Rhein-Pfalz Kreis Mindestlohn: Pfalzmarkt fordert Reform

Der Pfalzmarkt macht gegen den Mindestlohn mobil. Die Existenz landwirtschaftlicher Betriebe sei gefährdet und damit viele Arbeitsplätze. Den steigenden Kosten stehen billige Preise für Lebensmittel gegenüber.
. „Wir machen uns große Sorgen. Wir befürchten, dass die Pfalz ihre bedeutende Stellung als größtes zusammenhängendes Anbaugebiet von Obst und Gemüse verliert“, sagt Hans-Jörg Friedrich. Der 51-Jährige ist seit zwölf Jahren Manager im Pfalzmarkt, der die landwirtschaftlichen Produkte von 250 Betrieben aus der Region vermarktet. Die großen Supermarktketten sind mit Hauptabnehmer. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 123 Millionen Euro. 223.000 Tonnen Obst und Gemüse wurden vom Pfalzmarkt verkauft. Kernprobleme für viele Bauern sind die in den kommenden Jahren stufenweise steigenden Stundenlöhne für Erntehelfer und die damit verbundene Dokumentation von Arbeitszeiten: Im vergangenen Jahr – also vor der in diesem Jahr erfolgten gesetzlichen Einführung des Mindestlohns – verdiente ein Helfer 6,40 Euro pro Stunde. In diesem Jahr muss ein Landwirt seinen Arbeitern einen Euro mehr zahlen, im kommenden Jahr sind es schon zwei Euro mehr. Und bis 2017 soll der Mindestlohn auf 9,10 Euro steigen, rechnet Hans-Jörg Friedrich vor. Die Kostenerhöhung bei der Produktion könne jedoch nicht einfach auf den Preis für Obst und Gemüse draufgeschlagen werden. „Wir stehen in Konkurrenz zum Ausland. Wenn wir die Preise erhöhen, kaufen die Kunden billigere ausländische Produkte“, sagt der Manager. Also wird im Mutterstadter Pfalzmarkt nicht an der Preisschraube gedreht. Die Folge: Die Landwirte machen nun jährlich mehr Verluste bei der Produktion. „Bei Möhren, Radieschen oder Zwiebeln rechnet sich das irgendwann nicht mehr“, sagt Hans-Jörg Friedrich. Er rechnet damit, dass die Einbußen durch größere Produktionsmengen wettgemacht werden sollen – wie das in der Vergangenheit bereits der Fall war. Doch die bäuerliche Struktur mit kleineren Betrieben werde dadurch in Frage gestellt. Am Ende könnte nur noch eine Handvoll riesiger Landwirtschaftsbetriebe übrigbleiben. Auch den Sinn des Mindestlohngesetzes, faire und bessere Löhne auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu schaffen, hinterfragt der Pfalzmarkt-Manager. Unter den Erntehelfern seien vor allem Südosteuropäer, die von den steigenden Löhnen aber auch nur teilweise profitierten. „Bisher kam ein Rumäne für zwei Monate her und verdiente in dieser Zeit als Erntehelfer so viel wie ein Lehrer in seinem Heimatland im ganzen Jahr“, sagt Friedrich. Durch die im Mindestlohngesetz vorgeschriebene Arbeitsmarktdokumentation werde seine Stundenzahl limitiert. Für Sonntagsarbeit müsse es einen Ausgleichtag geben. „Das wollen die Erntehelfer gar nicht, sie wollen schnell so viel Geld wie möglich verdienen“, sagt Friedrich. Und Deutsche für diesen Arbeitsmarkt zu gewinnen, das habe schon in der Vergangenheit nicht funktioniert. Harte körperliche Arbeit bei jedem Wetter schrecke die Arbeitslosen ab. Pfalzmarkt und Bauern hoffen nun, dass die Politik ein Einsehen hat und den Mindestlohn für die Landwirtschaft abändert. „Wir sind hier das größte Gemüseanbaugebiet in Deutschland, und das würden wir gerne bleiben“, sagt Friedrich.