Leute im Landkreis
Michael Kercher hilft beim Rentenantrag – ehrenamtlich und kostenlos
„Die meisten Leute – ob der Arbeiter oder der Studierte mit Doktortitel – sind mit den Antragsformularen für die Rente überfordert“, sagt der 76-Jährige. Und dass sei auch nicht verwunderlich. Das Renten- und Sozialrecht sei kompliziert und die Fragen müssen „juristisch wasserdicht“ sein. Hinzu kommt, dass es mehrere verschiedene Renten gibt. „Früher bin ich mit einem Koffer voller Formulare zu den Beratungsgesprächen gefahren“, erinnert er sich. Das sei heute dank Internet und Computer leichter – aber nur in Bezug aufs Gewicht seines Aktenkoffers. Auch wenn man heute theoretisch seine Rente online beantragen kann, einfacher sei der Antrag darum nicht.
Etwa 30 Bürger oder Bürgerinnen im Monat unterstützt er bei ihren Rentenanträgen oder -bescheiden als ehrenamtlicher Versichertenberater für die Deutsche Rentenversicherung Bund – und das schon seit mehr als 20 Jahren. Nun ist er bei der vergangenen Sozialwahl für weitere sechs Jahre ernannt worden. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), sein Arbeitgeber bis zur Pensionierung, hat ihn aufgestellt.
Dass er das einmal machen wird, hat sich bei seiner Berufswahl in jungen Jahren längst nicht abgezeichnet. Der heute 76-Jährige ist gelernter Industriekaufmann – jedoch mit einer sehr sozialen Ader. „Ich hatte ein sehr sozial engagiertes Elternhaus, das hat mich geprägt“, erzählt er, und: „Wir waren fünf Kinder zu Hause, da war ein soziales Miteinander schon gegeben“. Und so studierte er nach seiner Ausbildung Sozialpädagogik. Als junger Mann war er in seiner Freizeit in der katholischen Jugendbewegung aktiv, später auch Geschäftsführer des Verbands. Darüber kam er dann zu der KAB. Der christliche Glaube ist ein wichtiger Teil in seinem Leben, über 40 Jahre lang arbeitete er beim Bistum Speyer.
Kein Zeitdruck bei der Beratung
Schon in seinem Job bei der KAB hat er sich intensiv mit Sozial- und Rentenrecht auseinandergesetzt. Als ein ehrenamtlicher Rentenversicherungsberater in Ruhestand ging, fiel die Wahl auf ihn – und er hat das Amt sehr gern übernommen: „Das Thema Alterssicherung hat mich seit je her sehr interessiert, es ist für Arbeitnehmer etwas Existenzielles“, sagt er. Umso wichtiger sei es, dass die Menschen dabei Hilfe bekämen – und das mit einem persönlichen Berater und kostenlos. Und in allen Angelegenheiten, die die Rente betreffen. Zwar gebe es auch bei den Rentenversicherungen kostenlose Beratungen, aber die Berater stünden oft unter Zeitdruck. Als Ehrenamtlicher kann er sich Zeit nehmen und ist vor Ort.
Oft wird es auch emotional, etwa bei einem Antrag auf Hinterbliebenen-Rente, der innerhalb von einem Vierteljahr gestellt werden muss. Oder wenn ein Mensch, der sonst nie krank war, plötzlich schwer erkrankt und nicht mehr arbeiten kann. Dann bedeute das viel Papierkram mit der Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Und so manches Mal habe es auch schon Tränen gegeben: Dann sitzen Michael Kercher Menschen gegenüber, die das erste Mal realisieren, dass die gesetzliche Rente bei ihnen nicht zum Leben reicht und sie zum Sozialamt gehen müssen. Meist seien es Leute, die eine Zeit lang selbstständig waren und nicht in die Rente eingezahlt haben, oder Frauen, die ihre Arbeitszeit wegen der Kindererziehung oder Krankheit reduziert haben.
Möchte lange fit bleiben
Besonders stolz ist er, dass mit dem Einsatz der KAB die Kindererziehungszeit bei der Rente mit angerechnet wird: „13 Jahre haben wir dafür gekämpft“, erinnert er sich. Nun organisiert er den „Tag der Pflege“ am 14. April in Limburgerhof mit. Hierbei geht es um die pflegenden Angehörigen, die politisch besser wahrgenommen und beraten werden sollen. Zudem engagiert er sich sozial bei der Barmer Krankenversicherung im Widerspruchsausschuss. Auch hier hilft er Menschen in Not – und immer ist Micheal Kercher mit Herz dabei.
Ganz klar: Ein typisches Rentnerleben führt er bei all dem Engagement nicht. Seine Frau kennt es nicht anders. Für Urlaub bleibe noch Zeit, doch weit weg verschlägt es die beiden eh nicht. „Meine Frau liebt ihren Garten, da ist sie nicht lange wegzukriegen“, sagt er. Und wenn er mal keine Lust auf Computer und Papierkram hat, dann baut er Schränke – „zum Beispiel Aktenschränke“, sagt er und lacht. Nach Mutterstadt verschlug es den gebürtigen Dürkheimer der Liebe wegen, seine Frau ist Mutterstadterin. Zusammen haben sie zwei Söhne und mittlerweile vier Enkel im Teenageralter. Die helfen Opa manchmal bei Computer-Angelegenheiten. „Durch meine Arbeit bleibe ich am Ball, ich möchte mich nicht abhängen lassen, aber von den jungen Leuten kann man nur lernen“, sagt er und zeigt auf einen Handyhalter, der an seinem Schreibtisch klemmt – für Onlineberatungen.
Die meisten Hilfesuchenden, etwa zwei Drittel, wollen aber eine persönliche Beratung. „Mir ist es auch am liebsten, nur wenn ich den Leuten in die Augen schauen kann, weiß ich, dass sie es verstanden haben und zufrieden sind.“ Das sei auch der beste Lohn: „Die Leute gehen erleichtert nach Hause“, sagt er, „ihnen zu helfen, macht mir Freude, und darum hoffe ich, dass ich es noch lange machen kann.“
Kontakt
Michael Kercher ist unter Telefon 06234 929191 oder per E-Mail unter kerchermu47@gmail.com erreichbar.