Bobenheim-Roxheim
Mit kritischem Blick: Wie ein Youtuber seine Heimatgemeinde sieht
Thorsten Wohninsland heißt der Youtuber, der laut über seine Heimatgemeinde nachdenkt und dabei stellvertretend für seine Mitbürger öffentlich versucht, sich einen Reim auf die Geschehnisse und kommunalpolitischen Prozesse zu machen. Beispiel Silberseekonflikt vor einem Jahr: Wohninsland steht vor dem Badesee und reflektiert, was die RHEINPFALZ gerade berichtet hat. Dass ein neuer Pächter das Kiosk betreiben und für Ordnung sorgen soll, und dass die Firma Willersinn als Seeeigentümer gegenüber Vandalen eine härtere Gangart einschlagen will. Wohninsland zitiert, kommentiert und spekuliert, und immer hört es sich unterschwellig so an, als hätte die Gemeindeverwaltung ihre Hausaufgaben (noch) nicht gemacht und als würde Willersinn den Bobenheim-Roxheimern die Badefreuden vermiesen wollen.
„Manche sagen, das seien Hetzvideos und ich soll sie aus dem Netz nehmen“, berichtet der 43-Jährige. Den Vorwurf hat er besonders im vergangenen Sommer vor dem Bürgerentscheid zum Neubaugebiet zu hören bekommen, und zwar tendenziell von denen, die ein Baugebiet südlich des Globus-Marktes gerne ausgewiesen hätten. Denn Thorsten Wohninsland alias Quasar („so hat man früher aktive Schwarze Löcher genannt“, sagt er) neigte in seinen Betrachtungen auf der „Hasebuckel“ genannten Brücke im Süden der Gemarkung eher zu Ansichten, wie sie die Bürgerinitiative gegen die Erschließung vertrat.
Nicht auf Krawall gebürstet
Aber nein, von Hetzvideos kann in dem Vlog (Kunstwort aus Video und Blog) keine Rede sein. Der verheiratete Vater dreier Kinder ist nicht auf Krawall gebürstet und schon gar kein Wutbürger, der gegen alles schimpft, was von Parteien und Administrationen kommt. Das etwaige Problem ist eher, dass das Amtsblatt der Gemeinde und die Sitzungsunterlagen im digitalen Ratsinfosystem nicht immer ausreichen als Grundlage für Behauptungen und Kommentare. In Sachen Umgehungsstraße etwa musste beziehungsweise wollte der Vlogger nach einem Hinweis des Bürgermeisters auf veraltete Informationen ein richtigstellendes Video nachziehen.
Wohninsland hat kein Problem damit, einen Fehler einzugestehen, aber er verteidigt – nicht zu Unrecht – seine flott dahingesprochenen Ansichten („Ich will auch ein bisschen unterhalten“) damit, dass er sich nur in die Lage eines Bürgers versetze, der mit den Informationen klarkommen müsse, die ihm die Gemeinde biete. Anders formuliert: „Die Verwaltung könnte ja auch sagen: Da sehen wir, woran wir noch arbeiten müssen, wenn jemand diese Sache so falsch verstanden hat.“
Neuer Dreh diese Woche
Manchmal fragt Quasar aber auch selbst nach oder schreibt, wie beim Thema Silbersee, Unternehmen und Verbände an. Meistens ohne Erfolg. Wichtig ist ihm zu betonen: Wenn er in seinen Beiträgen Mutmaßungen anstellt, dann nicht, um seine im Schnitt 600 Zuschauer und knapp 80 Abonnenten zu verunsichern oder Stimmung zu machen, sondern um zu signalisieren, dass er gerade das Reich der Fakten verlässt. In dieser Woche will er geplante Neubauprojekte zum Thema machen und den damit verbundenen Wegfall von Garagen in der Berliner Straße.
Manchmal bringt sich der Bobenheim-Roxheimer, der in seiner Freizeit gern an Extremwanderungen und Mammutmärschen teilnimmt, aber auch als Faktenchecker ein. So wie beim Thema Silbersee-Umzäunung, die der Eigentümer wegen der vielen Sachbeschädigungen auf dem Betriebsgelände für notwendig erachtet. Da rechnete Quasar mal eben hoch, in welchem Verhältnis die Zaunbaukosten zur von der Firma genannten jährlichen Schadenssumme stehen. Die Lust am Kontrollieren kommt vielleicht durch seinen Beruf, denn Thorsten Wohninsland ist Qualitätsmanager. Oder wie er selbstironisch sagt: „Dippelschisser.“