Rhein-Pfalz Kreis „Mitarbeiter brauchen Wertschätzung“
Sehr gut. Ich freue mich auf die Zukunft, denn ich betrachte das nicht als Einstieg in den Ausstieg, sondern als Einstieg in eine neue Phase. Ich sage immer scherzhaft: Jetzt habe ich die Pflicht des Lebens hinter mir, nun folgt die Kür. Ich habe jetzt die Freiheit, großteils über meine eigene Zeit zu bestimmen. Ich bin neugierig, voller Ideen und voller Tatendrang. Ich habe schon einige Sachen in der Pipeline und noch so manchen Traum. Ein Traum führt Sie am 16. September nach Paris, wo Sie beim Inliner-Marathon starten wollen. Wie kam’s dazu? Paris ist an diesem Tag autofreie Stadt, 3000 bis 4000 Inliner werden dann unterwegs sein. Ich bin als Kind schon auf Roll- und Schlittschuhen gelaufen – vor zehn, 15 Jahren habe ich das wieder für mich entdeckt. Seit dieser Zeit fahre ich jede Woche mit Freunden. Als ich im Vorjahr durch meinen ältesten Sohn, der früher mal in Paris gelebt hat, mitbekommen habe, dass dort ein Inliner-Marathon stattfindet, habe ich gewusst: Da muss ich mal hin. Das reizt mich einfach. Ich weiß ja nicht, wie lange ich mir solche Belastungen noch zumuten kann. Gibt’s noch andere Träume, die Sie verwirklichen wollen? Ich bin ein Fan individueller Elektromobilität. Ich habe beispielsweise einen Segway. Und kürzlich habe ich mir ein elektronisches Einrad gekauft. Woher kommt die Affinität zur E-Mobilität? Ich bin einfach offen für Neues. Ich habe schon vor acht, neun Jahren erste Segway-Touren gemacht. Mich hat begeistert, dass man auf zwei Rädern stehen kann und das Ding nicht umfällt. Jetzt werde ich mit dem Einrad üben. Das ist, was die Körperbeherrschung angeht, gar nicht so ohne. Die richtige Balance – haben Sie die auch im Job gefunden? Was bleibt nach dreieinhalb Jahrzehnten im Sparkassengeschäft? Ich bedauere nichts. Die Entwicklung, die die Sparkasse vollzogen hat, war notwendig. Ich hatte von Beginn an die Chance, die Sparkasse mitzugestalten – erst in kleineren, dann in größeren Bereichen. Natürlich ist die Arbeitsdichte gestiegen, aber auch die Qualität unserer Arbeit, und zwar gewaltig. 1984 habe ich die ersten PC noch selbst montiert. Wenn ich sehe, was da jetzt IT-technisch so abgeht, da geht mir das Herz auf. Dieser Fortschritt ist unumkehrbar, weil man mit den Fakten umgehen muss. Ein Meilenstein war die Fusion vor fünf Jahren – auch das ist ein Fakt. War es die richtige Entscheidung? Bereits als ich 1982 angefangen habe, war die Fusion ein Thema. Und sogar in noch viel älteren Unterlagen sind Fusionsbemühungen dokumentiert. Deshalb bin ich glücklich, dass ich an maßgeblicher Stelle mitwirken konnte, die dringend notwendige Fusion umzusetzen. Das war einer der großen, gravierenden Meilensteine. Auch für den Preis harter Einschnitte? Gut 140 Stellen sind weggefallen, ein Dutzend Filialen wurden geschlossen. Diese Veränderungen hätten wir so oder so machen müssen – wegen der Digitalisierung und wegen des sich wandelnden Kundenverhaltens. Durch die Fusion wurde die Entwicklung verstärkt und beschleunigt. Wohin wird sich die Finanzbranche entwickeln? Schwer zu sagen. Ich glaube, dass sich der Bargeldverkehr in den nächsten 20 bis 30 Jahren dem Ende nähert. Die Tendenz geht zu Karten. Die sind