Rhein-Pfalz Kreis Mit dem Rollbrett durch den Tunnel
Hektisches Gewusel im Vorraum der Friedrich-Ludwig-Jahn-Halle in Bobenheim-Roxheim. Dort befindet sich die Umkleidezone für die jungen Athleten aus den fünf Kitas in der Gemeinde, und alle sind am Anfang ganz aufgeregt. „Wir haben den Kindern nicht verraten, was sie erwartet“, sagt Matthias Dewald, Leiter der Gemeinde-Kita und Organisator des sportlich-spielerischen Erlebnistags. Und so sind an diesem Dienstagmorgen die ersten Olympischen Kindergartenspiele für Erzieher und Kinder gleichermaßen eine Überraschung. Matten, Kästen, Böcke sind aufgebaut. Was wie ein Indoor-Abenteuerspielplatz aussieht, ist die Idee von Heiner Dopp, mehrfacher Olympiateilnehmer und im Hauptberuf Landestrainer für Hockey in Rheinland-Pfalz. Außerdem ist er Präsidiumsmitglied der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG), Ortsgruppe Pfalz. Sechs Stationen, die unterschiedliche Anforderungen an die Kinder stellen, hat sich Heiner Dopp ausgedacht. Koordination, Zielgenauigkeit und Schnelligkeit sind gefragt, „aber vor allem soll der Spaß im Vordergrund stehen“. Die einzelnen Aufgaben sind abgeleitet von olympischen Disziplinen: Es gibt Hürdenlauf, einen Rundlauf im Saal und ein dem Schwebebalken vergleichbares Balancierbrett. Durch die fünf olympischen Ringe sollen möglichst zielgenau Bälle und auf dicke Matten sollen mehrere Säcke geworfen werden. Die Kinder wirken an diesem Vormittag besonders motiviert und zugleich diszipliniert. Nach einigen vorsichtigen Versuchen während der ersten Proberunde auf dem Parcours sind alle mit Feuereifer bei der Sache. Einige Eltern beobachten das Geschehen, reichen Getränke und kleine Snacks in den Pausen. Rasant entwickelt sich an diesem Morgen das „Bobfahren“ zur Lieblingsdisziplin der Vier- bis Fünfjährigen. Dabei darf ähnlich wie bei den Olympischen Winterspielen mit einem Rollbrett durch einen Tunnel geflitzt werden. Doch Spaß ist nicht alles: „Wir wollen den Kindern den olympischen Gedanken spielerisch näher bringen“, erläutert Heiner Dopp, „sie sollen Spaß haben an der Bewegung und dabei Sportlichkeit und Fairness entwickeln.“ Seit 2007 veranstaltet die DOG landesweit die Kinderolympiade, jedes Jahr im November an einem anderen Ort. Man wolle die Kinder in der kälteren Jahreszeit in Bewegung halten, so Dopp. Bei der ersten Veranstaltung dieser Art in der Altrheingemeinde war die Deutsche Olympische Gesellschaft Pfalz gleich mit acht Mitgliedern vor Ort, darunter der Vorsitzende Carlo von Opel. Als sehr beweglich und koordinativ gut geschult erlebt der Meckenheimer Heiner Dopp die Bobenheim-Roxheimer Kinder. Das sei typisch für den ländlichen Raum, weiß der Sportprofi: Dörfliche Umgebung wirke auf Kinder bewegungsfördernd, zudem leisteten Kindertagesstätten und Sportvereine dort wertvolle Arbeit in Sachen Bewegungserziehung. In sechs Gruppen treten die Kinder gegeneinander an. Jede Gruppe absolviert alle sechs Disziplinen. Bei jeder können maximal zwölf Punkte erreicht werden. Für die drei besten Gruppen gibt es am Ende die begehrten Medaillen mit olympischem Fackel-Emblem in Bronze, Silber und Gold. Und gegen Mittag wird’s dann feierlich: Bei der Siegerehrung stehen nicht nur die drei besten Gruppen auf dem Treppchen, Ruhm und Ehre gibt’s auch für die Gesamtsieger: Die Goldmedaille ging mit 68 von 72 Punkten an Anissa Arato, gefolgt von Jessica Voll (Silber, 66 Punkte). Mit je 62 Punkten erspielten sich Keyana Mehlhorn und Tom Cuadros eine Bronzemedaille. Ihre Idee der Olympischen Kindergartenspiele werden Heiner Dopp und die DOG im nächsten Jahr weiterverfolgen. Für Anfragen potenzieller Austragungsorte habe die Gesellschaft ein offenes Ohr. Ausgelegt ist die Veranstaltung auf 80 bis 100 Teilnehmer. 2016 wird der olympische Tageszirkus seinen Parcours andernorts aufbauen. Irgendwann im November, irgendwo in Rheinland-Pfalz.