Maxdorf / Lambsheim
Mensch oder Biber: Damm in Maxdorf führt zu Konflikten
Wer sich die Karte auf der Homepage des Biber-Zentrums Rheinland-Pfalz der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (Gnor) in Fischbach bei Dahn (Kreis Südwestpfalz) anschaut, der merkt schnell: Dem Biber gefällt es in Rheinland-Pfalz. Es gibt viele gelbe Punkte, die für „einzelne Spuren, Tiere“ stehen, auch einige grüne Punkte, die „temporär, verwaist“ markieren, sind zu entdecken. Was die Biologen und Naturschützer aber besonders freuen dürfte: Es sind auch sehr viele roten Punkte zu sehen. Diese stehen für eine Biberfamilie oder eine dauerhafte Ansiedlung des größten Nagetiers.
Den Bestand in Rheinland-Pfalz schätzt Stefanie Venske, Leiterin des Biberzentrums in Fischbach, auf „ab 350 Tiere aufwärts“. Und das ist eine Entwicklung, die sie wirklich freut. Denn als sie vor etwa 20 Jahren im Biberzentrum angefangen habe, sei der Biber im Land lediglich an zwei, drei Standorten aktiv gewesen.
Der rote Punkt
Konkret geht es um einen europäischen Biber (wissenschaftlicher Name: Castor fiber). Er gehört zur Klasse der Säugetiere (Mammalia) und der Ordnung Nagetiere (Rodentia). Venske schätzt den Biber als „geschickten Bauer. Kein anderes Tier ist in der Lage, Lebensraum so zu gestalten.“ Der Biber ist nachtaktiv und das größte europäische Nagetier. „Er ist ein reiner Vegetarier, dabei aber kein Kostverächter“, sagt Stefanie Venske. Im Winter fresse er die Rinde der Bäume. Bei richtigem Frost sei er schwer inaktiv. Und: „Biberpärchen bleiben ein Leben lang zusammen“, sagt Venske.
Um einen roten Punkt, also eine dauerhafte Ansiedlung des Bibers, geht es auch zwischen Maxdorf und Lambsheim. „In der Region gibt es schon seit einigen Jahren Biber“, erklärt Venske und verweist auf das Vorkommen an der Isenach bei Bobenheim-Roxheim. Wahrscheinlich sei der Maxdorfer Biber aus dieser Population zugeschwommen oder zugewandert. Ja, das größte Nagetier mit dem markanten breiten Schwanz bewegt sich nicht nur schwimmend fort.
Den Damm abtragen bringt auf Dauer nichts
Warum es ihm ausgerechnet zwischen Maxdorf und Lambsheim so gut gefällt? „Das ist für ihn eine günstige Stelle“, sagt Venske. Für die Menschen in Maxdorf ist der Ort allerdings weniger günstig, denn der Damm des Bibers führt dazu, dass das Wasser in einem Regenüberlaufbecken für Maxdorf steht.
Weshalb die Suche nach einer akzeptablen Lösung für beide Seiten in vollem Gange ist. Stefanie Venske macht in diesem Zusammenhang auch gleich klar: „Einfach nur den Damm des Bibers wegmachen, reicht nicht.“ Denn selbst dann gebe es keine Garantie, dass das Tier verschwindet. Man könne das Tier dadurch vergrämen. „Aber es ist auch möglich, dass er an der gleichen Stelle wieder einen Damm baut.“ Im Moment wird der Damm regelmäßig von Hand teilweise abgetragen, wenn er eine bestimmte Höhe überschreitet. „Langfristig braucht man da aber eine andere Lösung.“ Sie bringt noch die Möglichkeit ins Spiel, dass man vielleicht die Hochwasserschutzkonzepte, die zum Teil auch schon einige Jährchen auf dem Buckel hätten, überarbeitet.
Dass der Biber zwischen Maxdorf und Lambsheim das Wasser staut, hat für die Natur durchaus Vorteile. „Er hat Amphibienschutz geleistet, der nicht mir Geld zu bezahlen ist“, betont Stefanie Venske. Das heißt: Der Nager hat Lebensraum geschaffen für Tiere, die hier aus der Region fast schon verschwunden waren. Flach- und Ruhigwasser gebe es da jetzt, sagt die Expertin. „Auf einmal gibt es eine Kleinststruktur in einem Gewässer, das vorher einfach nur geradeaus geflossen ist.“
Viele Feinde muss der Biber in der Natur übrigens nicht fürchten. Die größte Gefahr lauert auf Deutschlands Straßen durch den Autoverkehr, sagt Stefanie Venske. Der einzige Fressfeind, der dem Biber auf den Pelz rücken könnte, ist der Wolf. „Aber der sucht sich in der Regel junge oder geschwächte Tiere“, erläutert Venske.
Was zusätzlich ins Spiel kommt: Der Biber ist streng geschützt, unter anderem durch das Bundesnaturschutzgesetz und die FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Richtlinie EG 2013/17. Artenschutzrecht sei europarechtlich vorgeprägt, sagt Hannes Kopf. Der Jurist ist Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt. Die Behörde ist in dem Fall als Obere Naturschutzbehörde involviert. In seiner Brust schlagen jedoch die berühmten zwei Herzen. Denn seine Behörde ist sowohl für Naturschutz als auch für Hochwasserschutz zuständig.
Wer muss geschützt werden?
Weshalb Kopf auch von einer „Abwägung der Schutzgüter“ spricht. „Und das Artenschutzrecht darf nur eingeschränkt werden, wenn andere Interessen gefährdet sind.“ Bis 31. März gebe es die Ausnahmegenehmigung von der Neustadter Behörde, den Damm von Hand abzusenken.
Das ist allerdings keine Dauerlösung. „Wir verstehen, dass die Bevölkerung das genau beobachtet“, sagt Hannes Kopf. Was also tun? „Wir suchen nach einer akzeptablen Lösung für beide Seiten“, betont Stefanie Venske. Womöglich müsse man ein Lösungskonzept für die gesamte Region überarbeiten. Die Leiterin des Biberzentrums sagt, dass die Kommunikation zu SGD und Kommune da sei. „Und die Diskussion ist nicht verhärtet.“ Zu Beginn habe es die Vorstellung gegeben: Damm weg und gut. „Aber das ist keine Lösung. Wir brauchen eine Lösung mit dem Biber.“ Und sie ist fest davon überzeugt, dass ein akzeptabler Ausweg für beide Seiten möglich ist.
Auch Hannes Kopf ist der Meinung, dass man nichts damit erreiche, wenn man den Maxdorfer Biber vergräme. Falls aber eine Kommune einen Antrag auf Beseitigung des Damms stelle, müsse festgestellt werden, ob dies alternativlos sei, meint der SGD-Präsident. Das müsse man dann per Gutachten klären lassen. Und da betont Kopf, dass dieses Gutachten sauber und rechtssicher sein muss. Darauf legt er als Jurist wert. „Denn es macht keinen Spaß, wenn eine Entscheidung, die man trifft, aufgehoben wird.“ Und dann bleibe ja immer noch die Frage, ob die Tiere, wenn man sie einfängt und woanders hinbringt, das Ersatzhabitat annehmen. „Da haben wir noch keine Erfahrungen gemacht.“