Lesesommer-Tipp
Moritz Klose mag einen Kinderbuch-Klassiker
„Die Geschichte wird technisch. Ich kann’s nicht ändern. Aber so technisch, dass keiner sie verstehen kann, wird die Geschichte nun auch wieder nicht.“ Schon viele Kindergenerationen sind mit diesen Zeilen in Boy Lorsens Kinderbuch-Klassiker „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ eingestiegen und mit den drei Protagonisten auf eine faszinierende Reise mit spannenden Stationen bis zum Nordpol gegangen.
Das „Fliewatüüt“, ein eiförmiges, himbeersaftbetriebenes Flugobjekt mit Luftschraube, drei Rädern, einer Dampferschraube und zwei wasserdichten Türen ist dabei sozusagen die dritte Hauptperson. Neben seinem Erfinder, dem Drittklässler Tobias, genannt Tobbi, sowie Roboter ROB 344-66/IIIa, genannt Robbi. Der ist Drittklässler der Robotschule und muss Prüfungen ablegen. „Das ,Flie’ steht für Fliegen, das ,wa’ für Wasser und das ,tüüt’ für Auto, weil das ja hupt“, erklärt Moritz. Der Grund, warum er sich die 1967 im Thienemann-Verlag erstmals erschiene Abenteuergeschichte ausgesucht hat, leuchtet ein. „Mir gefällt, dass sich der Autor vorstellen konnte, wie so etwas aussehen kann, sich überhaupt so etwas ausgedacht hat“, kommt die Antwort. „Und mir gefallen die Zeichnungen.“
Imponiert hat ihm bei der Bewältigung der Roboter-Prüfungsaufgaben durch Tobbi und seinen Roboterfreund Robbi auch der Mut der beiden. Sie haben nicht einmal vor dem Seeungeheuer Nessie Angst, als sie im Loch Ness notlanden müssen. Die ersten beiden Aufträge haben sie gelöst: einen gelb-schwarz-geringelten Leuchtturm zu suchen und dessen Treppenstufen zu zählen, sowie herauszufinden, wer am Nordpol steht und mit „Z“ anfängt. Dort bekommen sie für die dritte Aufgabe, eine dreieckige Burg mit dreieckigen Türmen zu suchen und ihr Geheimnis zu ergründen, einen Hinweis: Die sonderbarsten Burgen gebe es in Schottland. Also fliegen sie nach einer hilfreichen Begegnung mit einer Graugans direkt dorthin. Die 65 Meter lange und 54 Meter hohe Nessie verrät ihnen den Namen der gesuchten Burg: Plumpudding Castle.
Ebenda angekommen lernen die beiden Abenteurer die Maus Polly kennen, und ihnen erscheint das Schlossgespenst Ghosty. Obwohl Ghosty ihnen nicht wirklich weiterhelfen kann, gehört der Geist zu Moritz’ Lieblingscharakteren aus dem Buch. „Das macht es ein bisschen gruselig“, verrät er, aber natürlich nicht, ob und wie die Geheimnisse der Geisterburg gelöst werden.
Der Viertklässler mag auch andere Action- und Abenteuergeschichten, am liebsten ist ihm eine Mischung aus verschiedenen Genres. Mit dem anfangs erwähnten Technikverständnis hat er keine Probleme. „Meine Lehrerin sagt, dass ich mich mit der Digitaltafel besser auskenne als sie“, plaudert er ein wenig aus dem Nähkästchen. Daher werde er auch von ihr „der Techniker“ genannt.
Bei sich zu Hause will er schon seit Langem einen Raum vom Keller ausräumen und dort eine Werkstatt einrichten. „Um Sachen zu reparieren und auch zu bauen“, erläutert er seine Absicht. Die Idee für eine eigene Erfindung hat er auch schon: einen Stift zu konstruieren, der unter Wasser schreiben kann. Außerdem liebt er es, mit seinem Bruder Lukas (13) und seinen zwei Cousinen „Café Venezia“ zu spielen. Sie kredenzen ihren „Gästen“ selbstgemachte Köstlichkeiten wie die „Obstüberraschung“ und haben schon ein hübsches Taschengeld verdient. Oder die vier mimen eine Hexenschule.
Trotz weiterer Hobbys wie Handball, Chor, Klavier und im Winter das Skifahren kommt bei Moritz das Lesen nicht zu kurz. „Jeden Abend im Bett“, berichtet er. Gelesen wird aber auch im Lieblingssessel zwischen Ess- und Wohnzimmer oder in der Hängematte im Garten. In den Urlaub müssen auch Bücher mit. „Mama hat gesagt, fünf sind zu viele, aber dann habe ich doch vier gelesen“, betont er.
Seine Mama Carolin war es aber auch, die ihn auf die Idee zu seinem eigenen Buch gebracht hat. Als er sich abends in der Bar auf Sardinien langweilte und das Meer rauschte, schlug sie ihm vor, doch etwas über einen kleinen Fisch zu schreiben. Gesagt, getan. Noch als Kindergartenkind machte er einen ersten Entwurf von „Hoho und Zarako“, eine Geschichte mit zehn Kapiteln, die er vor Kurzem fertiggestellt hat. Fisch Hoho ist mit einem Unterwasserkaiser befreundet, der wiederum einen anderen Fisch, Zarako, als Unterstützer hat. Dieser jedoch wird böse und verschwindet. „Wird Hoho es schaffen, Zarako wieder auf die gute Seite zu ziehen?“, lautet die Frage im Trailer seines Erstlingswerks, dem noch ein zweiter und dritter Band folgen sollen.
Vielleicht lassen sich die Werke des Jung-Autoren ja bald in der Gemeindebibliothek ausleihen. Birgit Bauer würde es begrüßen. Moritz ist nicht nur dort gerne, er hat auch daheim eine Bibliothek eingerichtet. Mit einer Bücherei-App verwaltet er seine 211 Jugend- und Kinderbücher, die Erfassung der Elternbücher steht noch an. Vorbild war Papa Jürgen, der früher seine Bücher per Hand mit einem Bibliotheksstempel versehen hat. Moritz nimmt dafür sein Handy, scannt die Titel ein und verleiht sie an Familie, Freunde und Nachbarn.
Lesezeichen
„Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ von Boy Lornsen, Thienemann-Verlag, 256 Seiten, ab acht Jahre.