Rhein-Pfalz Kreis Mit Holzgewehr und Energie

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Mutterstadt. Musiktheater ist die Spezialität des Fußgönheimer Spielkreises. Damit begeistern die Schauspieler und Musiker des Ensembles seit mittlerweile 35 Jahren ein großes Publikum. Und auch dieses Mal konnte sich die Gruppe, die zur Kreismusikschule gehört, nicht über mangelndes Interesse beklagen. Neben Grundschulklassen kamen viele Familien am Dienstag ins Mutterstadter Palatinum, um die erste von zwei Aufführungen von „Immer dieser Michel“ zu erleben.

Die ersten Minuten des Stücks sorgten bei so manchem kleinen Zuschauer jedoch für Verwirrung. Statt Michel und Schwesterchen Klein Ida standen da plötzlich Max und Moritz (Ole Bartenbach und Philipp Bayerl) auf der Bühne und feixten herum, bis der Regisseur (Max Stege) sie unterbrach: „Ihr habt den falschen Text gelernt!“ Aber sollte nicht eine Lausbubengeschichte gespielt werden, hakte Lehrer Lämpel (Juan Geneste) nach. Als die Lausbuben aus der Feder von Wilhelm Busch dann hörten, dass das Stück von Michel handeln sollte, sagten sie nur: „Der war ja noch viel schlimmer als wir beide.“ Und damit das Publikum auch gleich wusste, dass sie recht hatten, präsentierte sich Michel (Philipp Mächtle) lautstark mit Holzgewehr und jeder Menge Energie. Die mit viel Liebe zum Detail gestaltete Kulisse versetzte die Zuschauer mitten nach Schweden auf den Katthulthof. Dort, zwischen gemütlichem Wohnhaus und dem Schuppen, in den der kleine Frechdachs in den Geschichten von Astrid Lindgren nur allzu oft nach seinen Streichen verbannt wird, brachte das Ensemble einige seiner berühmtesten Abenteuer auf die Bühne – angefangen mit der Suppenschüssel, in der Michels Kopf stecken bleibt. Mit rund 50 Darstellern und zusätzlich noch zahlreichen Musikern war der Spielkreis auf und vor der Bühne aktiv, wobei die Besetzung an den beiden Aufführungstagen nahezu komplett wechselt. Bei dieser Ensemblegröße beeindruckte es umso mehr, wie gut das Zusammenspiel aller Beteiligten funktionierte, die noch dazu alle in authentisch wirkenden Kostümen agierten. So wirbelte etwa Klein Ida (Chiara Schmid) im niedlichen Schürzenkleid über die Bühne, und Mutter Alma (Pia Sasturain) hatte neben ihrem Alltags- auch ein Festkleid parat. Schließlich erwartete die Familie auf ihrem Hof Besuch. Das Publikum musste immer wieder herzhaft lachen. Etwa, als Lausbub Michel statt der Fahne kurzerhand Klein Ida am Fahnenmast hochzog. Ebenso, als die geschwätzige Magd Lina (Catriona Sutherland) voller Liebe zu Alfred (Felix Horlacher) in schönster Schieflage ein Lied anstimmte. Oder als Vater Anton (Erik Heydrich) von der gerade erworbenen Kuh immer wieder Tritte kassierte. Auch Krösa-Majas (Hannah Domgörgen) lebhafte Schilderungen schauerlicher Geschichten sorgten wiederholt für Heiterkeit. Vor allem die jungen Zuschauer fieberten mit, ob es Michel wohl gelingen würde, aus dem Schuppen auszubrechen oder der Magd Lina ihren schmerzenden Zahn zu ziehen. Und als er schließlich auf dem Jahrmarkt als Held gefeiert wurde, weil es ihm gelungen war, den Dieb zu überführen, war auch der Jubel im Saal groß. Ein Riesenlob gab es am Ende von Landrat Clemens Körner (CDU). „Ihr seid richtig klasse“, bestätigte er den Schauspielern und Musikern. Und für die Leiterin des Spielkreises, Bine Stoll, hatte er einen Blumenstrauß dabei und sagte: „Herzlichen Dank, dass du uns immer so schöne Stunden bereitest.“ Dem konnten die Zuschauer nur zustimmen.

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