Rhein-Pfalz Kreis Mit Klein und Groß per Du
Bobenheim-Roxheim. Diese Frau kennt jeder im Ort: Schwester Lindburgis Faust feiert am Montag, 9. November, gleich doppelt: ihren 80. Geburtstag und das 60-jährige Jubiläum ihres Ordensgelübdes. 1955 trat sie im Speyerer Institut St. Dominikus den Dominikanerinnen bei. Seit 1977 lebt sie in Bobenheim-Roxheim, wo sie 27 Jahre lang den St. Laurentius-Kindergarten leitete.
Ihr Beruf war Berufung: Schon als Kind wusste Schwester Lindburgis, dass sie ihr Weg ins Kloster führen würde, erzählt die gebürtige Westpfälzerin, die auf der Sickinger Höhe zwischen Kaiserslautern und Pirmasens aufgewachsen ist. Als junge Frau ins Kloster zu gehen oder als junger Mann Priester zu werden, sei damals, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, nichts Außergewöhnliches gewesen. Ganz im Gegenteil: Man war respektiert und geachtet, berichtet sie. Nach ihrem Eintritt ins Kloster durchwanderte sie fast alle Stationen, die von den Dominikanerinnen betreut werden. „Ich habe in der Küche und Hauswirtschaft mitgeholfen, war in der Krankenabteilung, in der Nähschule und habe Pfortendienst gemacht. Anfangs hatte ich schon ein wenig Heimweh, aber das legte sich bald. Wir waren so viele junge Frauen und hatten auch unsere Freude und unseren Spaß.“ Ihren Humor hat sich Schwester Lindburgis bis heute nicht nehmen lassen. Die weiß gekleidete Seniorin widerlegt das weit verbreitete Klischee, dass es in Ordensgemeinschaften immer streng und ernst zugeht. „Traurige Gestalten kann man auch im Kloster nicht gebrauchen.“ Als Kindergartenleiterin war Schwester Lindburgis sehr beliebt. „Ich war immer sehr gerne bei meinen Kindern – und ich denke, die haben das auch alle gespürt.“ Nach Stationen in Landstuhl und Eppenbrunn kam sie 1977 nach Bobenheim. 2004 legte sie – damals 68-jährig – die Verantwortung in jüngere Hände. Ihr Engagement in der Pfarrei behielt sie bei. Bis heute agiert sie umsichtig als Sakristanin, Lektorin und Kommunionhelferin. Jahrzehntelang sang sie im Kirchenchor. Wenn sie durchs Dorf geht, schallt es überall „Hallo, Schwester“. Dass auch alle Kinder „Du“ zu ihr sagen, sei doch selbstverständlich und schön, meint sie. „Ich lass’ mich doch von den Kindern nicht siezen – wo gibt’s denn so was?“ In der Kindergartenarbeit habe sich sicherlich vieles verändert. Die Ansprüche an die inhaltliche Arbeit, aber auch die Bürokratie seien gewachsen. Ihr Eindruck dabei: „Früher war der Kindergarten eine Ergänzung – heute ist er oft eine Art Ersatz.“ Noch immer hält sie Kontakt zu ihren ehemaligen Kolleginnen. Reinreden will sie ihnen aber nicht. „Ich hatte meine Zeit – und jetzt sind andere an der Reihe.“ Eigentlich wollte sie nie in die Vorderpfalz, dass sie dann doch im nordöstlichsten Winkel der Vorderpfalz „gelandet“ ist, hat sie nie bereut. Ganz im Gegenteil: „Ich habe mich in Bobenheim-Roxheim immer sehr wohlgefühlt.“ Vor Ort ist Schwester Lindburgis die letzte Dominikanerin. Sie sieht es dennoch gelassen und zuversichtlich: „Die Geschichte des Christentums kennt viele Höhen und Tiefen – man wird sehen, was die Zukunft bringt Termin Dankgottesdienst zum Professjubiläum von Schwester Lindburgis am Montag, 9. November, 18.30 Uhr, in der Bobenheimer Pfarrkirche St. Laurentius. Im Anschluss Empfang im Pfarrheim.