Böhl-Iggelheim
Mehl in der Corona-Krise: Es klappert die Mühle
Nein, das Mehl an sich ist nicht knapp geworden, versichert Hans-Peter Berizzi. „Bei uns gibt es noch alles.“ Trotzdem herrsche immer noch ein bisschen ein Ausnahmezustand, weil ein paar Dinge zusammen gekommen seien. Vor Ostern werde generell mehr Mehl gekauft, weil zum Fest viel gebacken wird. Dazu kamen dem Walter-Mühlen-Chef zufolge Corona-bedingte Hamsterkäufe. Berizzi sieht es aber auch so: „Der Trend geht zum Selberbacken, die Leute sind seit Wochen zu Hause und backen mit den Kindern.“
Die Walter-Mühle läuft immer rund um die Uhr. In den letzten Wochen habe man die Kapazitäten für Kleinpackungen aufgestockt, berichtet Berizzi. „Da sind wir am Anfang wirklich gar nicht mehr nachgekommen“. Inzwischen lasse der Druck allerdings deutlich nach: „Die Anrufe sind nicht mehr so panisch.“ Die Walter-Mühle beliefert viele Supermärkte der Region, darunter Globus, Real, Rewe, Edeka und Wasgau. Normalerweise mache das Geschäft mit Kleinpackungen nur etwa rund fünf Prozent einer Mühle aus, das restliche Mehl gehe in die Industrie und an die Bäcker. Die wiederum würden in den letzten Wochen deutlich weniger Mehl brauchen, weil ihnen der Gastrobereich in der Corona-Krise weggefallen ist.
Ein Problem: Die Säcke kommen zum Teil aus Italien
Viele Mühlen hatten noch ein ganz anderes Problem: Lieferengpässe bei den Papiersäcken in den letzten Wochen, denn die kommen zum Teil von italienischen Firmen. „Mehl zum Packen war genug da, aber keine Säcke zum Verpacken. Wir haben es zum Glück gerade noch geschafft“, sagt Berizzi. „Da hat sich Corona-bedingt so einiges zusammengebraut.“
Eine Ausnahme gibt es allerdings: Dinkelmehl ist tatsächlich knapp. Zum einen ist die Ernte im letzten Jahr nicht so gut gelaufen, zum anderen ist die Nachfrage gestiegen. Dinkel liege im Trend, er gelte als gesund. Das Getreide ist schon im Ankauf für die Mühle viel teurer geworden und auch nicht mehr beliebig erhältlich.
Die Hefeknappheit kann Berizzi nicht so recht nachvollziehen. Die Nachfrage sei zwar sehr hoch gewesen, aber jeder Bäcker verkaufe frische Hefe. Die Trockenhefe sei allerdings sehr schnell ausverkauft gewesen, weil die Produktionskapazität begrenzt ist und Trockenhefe schwerer herzustellen ist. Ebenso sei das mit Sauerteig gewesen. Auch er wurde zum raren Gut. Aber das werde sich sehr bald regeln.
Vorsicht vor Lebensmittelmotten
Hans-Peter Berizzi führt die Walter-Mühle als Familienbetrieb in sechster Generation. Sie wurde von Seinem Ururgroßvater Philipp Walter 1893 gegründet und über die Jahre immer wieder modernisiert und ausgebaut. „Wir sind immer noch ein regionales familiengeführtes Unternehmen mit knapp 20 Mitarbeitern“, sagt Berizzi. Rund 30.000 Tonnen Getreide werden jedes Jahr in der Mühle hauptsächlich zu Mehl, Schrot, Grieß und Speisekleie verarbeitet.
Hobbybäcker können all das normalerweise im Mühlenladen kaufen. Der hat im Moment allerdings noch geschlossen, bietet aber einen Abholservice an. Bestellen kann man seine Einkaufswünsche per E-Mail (info@walter-muehle.de) oder telefonisch (06324/96150). Wer noch säckeweise gehamstertes Mehl zu Hause hat, findet auf der Homepage der Mühle Rezepte (www.walter-muehle.de). Wer weiter bunkern möchte, sollte das Mehl kühl und trocken lagern, denn bei 20 bis 25 Grad in der Küche kommen im Sommer Lebensmittelmotten.