Auf eine Bratwurst mit ... RHEINPFALZ Plus Artikel Moni Poignée und Monji El Beji – Patrioten fürs Pfalzgefühl

Moni Poignée und Monji El Beji haben die gleiche Mission: die Kerwe-Tradition erhalten.
Moni Poignée und Monji El Beji haben die gleiche Mission: die Kerwe-Tradition erhalten.

Ein ungleiches Paar auf der Mutterstadter Kerwe verbindet das Engagement, das Kulturgut „Kerwe“ weiterleben zu lassen. Auch wenn es schwieriger wird. 

Moni Poignée gesteht gleich zu Beginn ihren „Migrationshintergrund“: „Ich bin Hessin, die einen Pfälzer geheiratet hat“, sagt sie. Und: „Ich wohne zwar in Limburgerhof, lebe aber in Mutterstadt.“ Das wirft Fragen auf. Früher habe sie in Mutterstadt gelebt – und sich beim Carnevalverein „Geeßtreiwer“ engagiert. Denn: „Ich bin seit 55 Jahren Fasnachterin!“ So sehr, dass sie mittlerweile die oberste Geeßtreiwerin ist. Der Wohnort wechselt, das Heimatgefühl nicht. Sie blieb vor allem dem Mutterstadter Vereinsleben treu, etwa der Kerwegemeinschaft, der 13 Vereine angehören. Dort sei sie vor mehr als 40 Jahren so „reingerutscht“ – erst als Mitläuferin, heute ist sie Sprecherin der Kerwegemeinschaft. Ein Amt, das Poignée das ganze Jahr über beschäftigt. Denn: „Nach der Kerwe ist vor der Kerwe“, sagt sie. Und während der Kerwe herrscht Ausnahmezustand im Leben der 76-Jährigen. Dann belegt sie im Rathaus ein Büro und am Festzelt steht ein Wohnwagen. Der ist ihre „Kommandozentrale“ und hat sogar eine Dusche und ein Bett, damit sie auch mal ein bisschen „durchschnaufen“ kann, ohne dafür extra nach Limburgerhof fahren zu müssen.

Als Hessin kannte sie die Tradition der Dorfkerwe bereits, doch in ihrer alten Heimat werde diese nicht so exzessiv gefeiert wie in der Pfalz. Vor ihrer Pensionierung war Moni Poignée Krankenschwester – heute ist sie die gute Seele der Mutterstadter Zelt-Kerwe. Zwei Jobs, die sich durchaus ähneln. Sie kümmert sich um Menschen, organisiert, besorgt und hilft bei Problemchen oder Problemen. Und: Es sind beides 24-Stunden-Jobs.

Immer weniger Helfer

An dieser Stelle kränkelt es seit einigen Jahren, sagt die Seniorin. Nur noch wenige Ehrenamtliche seien bereit, diese Verantwortung zu übernehmen. Dabei sei früher der Aufwand noch größer gewesen: Bis morgens 4 Uhr sei die Bar geöffnet gewesen. „Aber am nächsten Morgen standen wir wieder bereit“, erzählt sie. „Damals ist auch noch der Bürgermeister zu Beginn des Festes mit der Kutsche abgeholt worden, und es gab einen Straßenumzug“, erinnert sich Moni Poignée. Es sei gut, dass sich das Kerwegeschehen mit der Zeit ändert. Nur würde sie es sehr bedauern, wenn Angebote zurückgefahren werden müssten, weil immer weniger Leute helfen wollen.

Monji El Beji stimmt ihr zu. Auch er kennt das Problem aus seinem Heimatort Fußgönheim. „Das mit der Kerwe und mit der Mundart ist ähnlich. Es reduziert sich. Das Interesse ist zwar bei den Jungen da, aber sie wollen nicht mitorganisieren.“ Er kämpft auf seine Weise dagegen an: mit seinem Mundart-Rock. Der 49-Jährige ist der Frontsänger der Bands Fine R.I.P. und Woifeschdkänich, die auf Weinfesten und Kerwen für Stimmung und das Pfälzer Wir-Gefühl sorgen. Und nicht nur das: Er ist derzeit auch der Markenbotschafter der Pfälzer Grumbeere. Zudem reist er durch die „Pälzer Lande“, um mit Regisseur Benjamin Wagener für den Film „Hiwwe wie Driwwe 2“, in dem er der Hauptdarsteller ist, fleißig zu werben. In dieser Mission war er auch in Mutterstadt, wo während der Kerwe Teil eins und zwei des Streifens gezeigt wurden.

Spaß mit fünf Mark

Natürlich sei das nicht Monji El Bejis erster Besuch auf der Mutterstadter Zeltkerwe gewesen, erzählt er, schließlich sei er als Pfälzer „Woifeschd- und Kerwe-sozialisiert“. Und als Oggersheimer und zugezogener Fußgönheimer zieht es ihn seit Jahren auch ins Nachbardorf. „Mutterstadt feiert ja eine der größeren Kerwen im Umkreis.“ Er hat hier auch schon mit seiner Band Fine R.I.P. gespielt. Zudem seien seine Eltern vor 15 Jahren nach Mutterstadt gezogen, seine Kinder spielen Handball in der Spielgemeinschaft HSG Mutterstadt/Ruchheim. Kurz: Man trifft ihn des Öfteren hier.

Auch seine Kinder wurden von klein auf in die Kerwetradition eingeführt, so wie er von seinen Eltern. „Ich kann mich sehr gut an meine erste Kerwe in Oggersheim auf dem Schillerplatz erinnern. Ich weiß noch genau, wo die Boxautos standen. Und natürlich der Süßigkeitenstand“, sagt El Beji und lacht. Ein Highlight sei die Himalaya-Bahn gewesen, mit der ging es rasant rauf und runter. „Oh, die hat auch in Mutterstadt schon gestanden“, erinnert sich Moni Poignée. Mit fünf Mark Kerwe-Geld habe Monji El Beji als Jungspund viel Spaß auf der Kerwe gehabt. Und: „Auch meine Kinder bekommen Kerwe-Geld, aber heutzutage muss ich ein paar Mark mehr springen lassen“, sagt er und lacht.

Beide wünschen sich, dass es noch sehr lange die Dorfkerwen gibt: Sie seien für das Zusammengehörigkeitsgefühl so wichtig. „Hier trifft man die Menschen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Hier finden Klassentreffen statt oder gehen Kollegen zusammen Mittagessen“, erzählt Moni Poignée. Ach, was wäre das Leben ohne Kerwe? „Nicht lebenswert“, sagen beide unisono.

Die Serie

Was wäre das Leben auf dem Land ohne ein Dorffest wie die Kerwe? Die Feste haben eine lange Tradition und sind Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Gemeinde. Was die Kerwe für Menschen aus dem Ort bedeutet, welche Erinnerung sie daran haben, das erzählen sie in der Serie „Auf eine Bratwurst mit ...“

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