Lambsheim / Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Millionenprojekt in Lambsheim: Kläranlage wird klimafreundlicher

Ministerin Katrin Eder im Gespräch mit Betriebsleiter Frank Sentpali (links) und Bürgermeister Michael Reith.
Ministerin Katrin Eder im Gespräch mit Betriebsleiter Frank Sentpali (links) und Bürgermeister Michael Reith.

Die Kläranlage Lambsheim wird klimafreundlich umgerüstet. Fördergelder von Land und Bund helfen bei der Umsetzung des Millionenprojekts.

Willkommener Besuch aus Mainz auf dem Betriebsgelände der Kläranlage Lambsheim: Klimaschutzministerin Katrin Eder (Bündnis 90/Die Grünen) ließ es sich nicht nehmen, die Förderbescheide des Landes über 1,37 Millionen Euro persönlich zu übergeben und sich ein Bild vom Baufortschritt zu machen. „Ich bin ein Fan von Kläranlagen“, bekannte die Ministerin. Etwa 2000 gebe es in Rheinland-Pfalz, schon etliche habe sie besichtigt. Als kommunale Infrastrukturprojekte würden Kläranlagen total unterschätzt. Sie sorgten dafür, dass die Gewässer saubergehalten würden. Sie hätten enormes Energiesparpotenzial, gehörten allerdings bisweilen noch zu den großen Energieverbrauchern. Wie sinnvoll deshalb der Umbau zu einer Faulungsanlage ist, machte Eder an ein paar Zahlen fest.

Durch das Blockheizkraftwerk, in dem die entstehenden Gase verstromt werden, könnten voraussichtlich jährlich 400.000 Kilowattstunden elektrische Energie produziert werden. Zusammen mit der bereits installierten Photovoltaikanlage ergebe sich eine Strommenge von 530.000 Kilowattstunden, wodurch pro Jahr rund 200 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden könnten, so die Ministerin. Mit Blick auf die Schonung des Klimas sei das Projekt ein Riesenschritt nach vorn.

Rund 32.000 Haushalte sind angeschlossen

Die unweit der Autobahn A61 im Mai 1994 in Betrieb genommene mechanisch-biologische Kläranlage, die vom Abwasserzweckverband Lambsheim betrieben wird, nimmt das Schmutzwasser der Gemeinden Lambsheim, Maxdorf, Fußgönheim und Birkenheide auf. Rund 32.000 Haushalte sind angeschlossen. Die Anlage wird so umgerüstet, dass der Klärschlamm nicht mehr aerob, sondern anaerob, also ohne Sauerstoff, behandelt werden kann. Das jetzige Belüftungssystem wird durch einen Turm für die Hochlastfaulung ersetzt.

Für den erkrankten Verbandsvorsteher Paul Poje (CDU) nahmen dessen Stellvertreter Michael Reith (SPD), Bürgermeister der Verbandgemeinde Lambsheim-Heßheim, sowie sein Maxdorfer Amtskollege André Voges (parteilos) die betragsmäßig entsprechend der Anteile der beiden Kommunen aufgesplitteten Förderbescheide dankend entgegen. Nach Angaben von Frank Sentpali, dem technischen Betriebsleiter, wird vom Bund noch ein Zuschuss von 2,4 Millionen Euro erwartet. Den hat der Verband auch bitter nötig. Denn die für den Umbau veranschlagten Kosten von 8,6 Millionen Euro sind zwischenzeitlich auf rund 14 Millionen Euro geklettert. Diese Summe umfasst allerdings auch eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen wie Photovoltaikanlagen, Umbau der Belebungsbecken und verschiedene Optimierungsarbeiten am Bestand sowie die nicht unerheblichen Planungs- und Baunebenkosten.

Ziel ist es, autark zu werden

Um der Ministerin die Entstehungsgeschichte des Großprojektes näherzubringen, musste Reith ausholen. In den 1980er- und 1990er-Jahren sei bei kleineren Kläranlagen eine aerobe Stabilisierung des Schlamms üblich gewesen – ein Verfahren, das nicht nur viel Energie verbrauche, sondern auch immer wieder zu Geruchsproblemen in den Nachbarorten führe. Weil die Anlage auf Dauer nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne, sei es 2018 zu einem Umdenken gekommen. „Wir wollten unseren Strom selbst erzeugen, um autark zu sein“, führte Reith aus. Dem Zweckverband gehe es außerdem darum, die Klärschlammmengen zu reduzieren und besser zu verwerten. „Die Geruchsbelastung wird durch das neue Verfahren eingefangen“, hob Reith hervor.

Von der ersten Planungsphase bis zum Baustart sollten sechs Jahre ins Land gehen. Zuschussrichtlinien änderten sich, Anträge mussten modifiziert, europaweite Ausschreibungen wegen einer Kostenexplosion um 100 Prozent wiederholt werden. Im Mai 2025 konnte dann schließlich die Baustelle eingerichtet werden. Derzeit entstehen die beiden Vorklärbecken mit einem Gesamtvolumen von 360 Kubikmetern. Ein Pumpwerk wird folgen, bevor im dritten Abschnitt ein zwölf Meter hoher und 1200 Kubikmeter fassender Gasbehälter gebaut wird. Wenn alles klappt, soll der Umbau bis Ende 2027 fertig sein.

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