Rhein-Pfalz Kreis Mehr Täler als Berge

Mutterstadt. Falls demnächst in Mutterstadt mehrere Ehemänner den Löffel abgeben, könnte das an einem Pilzragout liegen. Das Rezept hat Anna Krämer, Sängerin der Twotones, mitgebracht. Zur Muttertagsmatinee im Alten Rathaus hat sie vom Leben zu zweit und wie man es beendet gesungen. Sogar die mitgeschleppten Männer im Publikum haben Tränen gelacht. Eingeladen hatten die Gemeinde und das Kulturbüro des Kreises.
Anna Krämer und Rainer Klundt sind auf der Bühne ein Paar. Aber wie das in langen Beziehungen so ist, da knirscht es auch mal hier und da im Getriebe. Klundt am Klavier sei nicht nur verkannt, seine Stelle sei auch vakant. „Wenn hier einer nur ein bisschen Klavier spielen kann“, flehte die Sängerin ins Publikum und reduzierte ihre Ansprüche später auf das Beherrschen der Triangel. „Ich geh’ mit dir durch Berg und Tal“, sinnierte sie. Aber die Täler werden immer tiefer und die Berge immer steiler. Doch zum Glück gibt es Hilfe in Form des einzig wahren Freunds der Frauen, der verständnisvoll, zuverlässig und immer da, wenn frau ihn braucht: der Friseur. „Du schenkst mir Gehör, gibst mir Strähnen statt Tränen“, sang Anna Krämer mit Inbrunst an den Meister der Schere und weiblichen Psyche. Es ist aber auch schwer, die Begeisterung für den eigenen Mann zu wahren, wenn man dessen Haare immer seltener auf seinem Kopf, dafür umso häufiger in der Dusche findet. Klundt hat seine Haare noch. Der Pianist hat sein Handwerkszeug mit klassischem Klavierunterricht schon als Grundschüler gelernt. Er hat viele Jahre mit Silke Hauck und Olli Roth gespielt, mit Rockbands diverse Preise gewonnen und ist künstlerischer Leiter verschiedener Festivals. Klundt am Piano rollt seiner Partnerin einen musikalischen roten Teppich aus, untermalt ihre Moderationen und begleitet ihre Lieder. Und er ist auch der Mann im Hintergrund, der die Stücke komponiert. Seine gelegentlichen Anmerkungen stacheln seine Partnerin nur umso mehr an. „Mir ist die Hand eingeschlafen“, gibt er zu bedenken, als die Sängerin sich grad wieder verzettelt. Und auch Anna Krämer ist ein echter Profi: Ausgebildet in Gesang und Schauspiel in New York und gesegnet mit einer tollen Stimme kann sie von der Opernarie bis zum Blues alles singen, was sie will. Sie stammt aus der Trierer Gegend, lebt aber schon viele Jahre in der Rhein-Neckar-Region. Hier gehört sie auch zu den Schönen Mannheims, ist als Solokünstlerin mit Chansons unterwegs und hat als Lola Blau mit dem gleichnamigen Theaterstück von Georg Kreisler Erfolge gefeiert. Dass sich Anna Krämer und Rainer Klundt kabbeln wie ein altes Ehepaar, ist natürlich Teil der Show. Sie gibt dabei das etwas überkandidelte Weibchen, das ganz nah am Wasser gebaut hat. So spontan und spektakulär wird sonst nur noch selten geschluchzt. Klundt gibt den geduldigen Dienstleister, der ab und zu einen trockenen Kommentar abschießt, der stets ins Schwarze trifft. Außerdem singt er auch, meist als zweite Stimme. „Sie sin’ noch net lang zamme“, stellte die Sängerin bei einem Zuhörerpaar fest. Untrügliches Indiz: Sie halten noch Händchen. Aber einige Jahre haben die beiden schon geschafft. Einen Sonderapplaus gab es für ein Paar auf der anderen Seite des Saals, das schon seit 56 Jahren zusammen ist. So viel Harmonie beeindruckte selbst die Künstler, die noch Liebeslieder ganz ohne Sarkasmus präsentierten. Am Ende jubelte das Publikum, was die Twotones so rührte, dass sie schon die gemeinsame Zukunft in Form einer gemeinsamen Alters-Wohngemeinschaft mit den Zuhörern planten. Die Revoluzzer vom Seniorenheim werden keine Ruhe geben und die grauen Köpfe zum „We will rock you“ schütteln – wenn die Twotones dabei sind, kann man sich die Ü80-WG der Headbanger tatsächlich recht lustig und fidel vorstellen.