komfortabler, sicherer, und es geht schneller. Auch gegenüber den ersten Geldautomaten waren die Vorbehalte groß. Heute nutzt sie jeder. Wie sehen Sie die Zinsentwicklung? Keiner weiß, wann die Niedrigzinsphase aufhört. Wenn ich mir die Verschuldung europäischer Randstaaten und der Kommunen betrachte, und was da abgehen würde, wenn die Zinsen wieder steigen, dann glaube ich, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen noch länger niedrig halten wird. Es ist mit Einschränkungen jetzt eine gute Zeit für risikoreduzierte Wertpapieranlagen. Was wird Ihnen am meisten fehlen nach Ihrem Abschied? Die Menschen, die vielen Kontakte. Die Arbeit wird mir nicht fehlen. Leistung bringen, aber auch Leistung würdigen, das war immer meine Maxime, als ich ab 2009 das Personalressort übernommen habe. Das wird Gegenstand der nächsten Dienstvereinbarung bleiben. Mitarbeiter brauchen Wertschätzung. Diesen Punkt in der Zukunft auszubauen, halte ich für sinnvoll. Sie haben lange im ehemaligen Kreissparkassenhaus am Berliner Platz in Ludwigshafen gearbeitet. Wer wird beim Verkauf den Zuschlag erhalten? Dazu kann ich im Moment wenig sagen. Was ich sagen kann, ist, dass mein Herz am Berliner Platz hängt. Deshalb habe ich die Initiative „Wir vom Berliner Platz“ mitbegründet. Trotzdem bin ich gerne in die Zentrale am Ludwigsplatz gewechselt, weil es sein muss, dass man enger zusammensitzt. Dem Kreissparkassengebäude würde ich wünschen, dass es gemeinsam mit dem geplanten „Metropol“-Hochhaus einer neuen Nutzung zugeführt wird. Die Standorte sind ja durch den Keller miteinander verbunden. Für den Berliner Platz, an dem ich übrigens meine Frau kennengelernt habe, wünsche ich mir, dass ihn die Ludwigshafener nicht weiter in die Schmuddelecke stellen. Apropos Image: Wie verfolgt der hier arbeitende Speyerer die Debatte über das Schmuddelkind Ludwigshafen? Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Wir Speyerer sind jedenfalls stolz auf unsere Stadt. Kein Wunder, bei der Altstadtkulisse, aber die hat eben nicht jeder. In Ludwigshafen gibt’s auch schöne Ecken. Hier hat sich vieles zum Positiven entwickelt. Da wäre es schon mal an der Zeit, auch als Ludwigshafener einen gewissen Stolz zu zeigen. Selbst wenn es Bereiche wie den Hauptbahnhof gibt, wo dringend etwas getan werden müsste. Aber man kann nicht alles auf einmal machen. Und ich beneide die Politiker nicht, wenn ich an das Hochstraßenthema denke. Ludwigshafen ist lebenswert, und Ludwigshafen kann man auch lieben. Ihr ältester Sohn Sebastian arbeitet in der Finanzbranche in London. Was funkt der so über den Kanal zum Thema „Brexit“? Er stellt keine großen Veränderungen fest. Sein Herz hängt an Paris, von daher wird er irgendwann wieder dorthin zurückgehen. Vielleicht laufen Sie ja mal zusammen einen Inliner-Marathon? Er ist ein Läufer. Sebastian joggt morgens durch den Hyde-Park. Das ist auch sehr schön. Und wie lange der Vater so fit auf den Inlinern unterwegs ist, bleibt abzuwarten. (lacht) Haben Sie sich für Paris eine Zeit vorgenommen? Meine Kumpels und ich haben uns die Siegerliste vom Vorjahr angeschaut. Und da ist eine gewisse Christine auf Platz 2152 gelandet. Sie hat so 3:20 Stunden gebraucht. Die müssen wir schlagen. Denn hinter ihr kam der Besenwagen.