Schifferstadt
Mit Hoheit und Petticoats auf die Strecke: So war’s bei der Oldtimer-Ausfahrt „Goldener Hut“
Ab zehn Uhr starteten die Fahrzeuge am Schillerplatz im Minutentakt. Sie machten sich auf den Weg zu einer Rundfahrt von etwa 120 Kilometern durch die Vorderpfalz. Dabei wird nicht um Sekunden und Plätze gekämpft. Es handelt sich um eine reine Genussfahrt. Zum Genuss gehörten dann auch der Besuch eines Weinguts und ein schönes Mittagsbuffet sowie Kaffee und als Überraschung eine Station mit leckerem Eis. Was die kühle Erfrischung betrifft, hatte Jürgen Hauck vom Organisationsteam des Motorsport- und Automobil-Clubs (MAC) Schifferstadt allerdings vor der Veranstaltung noch Stress: Der Eiswagen sollte ebenfalls ein Oldtimer sein – doch Anfang der Woche kam der Anruf, der Wagen sei ausgefallen und werde nicht rechtzeitig repariert. Nach einigen Telefonaten gelang es Hauck jedoch, einen Ersatz zu organisieren.
Start nach Frühstück
Beim offiziellen Start um 10 Uhr sind die Fahrer natürlich schon voll eingespannt. Wer die Autos in Ruhe bewundern und sich mit den Fahrern unterhalten möchte, sollte schon ab 8.30 Uhr an der Waldfesthalle sein. Dort sammeln sich alle Teilnehmer, ihre Fahrzeuge sind aufgereiht. Für die Piloten und Co-Piloten gibt es ein gemeinsames Frühstück. Die letzten Anmeldungen werden noch abgewickelt. Zu den Kurzentschlossenen, und deshalb mit Startnummer 80 versehen, gehörte Birgit Günther aus Meckenheim. Mit ihrem rot-weißen Studebaker Silver Hawk Coupé von 1957, an dem die Heckflossen besonders auffallen, fährt sie zusammen mit ihrer Schwester und einer Mitfahrerin zum ersten mal mit. Und es gibt eine besondere Bedingung: „In dieses Auto darf eine Frau nur mit Petticoat einsteigen“, sagt sie und präsentiert sich bei ihrer ersten Schifferstadter Ausfahrt selbst strahlend und stilecht im 50er-Look. Für den gelungenen Auftritt überreichte Jürgen Hauck ihr und ihren Begleiterinnen je eine Flasche Sekt.
Hans-Peter und Gudrun Dumbeck kommen aus Sinsheim mit ihrem Porsche 911 SC, Baujahr 1983. Sie sind zum zweiten Mal dabei und wollen künftig öfter mit ihrem Porsche ausfahren. „Wir haben jetzt beide mehr Zeit und es macht uns viel Spaß“, sagt Gudrun Dumbeck, die ihrem Gatten am Steuer sagt, wo es lang geht. Dafür liest sie im „Roadbook“ nach. Die Fahrtbeschreibung hat das MAC-Team für alle Teilnehmer vorbereitet. „Sieht nicht so schwer aus“, sagt Monika Peters, die zum ersten Mal als Beifahrerin der MAC-Tour neben Uwe Gerdon sitzt, der einen Mercedes SL 300 steuert. Auch diese beiden haben sich ganz kurzfristig entschieden – denn für ihr Cabrio muss das Wetter stimmen.
Rettichkönigin Jessica I. wird in einem besonders alten Gefährt chauffiert: Sie thront auf der Rückbank eines 1929er Chevrolet, das Robert und Gabi Braun fahren. „Ich finde Oldtimer cool und freue mich auf die Fahrt“, sagt sie. Mit dem Wahrzeichen und Namensgeber der Ausfahrt sind Uta und Günter Weißkopf in ihrem Renault R4 von 1980 unterwegs. Auf ihrem Dachgepäckträger sitzt eine große Nachbildung des Goldenen Huts, die der Schifferstadter Künstler Martin Eckrich gefertigt hat. Startsprecher Stefan Gütter merkt an „Die 26 PS müssen genügen“.
77 Fahrzeuge dabei
Sehr auffällig ist auch der pinkfarbene VW Käfer, Baujahr 1984. Die langen Wimpern an den Scheinwerfen geben ihm ein Gesicht – oder ihr? Besitzer ist die Andechser-Bierfest-Königin Eve-Kathrin aus Speyer. Die Hotelfachfrau nutzte die Zwangspause während der Pandemie: „Mir war langweilig und da hab ich das ganze Auto pink lackiert. Der Garagenboden ist jetzt auch pink“, sagt sie lachend.
Insgesamt haben 77 Fahrzeuge teilgenommen. Laut Hauck seien auch fast alle wohlbehalten ins Ziel gekommen, eine Panne wegen Motorüberhitzung habe es gegeben. Den Pokal für die weiteste Anfahrt erhielten Franz und Sabine Haubert, die gut 280 Kilometer von Dormagen bei Düsseldorf angereist waren. Den Pokal für das älteste Fahrzeug ging an den Chevrolet von 1929 der Familie Braun.