weg, den die Einbrecher genommen hatten. In einen Zaun hatten sie säuberlich ein Loch geschnitten, waren dann ums Haus herumgegangen bis zur Hintertür. Die sei zwar mit mehreren Schlössern und fünf massiven Riegeln gesichert gewesen. „Aber die wollten hier rein“, sagt Sternberger.
Mit einem sogenannten Spreizwerkzeug brachen sie die Tür so weit auf, dass die massiven Bolzen aus der Verankerung sprangen. „Drinnen scheinen sie sich Zeit genommen zu haben“, sagt Sternberger resigniert.
Spuren von Einbruchsversuchen habe es vorher schon gegeben. Aber mit den massiven Schlössern wähnte man sich sicher. Als reihum Vereinsheime aufgebrochen wurden, habe man diskutiert, Kameras zu installieren. Aber was hätte es gebracht? Alle Fenster und Türen hatten schon massive Gitter. Abgesehen davon, dass es ein technisches Problem gibt: Das Vereinsheim hätte erst ans Internet angeschlossen werden müssen.
Das nächste Vereinsfest muss geklärt werden
Katzenjammer? Ein bisschen, gibt Sternberger zu. Immerhin hätten die Polizisten die Sicherung der Türen und Fenster gelobt. Die Versicherung sei bereits informiert, Rechnungen für die Instrumente würden noch herausgesucht, dann geht es an die Reparaturen. Ein Heidendurcheinander. Zwischendurch beginnt das Grübeln: „Die kannten sich aus. Und da denkt man ... waren die schonmal hier? Bei einem unserer Feste?“
Überhaupt: Am 3. Februar findet das Forellenessen beim Verein statt. Wie das gehen kann, mit der jetzt verrammelten Tür, müsse auch noch geklärt werden. „Das wäre ein ziemlicher Schlag, wenn wir das absagen müssten“, sagt Sternberger.
Aber: Unterkriegen lässt man sich beim MV Berghausen nicht. „Wir haben am Dienstag geprobt“, so Sternberger fast trotzig. „Wir haben viel Rückhalt bekommen, auch von Musikern von anderen Vereinen.“ Aus Mechtersheim und sogar aus Neulußheim wurden Instrumente ausgeliehen, damit der Nachwuchs weiter proben kann. Immerhin: Von 170 Mitgliedern sind 52 Aktive beim MV Berghausen, allein im großen Orchester spielen sechs Jugendliche mit. „Mit der Bläserklasse, die jetzt neu startet, weiß ich noch nicht, wie es weitergeht“, sagt Sternberger betrübt. Zehn Schüler werden an der Grundschule unterrichtet.
Was meint er, was mit den gestohlenen Instrumenten passiert? „Buntmetall kann ich mir nicht vorstellen“, so Sternberger. Er und andere des Vereins schauen viel bei Ebay und anderen Vertriebswegen für gebrauchte Instrumente. Und wenn er sein Horn dort findet? Kaufen oder anzeigen? Das wisse er nicht, sagt Sternberger. Hauptsache, er bekommt es wieder.