Rhein-Pfalz Kreis Mit dem Teilzeit-Auto mobil

Immer mehr junge Erwachsene verzichten auf ein eigenes Auto und nutzen stattdessen Carsharing-Angebote. Eine von ihnen ist die Ludwigshafenerin Sarah Lagers. Die 24-Jährige Ergotherapeutin kommt mit dem Leihwagensystem bestens zurecht. Ein Erfahrungsbericht.
Zum Gespräch kommt Sarah Lagers mit der Straßenbahn. Die nutzt die Ergotherapeutin aus Ludwigshafen, die in Viernheim arbeitet, in der Regel auch für die Fahrt zur Arbeit. „Mit einmal umsteigen komme ich von Friesenheim nach Viernheim“, erzählt sie. Stehen allerdings Hausbesuche auf ihrem Terminplan, und ist das Wetter gut, radelt sie morgens die15 Kilometer bis zu ihrem Arbeitsplatz. Um bei schlechtem Wetter auch in Viernheim mobil zu sein, hat sie in der Praxis für ihre Hausbesuche noch ein zweites Fahrrad deponiert. Sarah Lagers besitzt eine Jahresfahrkarte, sodass sie auch in ihrer Freizeit Busse und Bahnen in der Metropolregion nutzen kann. Kleinere Einkäufe erledigt sie auf dem Weg zur Arbeit. Müssen Wasserkisten gekauft werden, fährt sie häufig mit ihrem Mitbewohner zum Einkaufen, der ein Auto hat. So kommt die 24-Jährige auch ohne eigenes Auto gut durch den Alltag. Am Wochenende allerdings, wenn sie nach Mannheim zum Reiten fährt, bucht sie in der Regel bei dem Carsharing-Anbieter Stadtmobil Rhein-Neckar ein Auto. „Der Stall liegt in Seckenheim. Das ist leichter mit dem Auto zu erreichen, mit der Bahn wäre es umständlich. Außerdem bin ich dann unabhängig von den Bahnzeiten“, berichtet sie. Meist verbindet sie die Autotour noch mit einem kleinen Einkauf oder bringt Leergut zurück. Wenn Freunde zu Besuch kommen oder sie abends ausgehen möchte, nimmt Sarah Lagers ebenfalls gerne einen Mietwagen. „Das ist einfach angenehm, ich kann meine Freunde abholen, und vor allem komme ich abends gut nach Hause“, sagt sie. Carsharing nutzt sie seit Dezember. Die Station Leuschnerstraße mit drei unterschiedlich großen Wagen liegt etwa 500 Meter von ihrer Wohnung entfernt, 800 Meter weiter steht ein vierter Stadtmobil-Wagen. Sarah Lagers schätzt beim Car-Sharing die Kostentransparenz. Fünf Euro Mitgliedsbeitrag muss sie monatlich zahlen, darüber hinaus wird nur gezahlt, wenn ein Auto genutzt wird. Der Mietpreis berechnet sich in Abhängigkeit von der Größe des Wagens, der Zeit und den Kilometern. Bereits bei der Buchung gibt es einen Kostenvoranschlag. „Bei mir sind es meist 20 Euro – bei 40 Kilometern und sechs bis acht Stunden“, nennt sie ein Beispiel. Wenn Sarah Lagers weiß, dass ein Termin ansteht, bucht sie den Wagen frühzeitig. Doch auch spontan ein Leihauto zu buchen, ist möglich. Dank Internet – und es muss ein Wagen frei sein. Doch da hatte sie bislang immer Glück. „Persönlich unangenehm“, findet sie, dass sie vor der Fahrt schauen muss, ob Schäden am Wagen sind. Aber es überwiegen die positiven Seiten: „Mit Carsharing habe ich viel Bequemlichkeit, es erleichtert mir den Alltag und ist manchmal einfach die angenehmere Option zu Bus und Bahn“. Und warum hat Sarah Lagers kein eigenes Auto? „Mangelnde Entschlusskraft“, sagt sie. Irgendwie sei sie zu geizig, das Geld für einen eigenen Wagen auszugeben. Dabei würde es ihren Alltag erleichtern. Sie wäre schnell bei der Arbeit, die Hausbesuche wären weniger anstrengend, und auch in der Freizeit wäre sie flexibler, zählt sie die Vorteile auf. „Aber es hängt so viel finanziell damit zusammen“, sagt sie. Außerdem weiß sie noch gar nicht genau, was sie überhaupt für ein Auto haben möchte: „Nicht zu teuer, aber auch keine hässliche Schaluppe.“ Bevor sie sich irgendwann vielleicht doch zum eigenen Auto entschließt, ist sie momentan aber „ganz zufrieden“, wie es ist.