Rhein-Pfalz Kreis „Mir ist wichtig, alles zu Ende zu bringen“

Ich arbeite noch voll. Aus den letzten beiden Ratssitzungen habe ich mir Listen gemacht mit den Dingen, die nach den Beschlüssen jetzt umzusetzen sind. Es ist mir wichtig, alles, was ich angefangen habe, zu Ende zu bringen. Wo das nicht möglich ist, möchte ich einen Stand haben, von dem aus mein Nachfolger Herr Poje gut weiterarbeiten kann. Nun gibt es sicher auch Projekte, die per se eine längere Laufzeit haben ... Der Flächennutzungsplan gehört dazu, der weitergeführt werden muss. Dann steht die Anschaffung eines Fahrzeugs für die Feuerwehr Birkenheide an, deren Ausschreibung ich auf den Weg gebracht habe. Die Entscheidung wird Herr Poje mit dem Rat nach der Sommerpause treffen. Gibt es „offene Baustellen“, die Sie hinterlassen? Es gibt in Gemeinden Themen, an denen man langfristig arbeiten muss. Bei uns ist eines der Durchgangsverkehr. Der Pfalzmarkt-Weg bringt zwar Entlastung, ist aber nur einer von vielen Mosaiksteinen der Gesamtsituation. Was auch weitergeführt werden muss, ist die weitere Sanierung und der Ausbau der Kapazität des Kanalsystems. Sie sind mit einer Liste von Zielen angetreten. Haben Sie die erreicht? Ich habe nur das versprochen, von dem ich überzeugt war, es auch halten zu können. Das hat ganz gut geklappt. Für meine Wahlziele hatte ich seinerzeit im Vorfeld sogar eine Fragebogenaktion in den Ortsgemeinden gemacht. Nennen Sie bitte Beispiele? Schuldenabbau und Senkung der Verbandsgemeinde-Umlage, die die Ortsgemeinden zahlen, waren wichtige Ziele. Die Umlage wurde während meiner Amtszeit von angesetzten 36 Prozent auf 32 Prozent gesenkt. Die Schulden konnten wir von rund 6,2 Millionen Euro auf vier Millionen senken. Darlehen wurden auf festgeschriebene niedrige Zinsen umgestellt. Beim Eigenbetrieb Abwasser konnten wir die Verschuldung von 16,5 Millionen auf derzeit neun Millionen senken. Den Ausbau des Kanalsystems, den mein Vorgänger begonnen hat, haben wir weitergeführt und das zeigt schon deutliche Erfolge. Kürzlich hat mir ein Feuerwehrmann gesagt, dass die Wehr bei Starkregen weniger Einsätze habe. Ich möchte auch den Hochwasserschutz nennen, den wir zum Beispiel mit der Renaturierung des Erlengrabens vorangebracht haben. Die Erneuerung der Feuerwehrfahrzeuge und die Schutzausrüstung der Wehrleute waren auch ein Ziel. Mit der energetischen Sanierung gemeindeeigener Gebäude sparen wir langfristig viel Geld. Hat sich die Gemeinschaft in der Gemeinde verändert? Da hat sich mit dem Netzwerk Hilfe etwas Tolles entwickelt. Ausgangspunkt war die Idee, Flüchtlingen zu helfen. Das wurde dann erweitert auf ein Angebot, das allen Bürgern Unterstützung bietet. Dazu gehören die Tafel, die Essen anbietet, die Fahrradscheune für Reparaturen, Hilfe beim Umzug und mehr. Die Idee, etwas für alle zu bieten, kam aus dem Seniorenbeirat. Die Flüchtlinge leben hier unauffällig und werden nicht als Problem gesehen. Wir hatten das Glück, dass wir die Leute dezentral unterbringen konnten. Gemeinde und Bürger engagieren sich, das spricht für gegenseitiges Vertrauen. Ich möchte das Netzwerk Hilfe auch über meine Amtszeit hinaus begleiten und unterstützen. Ideen des Seniorenbeirats wie der Bürgerbus und der Bewegungspark sind weitere wichtige Gemeinschaftsaktionen. Gibt es auch Dinge, bei denen Sie nicht wie erhofft vorangekommen sind? Bei einem weiteren Einkaufsmarkt, den wir uns wünschen. In Birkenheide haben wir die Waffen gestreckt, weil die gesetzlichen Vorgaben uns keinen sinnvollen Standort gelassen haben. In Fußgönheim komme ich momentan auch nicht weiter. Natürlich fragt man sich, ob man weiter seine Energie reinsteckt – aber dann denkt man an die älteren Mitbürger, für die das wichtig ist, und macht weiter. Ein weiteres Thema ist die Verkehrsbelastung. Da würde ich mir von übergeordneten Behörden schnellere Entscheidungen wünschen. Da kommen wir oft nur sehr langsam voran. Ein paar Dinge sind nicht so gut gelaufen. Das Rechnungsprüfungsamt hat falsche Abrechnungen und Verfahrensfehler moniert. Was sind die Konsequenzen? Im Fall der falschen Satzung, die alle Ortsgemeinden betrifft, geht das auf Beschlüsse zurück, die vor meiner Zeit gefasst und nie beanstandet wurden. Wir klären derzeit, wie wir daraus entstandene Fehler beheben können. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde dies hauptsächlich mir angelastet. Für falsche Abrechnungen, die es in der Ortsgemeinde Maxdorf gegeben hat, habe ich mir vom Rat die Zustimmung für eine Rückabwicklung geholt, und die Verwaltung hat zu viel bezahlte Beträge erstattet. Auch alle Forderungen, die nicht verjährt waren, wurden abgearbeitet. Was wir nicht öffentlich diskutiert haben: Vor meiner Amtszeit gab es noch andere Zuständigkeiten, aber die Prüfung fiel in meine Amtszeit. Sie finden, es wurden Ihnen zu Unrecht Fehler zugeschrieben? Ja, denn manche Ursachen gingen viel weiter zurück. Wo es möglich war, habe ich Schäden, die den Bürgern oder den Gemeinden entstanden sind, beheben lassen. Die Aufarbeitung wird auch nach mir noch weitergehen. Es war jedoch bemerkenswert, wie der Maxdorfer Prüfbericht der Presse zugespielt wurde und dieser so zum öffentlichen Thema wurde, bevor die Verwaltung die Möglichkeit hatte, im Rat dazu öffentlich Stellung zu nehmen. Ihr Nachfolger gehört der CDU an, die SPD in Maxdorf ist nicht mehr so stark wie früher. Woran liegt das? Das Ergebnis hängt damit zusammen, dass Herr Poje aus dem größten Ort der Verbandsgemeinde stammt, man kennt ihn. Die SPD suchte und fand einen überzeugenden Kandidaten mit Verwaltungsausbildung. Offenbar war die Zeit zu kurz, um ihn bekannter zu machen. (Anm. d. Red.: Frank Sommer, der für die SPD antrat, wohnt in Bobenheim-Roxheim). Werden Sie sich weiter politisch engagieren? Die SPD ist meine politische Heimat, und daran ändert sich nichts. Dann bin ich ja noch Ortsbürgermeisterin in Fußgönheim. Aber jetzt möchte ich mehr Zeit für meine Familie haben.