Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Mensch und Natur: „Der Respekt geht verloren“

Angler am Altrhein: Manche fahren mit dem Auto verbotenerweise durch den Wald.
Angler am Altrhein: Manche fahren mit dem Auto verbotenerweise durch den Wald.

Der Auwald bei Mechtersheim ist eine Oase und ein Kleinod vor der Haustür. Allerdings gehen nicht alle Bürger sorgsam mit diesem um. Das bereitet Johannes Jochem seit geraumer Zeit Sorgen. Auch das Forstamt hat beobachtet, dass der Respekt sinkt – vor der Natur, aber auch vor den Förstern, die mitunter sogar in gefährliche Situationen geraten.

Johannes Jochem kommt täglich beim Spazierengehen an einem Waldweg vorbei, der von der Nato-Straße abzweigt. Dort stand einmal eine Schranke, doch seit einigen Jahren fehlt diese: Erst wurde sie bei einem Hochwasser beschädigt, dann gestohlen. Autofahrer können nun ungehindert in den Wald Richtung Altrhein fahren – und machen das offenbar auch regelmäßig. Dann werde dort geangelt und am Ufer gegrillt, hat Jochem beobachtet. Auch Müll werde an Ort und Stelle entsorgt. „Letztes Jahr war es ganz extrem“, sagt er. Aber auch dieses Jahr, bei der großen Trockenheit, hat er Bedenken, dass es zu einem Waldbrand kommen könnte, wenn es Funkenflug gibt. „Man hat im Pfälzerwald gesehen, wie schnell das gehen kann“, sagt er. „Und das bisschen Wald, das wir hier haben, sollte doch erhalten bleiben.“

Jochem fordert, dass zumindest die Schranke wiederhergestellt wird, und hat wegen des Problems auch schon mit dem Forstamt Kontakt aufgenommen. Von deren Leiterin Monika Bub hat er mittlerweile eine Rückmeldung bekommen. „Die Situation vor Ort ist uns bekannt“ und diese sei „ausgesprochen unerfreulich“, sagt die Forstamtsleiterin. „Leider ist dies kein Einzelfall, sondern reiht sich ein in zahlreiche Verstöße dieser Art. Der Respekt vor Natur und Umwelt oder dem Eigentum Dritter ist offenbar gänzlich verloren gegangen“, glaubt sie. Es müsse eine Lösung gemeinsam mit Naturschutz, Fischerei und Forst gefunden werden. Daran werde bereits gearbeitet. Darüber hinaus führe die Wasserschutzpolizei verstärkt Kontrollen durch, könne aber nicht täglich vor Ort sein.

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Im Gespräch mit der RHEINPFALZ erklärt Bub, warum es nicht so einfach ist, den Weg mit einer Schranke abzusperren: „Ein Problem sind Rettungspunkte“, sagt sie. Selbst wenn es dort eine Schranke gäbe, müsse diese im Prinzip immer offen sein, damit Rettungskräfte durchfahren können. Auch Förster Jürgen Render, der das Römerberger Revier künftig übernehmen wird, hat festgestellt, dass es generell besser ist, Schranken offen zu lassen. Diese stellten auch eine Verletzungsgefahr zum Beispiel für Fahrradfahrer dar und würden ohnehin oft beschädigt. Rettungskräfte hätten zwar in der Regel Schlüssel für die Schranken, aber er könne sich auch an einen Fall erinnern, wo dieser geklemmt habe und wertvolle Minuten bei der Rettung von Verletzten verloren gingen.

Mit Gewalt gedroht

Im Fall des Schwarzwalds bei Mechtersheim hätten einige Angler dort kleine Boote liegen, was ihnen laut Render auch erlaubt ist. Wenn an diesen mal was kaputt sei, könne man auch nicht komplett verbieten, dort mit dem Auto hinzufahren, sagt Forstamtsleiterin Bub. Grundsätzlich sei das aber nicht erlaubt. „Wenn dort jemand rumfährt, der dort nichts verloren hat, ist das eine Ordnungswidrigkeit“, stellt die Forstamtsleiterin klar. Probleme wie in Mechtersheim gebe es überall im Gebiet des Forstamts Pfälzer Rheinauen. „Illegale Grillerei und Angelei nehmen überhand“, sagt Bub. Der Respekt vor der Natur sei völlig verloren gegangen – und offenbar auch der vor den Förstern als Respektspersonen.

Wenn die Revierleiter feststellen, dass irgendwo im Wald illegal gefeiert werde, dann hätten diese mittlerweile die Weisung, dort nur noch zusammen mit der Polizei hinzugehen. Es habe schon Fälle gegeben, in denen Förster eine Gruppe von etlichen angetrunkenen Menschen ermahnt hätten und ihnen daraufhin massive Gewalt angedroht worden sei. Ein Schwerpunkt sei am Lingenfelder Altrhein, auch am Rathjens-Baggersee in Wörth sei es „richtig schlimm“, sagt Bub. Bei der Polizeiinspektion in Germersheim sind zumindest in den vergangenen anderthalb Jahren keine Vorfälle, in die Förster involviert waren aktenkundig, wie Sprecher Dennis Dobberstein berichtet.

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