Römerberg
Mehrmals im Jahr ist Joachim Lauer als Radioseelsorger im Night Talk
Joachim Lauer sucht in vielen Bereichen neue Wege. Er hat zwei Jobs: eine halbe Stelle ist er als Pastoralreferent in der katholischen Pfarrei Heilige Hildegard Dudenhofen und für die Katholiken der Verbandsgemeinde (VG) Dudenhofen-Römerberg tätig. „Ostern habe ich die RTL-Passion in die Harthausener Kirche geholt“, erzählt er von einem Public-Viewing-Event, das überregional Schlagzeilen gemacht hat. Die zweite Stelle ist im Bischöflichen Ordinariat verortet. Ursprünglich hieß seine Abteilung einmal Missionarische Pastoral. Da hat er unter anderem die Passanten-Seelsorge im Lichtpunkt mitten in Ludwigshafen geleitet.
Vor wenigen Wochen hat er mit Felix Goldinger die neue Abteilung „Innovation und Transformation“ gegründet. „Das ist völliges Neuland für uns beide und ich bin froh, sagen zu können, dass ich noch nicht weiß, was Innovation und Transformation in unserem Fall ist“, erzählt er. Letztlich gehe es darum, Menschen und ihre Projekte zu unterstützen, andere Formen von Kirche zu entwickeln, sodass sie auch in Zukunft relevant für Menschen bleibt. Auch das Evangelium zeitgemäß zu verkündigen, gehöre dazu. Nun ist er gespannt auf die Begegnung mit Menschen und deren Wünsche für die Zukunft der Kirche.
Dagegen ist sein Job im Radio schon fast zur Routine geworden. Nach dem Landesrundfunkgesetz müssen private Radiosender auch kirchliche Beiträge senden. Bei BigFM ist das unter anderem der Night Talk, der jeden Sonntag von 22.30 Uhr bis Mitternacht ausgestrahlt wird. Seit März vergangenen Jahres gehört Joachim Lauer mit zum Team der katholischen und evangelischen Seelsorger, die sich in der Sendung abwechseln. Wenn er an der Reihe ist, letztmals am 23. Juni, fährt er nach Mannheim ins Radiostudio, wo die in Lingenfeld lebende Moderatorin Claudia Formella schon auf ihn wartet. „In einer Moderatorenkonferenz legen wir zweimal im Jahr die Themen für die Sendetermine fest“, erklärt Joachim Lauer. Beim letzten Mal lautete es „Let it go“, denn der 23. Juni ist „Tag des Loslassens“.
Tipps in Krisensituationen
Das Sprechen im Radio fällt Joachim Lauer nicht schwer, denn er hat sich viel mit Sprache beschäftigt und Kurse für Lektoren gegeben. Aber die Vorbereitung auf die Sendung ist nicht einfach, denn er kann ja nicht ahnen, was den Hörern zu diesem Thema auf dem Herzen liegt. Bei Loslassen könnte es um Tod oder zerbrochene Beziehungen gehen, mutmaßte er. „Ob ich katholisch bin, spielt keine Rolle. Ich bin einfach da und höre zu. Wenn jemand in einer Krise ist, versuche ich, ihm eine Idee zu geben, wo er weitermachen kann“, erzählt er. Nur eins darf er zu seinem Bedauern nicht: dem Gegenüber oder sich selbst zu etwas Zeit zum Nachdenken lassen. Ein Gespräch lebe zwar auch von Pausen, doch wenn mehr als zehn Sekunden nichts gesagt wird, springt im Sender automatisch ein Notfall-Band an, das auch Moderatorin Claudia Formella nicht stoppen kann.
Letztlich kam es in dieser Sendung ganz anders, als Lauer und Formella es erwartet haben. Das Loslassen von Menschen spielte kaum eine Rolle, dafür aber das Loslassen von Dingen und die Hörerinnen und Hörer, die angerufen haben, suchten keinen Rat, sondern hatten eher Tipps, wie man es schafft, sich von Dingen zu trennen, sich in Würde davon zu verabschieden, aber auch, wie man negative Gefühle und Erinnerungen loslassen kann.
„Ein Traumjob“
Weit nach Mitternacht tritt Joachim Lauer die Heimfahrt an. Sein Beruf sei schon fordernd, die Arbeitszeiten jeden Tag anders, die Aufgabengebiete sehr vielfältig. „Es ist schon eine Leidenschaft – die Leiden schafft“, sagt er. Aber er habe einen echten Traumjob.
Dabei wäre Joachim Lauer fast einmal Bauingenieur geworden, so wie sein Vater, ist dann aber dem Ruf seines Herzens gefolgt und hat erst Religionspädagogik studiert, dann katholische Theologie. Ein Jahr hat er in Jerusalem gelebt, ein Praktikum in Kairo absolviert und war dann in der Auslandsseelsorge in Brüssel. Nun lebt er mit seiner Frau und den drei Jungs in Harthausen.